Filmtipp #431 bis #438: Die besten Disney-Zeichentrickfilme (Teil 2)

Was gibt es Schöneres, als in der Adventszeit mit seinen Liebsten Kakao zu trinken, Kekse zu knabbern und einen alten Zeichentrickfilm zu schauen? Vor einiger Zeit habe ich schon einmal einige Disney-Klassiker empfohlen — bitte hier klicken! —, heute folgen acht weitere. Viel Spaß dabei!

Lady and the Tramp

#431: Susi und Strolch
Lady and the Tramp (1955)
Regie: Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske
Stimmen: Ina Patzlaff, Harry Wüstenhagen, Edgar Ott u. a.

Susi (die im Original Lady heißt) ist die vornehme Cocker-Spaniel-Hündin des Ehepaares Darling und gut mit den Nachbarshunden Jock (bzw. Yock) und Pluto (bzw. Trusty) befreundet. Eines Tages begegnet Susi dem streunenden Straßenköter Strolch (bzw. Tramp). Dieser warnt sie eindringlich, dass die Darlings sie links liegen lassen werden, sobald ihr Baby da ist. Strolchs Warnung tritt dann auch alsbald ein, als die Darlings in den Urlaub fahren und ihre garstige Tante Clara (bzw. Sarah) mitsamt ihren fiesen Siamkatzen ins Haus holen, um auf das Neugeborene aufzupassen. Die Katzen verwüsten das Haus und lassen Susi als Täterin dastehen, woraufhin Clara der armen Hündin einen Maulkorb verpasst. Kurz darauf nimmt Susi Reißaus und trifft auf ihrer Flucht erneut auf Strolch. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte; legendär ist die Szene, in der Susi und Strolch sich beim Italiener eine Schüssel Spaghetti teilen.
Die Idee zu dem Film kam Walt Disney, als er seiner Frau einen Welpen zu Weihnachten schenkte. Er wollte mit dem Geschenk eine Nachlässigkeit seinerseits wettmachen. Er hielt dieses biographische Erlebnis für einen prima Ausgangspunkt für einen Film und erwarb kurz darauf die Rechte an dem Buch »Dan, the Whistling Dog« von Ward Greene, das jedoch nur grob als Vorlage für das Drehbuch herangezogen wurde. Die Stadt, in der Disney den Film spielen ließ, war inspiriert von dem Ort seiner Kindheit: Marceline, Missouri. Nicht weniger als vier Tonnen Farbe wurden für »Lady and the Tramp« verwendet; im Film gibt es über 100 verschiedene Farbmischungen! Die herrlichen Songs steuerte Peggy Lee bei. Auf über 60 Jahre später ist und bleibt dies einer der schönsten Zeichentrickfilme aller Zeiten!

101 dalmatians

#432: 101 Dalmatiner
One Hundred and One Dalmatians (1961)
Regie: Clyde Geronimi, Hamilton Luske, Wolfgang Reitherman
Stimmen: Claus Jurichs, Liane Rudolph, Beate Hasenau u. a.

Bei einem Gassigang begegnen Roger und sein Dalmatiner-Rüde Pongo der aparten Anita und ihrer Dalmatiner-Hündin Perdi. Pongo nimmt die Zügel in die Hand und sorgt dafür, dass Roger und Anita sich ineinander verlieben — und er damit Perdi näher kommt. Alsbald leben die beiden Hundebesitzer zusammen und schauen freudig Perdis erstem Wurf entgegen. 15 kleine Welpen bringt die Dalmatiner-Dame zur Welt. Doch die Freude währt nur kurz, denn als Anitas alte Freundin Cruella DeVil (Beate Hasenaus unvergleichliche Stimme macht aus der überkandidelten Furie eine Naturgewalt!) auftaucht, sind die Kleinen in ernstlicher Gefahr, denn das irre Weibsstück will aus den Hundebabys einen Pelzmantel machen. Um an die Tiere heranzukommen, ist ihr jedes Mittel recht…
Wie so oft bei Disney gibt es mehrere Synchronfassungen. Mir liegt die zweite von 1980 vor, auf der unter anderem auch Brigitte Mira, Gisela Fritsch, Wolfgang Völz, Wolfgang Ziffer und Inge Wolffberg zu hören sind. Der Film ist ein spannender Zeichentrick-Krimi mit einer gehörigen Portion Humor.

winnie the pooh

#433: Die vielen Abenteuer von Winnie Puuh
The many Adventures of Winnie the Pooh (1977)
Regie: Wolfgang Reitherman, John Lounsbery
Stimmen: Heinz Palm, Santiago Ziesmer, Wolfgang Kühne u. a.

Der 22. abendfüllende Zeichentrickfilm aus der Disney-Schmiede war lange Zeit einer meiner liebsten. Auch heute noch schaue ich ihn mir gerne an — allerdings jetzt lieber im Original, da ich Santiago Ziesmers grässliche Stimme als Ferkel nicht mehr ertragen kann. Hier wurden drei zwischen 1966 und 1974 veröffentlichte Kurzfilme, die frei nach A. A. Milnes zeitlos schönen Kinderbüchern entstanden und zum Teil sogar mit einem Oscar bedacht worden waren, zu einem stimmigen Ganzen verbunden. Der »film-dienst« schwärmte: »Eine bemerkenswerte Zeichentrickproduktion voller Charme und Witz, getragen von einer menschenfreundlichen Philosophie, in deren Mittelpunkt Freundschaft, Aufrichtigkeit, Zuneigung und Ehrlichkeit stehen. Kinder werden an diesen fantasievollen Abenteuern viel Freude haben; erwachsenen Zuschauern wird nicht nur eine Wiederbegegnung mit der eigenen Kindheit beschert, sondern sie werden auch die liebevolle Animation zu schätzen wissen.« — Dem kann ich mich nur anschließen.

the fox and the hound

#434: Cap und Capper
The Fox and the Hound (1981)
Regie: Ted Berman, Richard Rich, Art Stevens
Stimmen: Beate Hasenau, Brigitte Mira, Wolfgang Völz u. a.

Neben dem Dschungelbuch, Robin Hood, den Aristocats und Bernard und Bianca war »The Fox and the Hound« vermutlich der Disney-Film, den wir als Kind am häufigsten zu sehen bekamen. Der gruselige Auftritt des zähnefletschenden Grizzlybären mit den feuerroten Augen war seinerzeit allerdings zu viel für mich; um ehrlich zu sein, finde ich diese Sequenz auch heute noch schrecklich und würde den Film meinem Kind vermutlich erst später zeigen. Als Kind bevorzugte ich die Schallplatte, vor allem wegen der Stimmen von Brigitte Mira, Susanne Tremper, Joachim Kemmer und Frank Glaubrecht.
Es geht hier um ein verwaistes Fuchsbaby namens Cap, das von der gutmütigen Witwe Tweed aufgenommen wird und sich mit dem Jagdhund-Welpen Capper anfreundet. Die beiden tollen und spielen miteinander, doch als Capper erwachsen wird und bei dem Jäger Amos Slade das Jagen lernt, verändern sich die Dinge: Cap gehört zu Cappers Beutetieren. Um ihn zu beschützen, bringt ihn die Witwe in ein Wildreservat, wo er schon bald neue Freunde findet. Doch der bärbeißige Jäger und Capper jagen auch dort…
Natürlich obsiegt am Ende die Freundschaft der beiden ungleichen Gesellen, sonst wäre es ja kein Disney. »The Fox and the Hound«, im Original von Kurt Russell, Mickey Rooney, Corey Feldman und anderen gesprochen, wurde mit rund 40 Millionen US-Dollar Einspielergebnis ein großer Erfolg. (Der Film hatte 12 Millionen Dollar gekostet.) Aufgrund eines Zeichnerwechsels im Hause Disney (viele junge Zeichner wechselten damals zu Don Bluths Studio) hatte sich die Produktionszeit ungewöhnlich lange hingezogen: 1977 wurde bereits begonnen, erst 1982 kam der Film in die Kinos. Das Ergebnis bestand aus nicht weniger als 360.000 Zeichnungen, 110.000 Folien und 1.100 Hintergrundbildern. Ein damals noch unbekannter Tim Burton war übrigens für die Animation der Fuchsdame Vixey verantwortlich.

Basil the great Mouse Detective Quad

#435: Basil, der große Mäusedetektiv
The Great Mouse Detective (1986)
Regie: John Musker, Ron Clements, Burny Mattinson, David Michener
Stimmen: Harry Wüstenhagen, Edgar Ott, Friedrich Schoenfelder u. a.

Diesen 26. abendfüllenden Disney-Film sahen wir damals sogar im Kino. Ein richtiger Krimi mit Gruselelementen, der erst ab sechs Jahren freigegeben war — höchst ungewöhnlich für einen Disney! Im Original holte man sich Vincent Price, um den Bösewicht Rattenzahn (bzw. Ratigan) seine Stimme zu leihen, eine Version von Professor James Moriarty, seines Zeichens der größte Widersacher Sherlock Holmes’. Ein weiteres Plus war die Filmmusik Henry Mancinis.
London, 1897: Der Spielzeugmacher Hampelmann wird vor den Augen seiner kleinen Tochter Olivia von einer einbeinigen Fledermaus entführt. In seiner Verzweiflung wendet sich das kleine Mäusemädchen an Basil, den großen Mäusedetektiv, der in der Baker Street direkt unter dem Haus von Sherlock Holmes lebt. Nach einigem Zögern und Hadern übernimmt Basil den Fall und macht sich mit seinem neuen Gehilfen, dem Kriegsveteranen Dr. Wasdenn (bzw. Dr. David Q. Dawson in der Originalfassung), auf die Suche nach dem Vater des Mädchens. Der befindet sich in den Klauen des dämonischen Professors Rattenzahn (Edgar Ott spricht ihn in der deutschen Version), der ihn für seine finsteren Pläne missbraucht: Hampelmann soll einen Roboter bauen, ein Duplikat der Mäusekönigin von England, mit dessen Hilfe er die echte Regentin stürzen und sich auf ihren Thron setzen will…
Ein wirklich spannender Film mit niedlichen running gags und einem haarsträubenden Finale auf den Uhrzeigern des Big Ben.

the little mermaid

#436: Arielle, die Meerjungfrau
The Little Mermaid (1989)
Regie: John Musker, Ron Clements
Stimmen: Dorette Hugo, Frank Schaff, Joachim Kemmer u. a.

Rund 200 Millionen Dollar spielte dieser Film weltweit ein und gehört damit zu den erfolgreichsten Produktionen aus den Disney-Studios; darüber hinaus gab es noch zwei Oscars. Frei nach Motiven des berühmten Märchens von Hans Christian Andersen erzählt der Film die Geschichte der Meerjungfrau Arielle, die mit ihrem Leben im Meer todunglücklich ist und sich nichts sehnlicher wünscht, ein Mensch zu sein. Ihr Vater, König Triton, sieht dies mit Argwohn und setzt seinen Hofmusikanten Sebastian, eine drollige Krabbe, auf seine Tochter an, um sie zu bewachen. Als Arielle den jungen Prinzen Eric vor dem Ertrinken rettet und sich in ihn verliebt, wittert die Meereshexe Ursula (ja, wieder einmal von Beate Hasenau gesprochen) ihre Chance, sich an Triton zu rächen: Sie verspricht Arielle, sie für drei Tage in einen Menschen zu verwandeln. In diesen drei Tagen muss Arielle von Eric den Kuss der wahren Liebe empfangen, erst dann kann sie für immer ein Mensch bleiben. Sollte dies innerhalb dieser Frist nicht geschehen, gehört ihre Seele der Meerhexe. Als Bezahlung verlangt Ursula zudem Arielles Stimme, was für diese prekär ist, da Eric sie nur an ihrer Stimme erkennen kann…
1998 entstand eine zweite Synchronfassung, die zwar der englischen Version näher kam als die ursprüngliche, aber bei weitem nicht deren Charme besaß. Zahllose Petitionen und Briefe aufgebrachter Fans brachten den Disney-Konzern dazu, 2013 eine DVD auf den Markt zu bringen, die beide Fassungen enthält. Die Variante von 1989 erfreut uns unter anderem mit Ute Lempers Gesang und einer der letzten Synchronarbeiten von Edgar Ott als König Triton.

Mulan

#437: Mulan
Mulan (1998)
Regie: Tony Bancroft, Barry Cook
Stimmen: Cosma Shiva Hagen, Otto Waalkes, Hannes Jaenicke u. a.

»Ein abenteuerlicher, von chinesischer Kunst inspirierter Zeichentrickfilm von außergewöhnlicher visueller Geschlossenheit, der ebenso spannende wie amüsante Unterhaltung bietet. Ganz nebenbei entspinnt er einen auch für Erwachsene durchaus spannenden Diskurs über Geschlechterrollen und Männlichkeitsbilder«, resümierte das »Lexikon des internationalen Films« anlässlich der Veröffentlichung des 36. Disney-Films, den ich erst im Mai 2015 zu sehen bekam, weil dies Ians persönlicher Liebling ist. Mein Höhepunkt des Ganzen: Otto Waalkes als kleiner Drache Mushu.

lilo and stitch

#438: Lilo & Stitch
Lilo & Stitch (2002)
Regie: Dean DeBlois, Chris Sanders
Stimmen: Shir-Aviv Hommelsheim, Bob van der Houven, Katharina Thalbach u. a.

Es war einmal auf einem fernen Planeten ein verrückter Wissenschaftler und sein missglücktes Experiment, das sich in blindem Zerstörungswahn in einem gestohlenen Raumfahrzeug auf den Weg zur Erde macht. Dieses Experiment heißt eigentlich 626, bekommt nach seiner Erdenlandung allerdings den Namen Stitch verpasst — von einem kleinen Mädchen namens Lilo, das den Außerirdischen für einen seltenen blauen Hund hält und adoptiert. Dieser wirklich sehr moderne Disney-Film punktet mit einem hohen Niedlichkeitsfaktor, Hawaii, Elvis Presley, dem schönen blauen Meer und einigen Lachern, kann sich aber insgesamt nicht mehr so ganz mit denen älteren Klassikern messen. Einspielergebnis: 273 Millionen US-Dollar. Dies war der zweite von insgesamt drei Disney-Filmen, die in den Studios in Orlando, Florida entstanden.

André Schneider

Advertisements

4 thoughts on “Filmtipp #431 bis #438: Die besten Disney-Zeichentrickfilme (Teil 2)

  1. Pingback: Filmtipp #486: Satan’s Harvest | Vivàsvan Pictures / André Schneider

  2. Pingback: 22. Juli 2017 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

  3. Pingback: Filmtipp #502 bis #510: Vergessene Perlen (Britisches Kino) | Vivàsvan Pictures / André Schneider

  4. Pingback: Filmtipp #516: Sliver | Vivàsvan Pictures / André Schneider

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s