20. Oktober 2016

»Im Alleinsein kann man unheimlich intensiv sein.«
Interview von Leander Kreßler für vivasvanpictures.wordpress.com, 20. Oktober 2016.

André Schneider in "Sur les traces de ma mère", dem Erstlingsfilm von Ian Hansen.

André Schneider in “Sur les traces de ma mère”, dem Erstlingsfilm von Ian Hansen.

André Schneider, 38, mag es unkompliziert. Zu unserem Interviewtermin treffen wir uns im Café de l’industrie, seinem Lieblingscafé, nur einen Steinwurf von der Bastille entfernt. Seit einer Woche ist der Wahl-Berliner wieder zu Dreharbeiten in Paris und hat dafür ein Apartment in der Nähe des Moulin Rouge bezogen. Wie immer ist er überpünktlich, obwohl unser Treffen sehr kurzfristig vereinbart wurde. Neben seiner Pünktlichkeit ist vor allem eines auffällig: seine Entspanntheit, eine für ihn ungewohnte Lässigkeit. Er parliert in einem mittlerweile makellosen Französisch und bestellt heiße Schokolade für uns. Schließlich fällt einem auf: Deutschland spielt keine große Rolle mehr in André Schneiders Leben. »Meine Filme erscheinen ja gar nicht bei euch in Deutschland«, sagt er beiläufig. Man hat es beinahe überhört, dieses »bei euch«. Es klang nicht trotzig oder arrogant, auch nicht sarkastisch — es klang selbstverständlich. So, als ob er einfach nicht mehr dazugehört. »Was heißt hier ›nicht mehr‹?«, lacht er und fügt hinzu: »Eigentlich habe ich da nie so wirklich reingepasst.« Schneider gehört zu den ganz wenigen deutschen Schauspielern mit internationalem Renommee, doch im Gegensatz zu Daniel Brühl, David Kross oder Christoph Waltz kennt ihn auch nach 20 Jahren im Berufsleben kaum jemand. »Das ist schon in Ordnung«, sagt er, »meine Arbeit ist nur für ein Nischenpublikum gemacht.«

Du arbeitest lange schon nicht mehr in Deutschland. Die Distanz scheint dir gut zu bekommen.

»Ja, das kann man so sagen. Im Moment habe ich auch nicht das Bedürfnis, noch einmal zurückzukehren. In kreativer Hinsicht fühle ich mich hier einfach freier — als ein Mensch. Ein Gefühl, das ich schwer erklären oder beschreiben kann. Vielleicht hängt es mit meiner inneren Entwurzelung zusammen. Ich wollte ja immer weg, schon als Schüler war ich ständig in England, machte Schüleraustausche in Irland und den USA mit und wollte 1998 eigentlich nach New York gehen. Meine ersten professionellen Bühnenerfahrungen habe ich dann in London gemacht, dann kamen die Wanderjahre, in denen ich von Berlin aus nach Spanien, Großbritannien, Belgien, Österreich, die Niederlande und die Schweiz reiste, um dort Projekte in Angriff zu nehmen. Ich war mehr und mehr in der Lage, mich überall heimisch zu fühlen, auch in mir selbst, nur eben leider nicht dort, wo ich herkam. In der deutschen Zugehörigkeit fühlte ich mich eingeengt, und auch künstlerisch gab es in Deutschland keine Zukunft für mich.«

Was hat dich seinerzeit an Deutschland besonders gestört?

»An Deutschland selber eigentlich gar nichts. Mein berufliches Weggehen hatte keine politischen Gründe. Ich hatte mich schlicht und ergreifend in ein Umfeld gebracht, das für mich nicht gut war, ich hatte einige falsche Freunde, mit denen ich dummerweise auch gearbeitet hatte. Ich hatte gedacht, in einer freundschaftlich-familiären Atmosphäre ließe sich angenehmer arbeiten und wollte meinen Freunden eine Chance geben, indem ich sie mit an Bord holte. Bei einigen Projekten hatte ich viel gegen Intrigen und Bösartigkeit zu kämpfen, und einmal bin ich aus meinem eigenen Film gemobbt worden. Die Verleumdungen durch meine vermeintlichen Freunde, diese Häme, die Diffamationen taten unheimlich weh. Es war mit das Härteste, was ich je erleben musste. Das hat mich um Jahre zurückgeworfen und zeitweise mein Vertrauen in Freundschaften zerstört. Ich hatte den Glauben an Loyalität verloren. Das tat so ungeheuerlich weh, weil ich mein ganzes Leben mit unbeirrbarer Naivität der festen Überzeugung gewesen war, dass dieser Beruf etwas mit Liebe zu tun habe.«

So etwas hast du im Ausland nicht erlebt?

»Nein, nie. Vielleicht ist das etwas sehr Deutsches, diese Missgunst, die Gehässigkeit, die Freude am Bösen, der Neid, die Schadenfreude. Und wenn kein Schaden da ist, muss man ihn eben jemandem zufügen, um schadenfreudig sein zu können. Also wenn mich etwas am Deutschsein störte oder stört, dann ist es diese Kleinkariertheit, die Kleinbürgerlichkeit, diese fast schon manische Intoleranz. Obwohl: wir in den Neunzigern haben ja schon ein modernes Deutschland erlebt, das sich mit sich und der Welt auch konstruktiv auseinander gesetzt und Verantwortung übernommen hat. Wer in den 1960ern oder 1970ern in Westdeutschland aufwuchs, hat da noch eine ganz andere Dimension von Realitätsverschluss und Verbohrtheit erlebt. Das änderte sich zum Glück. Aber eines ist geblieben: Immer geht es um persönlichen Erfolg, um den Ruf und Statussymbole. Es herrscht immer noch diese blöde, mühselig erarbeitete Nachkriegsidentität der Verlierer. In den meisten Kleinstädten können sich die Leute nicht daran gewöhnen, dass ein Stadtbild von Menschen verschiedener Ursprünge, Religionen, Identitäten geprägt sein kann. Ich kenne das noch aus aus meiner Geburtsstadt, da glotzte man wie wahnsinnig, wenn dort ein Farbiger über die Straße ging. Das war dann für die Hildesheimer der Schock des Tages, und die vertrockneten katholischen Weiber zerrissen sich dann am Telefon das Maul darüber.«

Dieses Verhalten war eine Zeitlang fast verschwunden, um in den letzten Jahren wieder zu erstarken und im Augenblick leider mit der AfD salonfähig zu werden. Was ist diese Angst vor dem Fremden, diese Xenophobie eigentlich?

»Es ist psychologisch nachvollziehbar, aber inakzeptabel, wenn sich Menschen gewalttätig gegen gegen gesellschaftliche Veränderungen stemmen. Da werden extreme Parolen bemüht, so wie wir, als wir aufgewachsen sind, einen Weg oder Kult gesucht haben, dem man folgen konnte — und sei es der Kult von Musik oder Film. Im Unterschied zu damals gibt es heute jedoch kein Halten mehr, was Gewalt anbelangt. Die wird momentan geradezu gezüchtet, täglich vorgelebt und deklariert. Ebenso die rhetorische Unaufrichtigkeit, das Schüren der Angst, die man pausenlos durch Politiker erfährt, die nur einen winzigen Schritt von physischer Gewalt entfernt ist. Da kann sich eine Frauke Petry noch so oft von distanzieren, es bleibt trotzdem ein Anstacheln.«

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Denkst du von Zeit zu Zeit an deine Kindheit und Jugend in Hildesheim zurück?

»Dann und wann natürlich schon, ja. Ich komme langsam an den Punkt, mir ein wenig Nostalgie zu erlauben, denn alles in allem hatte ich eine schöne Kindheit. Die Probleme, die ich hatte, waren bestimmt nicht ungewöhnlich, das machen viele Jugendliche durch. Nur dass meine Rebellion wirklich lange anhielt. Nach dem Abi nahm ich Reißaus und wollte 16, 17 Jahre lang nichts mehr mit Hildesheim zu tun haben. Wann immer ich darauf angesprochen wurde, schimpfte ich. Heute habe ich mit der Stadt meinen Frieden geschlossen und komme gerne für ein paar Tage zurück. Was ich bedaure, ist die oftmals passive Haltung, in die uns viele unserer Lehrer damals hineindrückten. Wir wurden nicht zur Mündigkeit, sondern zu Kämpfern — Einzelkämpfern — erzogen, das war wirklich beklagenswert.«

Wer hat damals an dich geglaubt oder an die Kraft, die in dir steckte?

»Gute Frage. Spontan fällt mir eigentlich nur mein Großvater ein, aber der starb, als ich 16 war. Dann war da noch Clarissa, eine gute Freundin meiner Mutter. Sonst eigentlich niemand. Ich war immer sehr alleine mit mir und meinen Flausen, las viel, schrieb viel, ging zum Tanzunterricht, war in Theatergruppen, drehte mit meiner Videokamera erste Filme. Man ließ mich weitestgehend gewähren, aber man nahm mich nicht ernst und förderte mich dementsprechend auch nicht. Lange Zeit war ich darüber sehr traurig oder auch wütend gewesen, später sah ich dann, dass mir das insofern genützt hatte, als dass es mich unabhängig machte und auch willensstark.«

Wie siehst du Deutschland heute?

»Das ist schwierig zu beantworten. Insgesamt bemühe ich mich bei aller Kritik um ein differenziertes Bild, und bei der Geschwindigkeit der weltweiten Veränderungen ist dieses Bild ständigen Veränderungen unterlegen. Deutschland ist ein Körper, eine Architektur, in der es sehr viel Starres, Wüstes und auch viel Feines gibt. Leider ist die kulturelle Wiederentwicklung nach 1945 sehr seicht gewesen, alles drehte sich um Unterhaltung und war verhältnismäßig flach. Poesie und Politik wurden in der Kunst sehr selten thematisiert. In Frankreich waren Fragen nach dem Sinn und Sein sehr viel zentraler, schon durch den Existenzialismus. Auch die Integration fremder Kulturen ist dort unterm Strich besser als in Deutschland gelungen. In England setzte man sich vor allem in den Siebzigern komödiantisch mit den Klassenunterschieden auseinander; ich denke da vor allem an Serien wie ›Are You Being Served?‹. Die Wiedervereinigung von DDR und BRD war natürlich ein unglaubliches Ereignis. Beim Fall der Mauer saßen wir gebannt vorm Fernseher, ohne wirklich erfassen zu können, was das konkret bedeuten würde. Aber wie sich das alles vollzog, in welchem Tempo und mit welchen Maßstäben der Osten vereinnahmt und eine über Jahrzehnte gewachsene Identität unterminiert wurde, erscheint mir aus heutiger Sicht sehr, sehr fragwürdig. Die Chuzpe, mit der sich der Westen über den Osten stellte, war bodenlos. Doch es ist nach wie vor schwierig, all das realistisch zu beurteilen, weil es so verschachtelt ist und zu viele Standpunkte in sich einfach ›richtig‹ sind. Jedes Statement, das man abgibt, ist somit eine Verklärung der Situation. Trotz alledem bin ich Deutscher, aber ich spreche für oder gegen Deutschland, so wie ich jedes Land kritisieren oder loben würde. Nationalstolz ist mir fremd.«

Weil deutsche Identität zu viel Moralität und zu wenig Seele in sich birgt?

»Hm, vielleicht. Es heißt, der Deutsche habe Schwierigkeiten mit seiner Identität; dabei hat er eigentlich zu viel davon, er schwappt nur so über vor Identität und Ich-Gefühl. Und dieses deutsche Gefühl von Zugehörigkeit hat etwas unglaublich Grobes, Vulgäres, Aggressives an sich. Die deutsche Seele ist kleinkariert, geizig, zählend, will sich immerzu vergleichen und beweisen, will zeigen, dass sie etwas wert ist. Sie ist faustisch, dominiert von Unzufriedenheit, kann sehr kompliziert sein und neigt zum psychologischen Detail. Die deutsche Seele hat es schwer, weil sie ständig strebt, nach neuen Wegen sucht und dabei unfähig ist, sich am Dasein zu erfreuen und das Leben zu genießen. Daher wahrscheinlich dieser Geiz, dieser Krampf, der Wille auch zur Bösartigkeit und Feindseligkeit: um sich selbst zu bestätigen und den anderen zu erniedrigen. Gott, klingt das jetzt alles negativ!«

Aber es gibt doch auch die andere Seite…

»Sicher, dort führen deutsche Tiefgründigkeit und Kompliziertheit auch zur Kunst. Vor allem ist es die Sprache, die das definiert. Leider hat sie heutzutage einen Teil ihrer Schönheit eingebüßt, man ist manchmal richtig schockiert über das, was man um sich herum hört, diese Aussprache, dieses Jaulen. Das ist unverzeihlich, denn die deutsche Sprache ist in ihren Nuancen so gefächert wie nur wenige andere Sprachen. Deshalb ist auch der Gedanke dreispaltig und nicht einspaltig, das Wort vierdeutig oder dreideutig, darum sind die Sätze lang und verschlungen, verworren, verloren und schlüssig zugleich und fähig, in Abgründe hineinzusteigen. Diese Sprache ist so phantasievoll, hat so viele Gesichter. Man kann in die Worte hinein beißen, sie kauen, da ist so viel Substanz. Es ist auch eine herrlich kraftvolle Bühnensprache, wie dazu gemacht, um Geschichten zu erzählen. Die deutsche Seele definiert sich sehr stark durch ihre Sprache, und das liebe ich sehr.«

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Hat es dich gekränkt, als dir vor zehn Jahren ein englischer Kritiker »kalte deutsche Augen« zuschrieb?

»Nein. Das ist ein Klischee, das nichts mit mir zu tun hat. Irgendwer schreibt mir vermutlich ›warme‹ Augen zu, was soll ich dazu schon sagen? So etwas interessiert mich herzlich wenig.«

Wie hast du ein eigenes Gespür für Qualitäten entwickelt?

»Durch Fehler, vor allem aber einfach durch das Weitermachen und Experimentieren. Ich habe Musik gemacht, bin als Comedian aufgetreten, habe Theater gespielt, journalistisch gearbeitet, geschrieben, gedichtet, komponiert, gesungen, getanzt, Filme produziert oder auch inszeniert, getrommelt, Gitarre gespielt, gemalt, mich von Fotografen inszenieren lassen. Ich habe Grenzen ausgelotet und weiß heute, was ich gut kann, was ich weniger gut kann und was ich überhaupt nicht kann. Vor allem habe ich inzwischen eine Ahnung von dem, was ich auf gar keinen Fall mehr möchte. Das ist das Gute daran, unbekannt zu sein: dass man sich ausprobieren kann, ohne von einer breiten Öffentlichkeit be- oder gar verurteilt zu werden. Im Grunde genommen bin ich auch ganz dankbar, immer einen Nebenjob gehabt zu haben, so dass ich mich in meiner kreativen Arbeit nicht oder nur ganz selten kompromittieren lassen musste. Die Unabhängigkeit fordert zwar materiell einen hohen Preis, dafür schenkt sie einem gewisse Freiräume, die ich nicht mehr missen möchte.«

Bist du noch bereit, in deiner Kunst Kompromisse einzugehen?

»Bedingt. Ich arbeite gerne im Team, da ist Kompromissbereitschaft eine Grundvoraussetzung. Da ich für die Filme, die ich machen möchte, das Budget nicht habe und vermutlich auch in absehbarer Zukunft nicht bekommen werde, sind die meisten meiner Filme ohnehin schon Kompromisse, was aber nicht unbedingt schlecht sein muss. Natürlich würde mich ein kommerzielles Projekt einmal reizen, und das würde einen totalen Kompromiss bedeuten. Wenn die Masse etwas gut findet, hat es auch immer etwas Oberflächliches, denn die Masse kann sich nicht mit Leid, Verschrobenheit, Kompliziertheit, mit sprachlichen oder stilistischen Spezialisierungen konfrontieren. Wenn sich ein ansprechendes kommerzielles Projekt auftäte, dann würde ich es gerne in Angriff nehmen, und sei es nur des Ausprobierens wegen.«

An welchem Punkt deiner Laufbahn befindest du dich gegenwärtig?

»Die Frage ist so schwer zu beantworten wie der Versuch, sich selbst zu analysieren. Ich muss da meine Worte ganz präzise wählen. Ich denke, ich bin heute konzentrierter und intensiver, weil ich meine Energien, Gedanken und Ideen besser bündeln kann. Ich habe auch das Überflüssige abgestreift und bin weniger ablenkbar.«

Du hast in den letzten 20 Jahren ein Leben in rasantem Tempo geführt. Welchen Preis musstest du dafür zahlen?

»Keinen. Ich habe die Wahl getroffen, wirklich für meinen Beruf zu leben und nicht als ewiger Student mit dem Rucksack durch die Welt zu ziehen. Ich stand schon früh unter Spannung, und mit 18, 19, 20 wuchsen die eigenen Ansprüche, mich zu behaupten. Das war unangenehm, aber ich habe es auch geliebt. Ich habe mich entschieden, etwas zu tun, und meine ganze Energie und Gedanken darauf verwendet. Ich wollte in anderen Ländern und Kulturen leben, neue Sprachen lernen und mich durch meinen Beruf mit ihnen konfrontieren. Es war, als könne ich meine Freiheit nur in der Fremde verwirklichen. Das hat mich sicher zu keinem angenehmen Mitmenschen gemacht; ich konnte zum Beispiel nie gleichzeitig einen Menschen und den Beruf lieben — im Zweifelsfall entschied ich mich immer für den Beruf.«

Die Freiheit eines Einzelgängers.

»Im Alleinsein kann man unheimlich intensiv sein. Ich war lange Zeit ganz glücklich, mit mir allein zu leben, völlig unabhängig zu sein. Auch eine unerfüllte Sehnsucht kann man genießen. Ich habe viel gelesen, studiert, Neues für mich entdeckt, zeitweise völlig besessen bis in die frühen Morgenstunden geschrieben. Diese Prozesse waren mir wichtig und eigentlich nur im Alleinsein erlebbar. Wenn jemand versuchte, mich auf einen anderen Weg zu bringen, habe ich das zuweilen auch sehr aggressiv unterbunden. Beziehungen, die mich störten oder durcheinanderbrachten, habe ich beendet. Nach dem Tod meines Lebensgefährten, da war ich gerade 26 geworden, habe ich das Alleinsein zehn Jahre in vollen Zügen ausgekostet. Es gab zwar Affären, aber eigentlich nichts, was ernsthaft auf Dauer angelegt war. Mit 36, 37 dann wollte ich davon wegkommen und mich auf etwas anderes im Leben konzentrieren als immer nur auf meine Arbeit und meine Träume. Ich wollte Verantwortung für andere tragen und wieder für jemanden da sein.«

Du drehtest dann letztes Jahr mit deinem Freund einen Film, der jetzt kurz vor Weihnachten in Frankreich erscheint.

»Das ergab sich ganz organisch. Sur les traces de ma mère war eine Auftragsarbeit für meinen französischen Verleih gewesen. Ian ist ein hervorragender Schauspieler, der es aufgrund seiner Größe und seiner leichten Gehbehinderung schwer hat, ein Engagement zu bekommen. Ich habe zunächst eine kleine Rolle für ihn geschrieben. Als er uns dann am Set besuchte und immer wieder kluge Vorschläge parat hatte, übertrug ich ihm die Regie. Er ist also quasi ins kalte Wasser gesprungen und stellte binnen weniger Monate einen abendfüllenden Spielfilm in fremder Sprache fertig; ich bin sehr stolz auf ihn und seine Arbeit.«

In Sur les traces de ma mère spielst du einen Schriftsteller, der nach außen hin klar und gefestigt wirkt, in Wahrheit aber ein beziehungsunfähiger Alkoholiker ist, der sein Verlassenwerden durch die Mutter vor 30 Jahren immer noch nicht verarbeitet hat. Eine interessante Charakterrolle…

»Das ging nicht ganz spurlos an mir vorbei, muss ich zugeben. Es ist manchmal sehr verstörend, einen gestörten Menschen zu spielen. Als der Dreh vorbei war, fühlte ich mich leer. Das habe ich nach einem Dreh häufiger, aber diesmal fühlte ich mich regelrecht ausgesaugt. Aber es hat sich gelohnt, es ist ein netter Film geworden.«

Nehmen wir einmal an, du würdest wieder im deutschsprachigen Raum drehen: Mit welchem Filmemacher würdest du gerne arbeiten?

»Ich bin wohl kaum in der Position, mir das aussuchen zu können, aber gut, spinnen wir mal rum: Florian Gottschick wäre ein Regisseur, der mich interessierte. Für den würde ich mich mit den Fingerkuppen am Dach eines Wolkenkratzers festkleben lassen. Martin Gypkens, Marcel Gisler, Jan Gassmann haben tolle Filme gemacht. Ich würde gerne noch einmal mit Ingo J. Biermann drehen. Wir haben zwischen 2003 und 2005 sehr produktiv und kreativ miteinander gearbeitet; leider ging unsere letzte Zusammenarbeit nicht gut aus, und ich habe immer noch das Gefühl, ich habe bei ihm etwas gutzumachen. Und glaube es oder nicht: ich würde sehr gerne einmal in einem ›Tatort‹ dabei sein, einfach nur, um meinen Eltern eine Freude zu machen.«

Weitere Interviews mit André:
»Freaky Balls« is coming to London this autumn (English)
Filme können Freunde sein (Deutsch)
October 5, 2016 (English)
March 8, 2015 (English)
7. November 2014 (Deutsch)
18. Juni 2014 (Deutsch)
28. Dezember 2013 (Deutsch)
December 14, 2013 (English)
8. Dezember 2013 (Deutsch)
May 31, 2012 (English)
30. April 2012 (Deutsch)
24. März 2012 (Deutsch)
Lundi 22 novembre 2010 (Français)
Jeudi 1 juillet 2010 (Français)
30. März 2010 (Deutsch)

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