1. Dezember 2016

Ian Hansen und Alexandre Vallès am 20.11.2016.

Ian Hansen und Alexandre Vallès am 20.11.2016.

Das British Film Institute fragte nach Sur les traces de ma mère, und auch in Marseille sollen wir jetzt laufen. Habe die Dialoge noch einmal alle auf Englisch zu einer Liste für die Untertitel zusammengefasst, und auch sonst ersticke ich in Arbeit. Im Nebenjob häufen sich die Überstunden — jeden Tag etwa zwei —, zu Hause versuche ich mit aller Kraft, ein wenig Gemütlichkeit herzustellen. Habe mal alle Schränke ausgewischt, vieles aussortiert, weggeworfen, Platz geschaffen — auch in meinem Kopf. Langsam, ganz langsam kristallisiert sich der Plot für einen neuen Film heraus; vielleicht wird das endlich der Thriller, den ich seit Jahren zur Welt bringen will. Am 27. November sahen wir uns »Fantastic Beasts and Where to Find Them« (Regie: David Yates) an, quasi unser Einstieg in die Adventszeit. Ein beeindruckender Film, der im Heimkino wohl niemals zur Geltung käme. Die phantasievolle Gestaltung von der ersten bis zur letzten Sekunde, eine gute Geschichte sowie das engagierte Spiel aller Beteiligten machen das Ganze zu einem superben Kinospaß.
Am Dienstag sah ich endlich den Film, über den 2016 (gefühlt) die ganze Welt sprach: »Théo et Hugo dans le même bateau« (Regie: Olivier Ducastel, Jacques Martineau).
Ian: »Und, war er gut?«
Ich: »Wir können einpacken, jetzt ist alles erzählt. Das ist vielleicht der beste Schwulenfilm der Gegenwart.«
Ducastel und Martineau hatten bereits vor gut zwölf Jahren einen ganz besonderen Film gemacht: Crustacés et coquillages mit Jean-Marc Barr. Der war schon toll. Aber was die beiden hier zustande gebracht haben, ist außerordentlich. Dieser Film konserviert das Lebensgefühl, den Puls einer ganzen Generation schwuler Männer. Alles an »Théo et Hugo…« ist stimmig, von der Einheit von Zeit und Raum über die flirrende Musik und die weichen, langen Plansequenzen bis hin zu den famosen Hauptdarstellern, denen völlig rechtens die lautesten Lobeshymnen gesungen wurden. Was Geoffrey Couët und François Nambot da tun, durchbricht die Grenzen zwischen Spiel und Performance; Couët jongliert gekonnt mit den Worten (man spürt den Theater-Background), während Nambot seinen Körper einsetzt. Die sozio-emotionale Achterbahnfahrt, die die beiden zu absolvieren haben, meistern die wenigsten Schauspieler. Nur die allerbesten verfügen über eine derartige Voltstärke. Die Chemie ist authentisch, da ist so viel echte Zärtlichkeit. Eigentlich der perfekte Weihnachtsfilm. Okay, okay, da wäre natürlich die gut 20minütige Gruppensexszene am Anfang. Starker Tobak, aber in Zeiten von Intimacy, Shortbus und anderen Filmen auch nicht mehr sonderlich erwähnenswert. Das, was danach kommt, ist entscheidend, und das ist (beinahe) zu schön für Worte. Ein Rezensent hat es schön auf den Punkt gebracht: »Die Regisseure […] liefern ihr kühnstes und bestes Werk ab, und während sich heterosexuelle Zuschauer sicherlich durch die Orgie ausgegrenzt fühlen werden, so werden sie es sein, die am Ende etwas verpassen.« Toll auch die Szene mit Marief Guittier in der Métro; »Théo et Hugo…« ist der schönste Paris-Film seit langem.

Geoffrey Couët und François Nambot als Théo und Hugo.

Geoffrey Couët und François Nambot als Théo und Hugo.

Und wieder habe ich nur über Filme geschrieben. Das Leben scheint mir augenblicklich nicht viel mehr zu bieten. Ich hoffe sehr, Euch bald thematisch ein wenig Abwechslung bieten zu können. Einen angenehmen Start in den Weihnachtsmonat wünsche ich Euch!

André

P.S.: Wieso eigentlich ist Ivy Levan nicht berühmter? Stimmlich spielt die Frau in einer Liga mit Adele — und sieht dazu noch verboten heiß aus!

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