Filmtipp #417: Die Strohpuppe

Die Strohpuppe

Originaltitel: Woman of Straw; Regie: Basil Dearden; Drehbuch: Robert Muller, Stanley Mann; Kamera: Otto Heller; Musik: Norman Percival; Darsteller: Gina Lollobrigida, Sean Connery, Ralph Richardson, Alexander Knox, Johnny Sekka. GB 1964.

woman of straw

Charles Richmond (Richardson) ist eine Plage für seine Umwelt. Der zänkische Multi-Millionär piesackt seine Angestellten, wo er nur kann, und es macht ihm Freude. Auch sein Neffe Anthony, genannt Tony (Connery), ist Dauerziel von Onkelchens sadistischen Späßen und Erniedrigungen. Nun ist Tony allerdings auch kein angenehmer Zeitgenosse, sondern ein fauler Nichtsnutz, der nur darauf wartet, Onkel Charles’ Vermögen zu erben. Dieser jedoch denkt gar nicht daran, ihn als Universalerben einzusetzen, und so greift Tony zu einer List: Er bringt die attraktive Krankenschwester Maria (Lollobrigida) dazu, seinen Onkel zu ehelichen, damit sie nach seinem Tod in den Besitz seines Vermögens gelangt, das dann geteilt werden soll. Der alte Knacker heiratet Maria — klar! — und segnet auch alsbald das Zeitliche. Nun schreitet Anthony zum zweiten Teil seines Plans, von dem er Maria allerdings nichts erzählt hat…

Basil Dearden (Sapphire) war ein hervorragender Krimi-Regisseur, doch bei »Woman of Straw« standen ihm einfach zu viele Hindernisse im Weg, angefangen beim mittelmäßigen Drehbuch, dessen holprige Dramaturgie sich kaum mehr ausbügeln ließ, bis hin zu einer Hauptdarstellerin, die ihren Dilettantismus beim besten Willen nicht verhehlen konnte. Das größte Problem war jedoch, dass sich »Woman of Straw« viel zu ernst nahm — eine gute Dosis des selbstironischen englischen Humors hätte aus dem schwermütigen Thrillerchen einen wesentlich besseren Film gemacht. Sean Connery, der die willkommene Chance wahrnahm, endlich einmal eine zwielichtige Rolle spielen zu können, gibt eine solide Vorstellung, und Ralph Richardson ist als an den Rollstuhl gefesselter Tyrann sehr gut, während sich die Besetzung mit Gina Lollobrigida als eklatanter Fehler erwies, denn die hatte außer ihren Kurven wenig Berauschendes in diese Produktion einzubringen. Zudem war die Diva am Set alles andere als kooperativ und meinte, Basil Dearden Anweisungen geben zu müssen, wie dieser sie mit der Kamera am besten ins Visier zu nehmen habe. Connery wurde ihr zickiges Gebaren eines Tages zu bunt, so dass er Lollo eine Standpauke hielt: »Entweder führt er Regie oder du; wenn du jedoch den Film drehen solltest, dann bitte ohne mich!«
»Woman of Straw« startete 1964, jenem Jahr, in dem auch Marnie und Goldfinger in die Kinos kamen, und konnte es mit keinem der beiden Streifen aufnehmen. Was bleibt, ist der in einigen Sequenzen noch gut spürbare Dearden-Touch, die satten Farben und das Charisma seines Hauptdarstellers, der auch als Bösewicht eine teuflisch gute Figur macht.

André Schneider

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