Filmtipp #424: Szenen einer Ehe

Szenen einer Ehe

Originaltitel: Scener ur ett ätkenskap; Regie: Ingmar Bergman; Drehbuch: Ingmar Bergman; Kamera: Sven Nykvist; Darsteller: Liv Ullmann, Erland Josephson, Bibi Andersson, Jan Malmsjö, Gunnel Lindblom. Schweden 1973.

scener ur ett äktenskap

So viel Realismus muss man als Zuschauer erst einmal verkraften können: Marianne (Ullmann) und Johan (Josephson) sind ein scheinbar glückliches Ehepaar, das harmonisch auftritt und „funktioniert“. Der Streit eines befreundeten Ehepaares (Andersson, Malmjö), der schließlich in Scheidung mündet, bleibt jedoch auch für Marianne und Johan nicht wirkungslos. Zunächst in latenten Andeutungen, später jedoch im immer offeneren Auseinandersetzungen zeigt sich, dass ihre Ehe schon lange unterschwellig durch nie ausgetragene Konflikte belastet war. Als Johan eine 23jährige Studentin kennen lernt und in Erwägung zieht, einen Lehrauftrag im Ausland anzunehmen, kommt es zu einem (vorläufigen) Bruch. Nach quälenden Diskussionen, die das Paar an den Rand der Selbstzerfleischung führen, entschließt man sich zur Trennung, ohne jedoch in den kommenden Jahren ganz voneinander loskommen zu können.

Zwei Dekaden lang waren Ingmar Bergmans Filme bei Kritikern und einem ausgewählten, kleinen Publikum überaus begehrte Kinokost gewesen, doch erst 1973 sollte der Meisterregisseur auch bei einem Millionenpublikum ankommen: »Scener ur ett ätkenskap« war von Beginn an als Fernseh-Mehrteiler konzipiert und entstand mit bescheidenstem Aufwand (Budget: ca. 300.000 Euro) im 16mm-Format. In Schweden waren das TV-Publikum von dem Ehedrama so gebannt, dass die Straßen und Plätze während der jeweiligen Sendetermine wie ausgestorben wirkten. Aus den rund 285 Minuten der Fernsehfassung wurde aufgrund des Erfolgs ein 170minütiger Kinofilm geschnitten, der 1975 u. a. einen Golden Globe gewann. Nach dem 1963 entstandenen »Tystnaden« wurde »Scener ur ett ätkenskap« das erfolgreichste Werk in Bergmans Karriere. Beeindruckend ist das unheimlich konzentrierte und realistische Agieren der beiden Hauptdarsteller, die oft minutenlange Schuss-Gegenschuss-Sequenzen mit ungeheurer Intensität spielen, die auch dem Publikum einiges abfordern. Nicht mein liebster Bergman-Film, aber für all diejenigen, die ihn noch nicht kennen, ein guter Anfang — und definitiv das Richtige für einen grauen Herbsttag.

André Schneider

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  1. Pingback: 4. April 2017 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

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