Filmtipp #416: Herr im Haus bin ich

Herr im Haus bin ich

Originaltitel: Hobson’s Choice; Regie: David Lean; Drehbuch: David Lean, Norman Spencer, Wynyard Browne; Kamera: Jack Hildyard; Musik: Malcolm Arnold; Darsteller: Charles Laughton, Brenda de Banzie, John Mills, Daphne Anderson, Prunella Scales. GB 1954.

hobsons choice

Harold Brighouses scharfsinnig-komisches Bühnenstück von 1915 gehört zu den großen englischen Klassikern des 20. Jahrhunderts. 1954 kam mit David Leans meisterlicher Adaption die bereits dritte und mit Abstand beste Verfilmung des Stoffes in die Lichtspielhäuser. Charles Laughton gibt eine urkomische und wie üblich stark überzogene Vorstellung als Henry Hobson und ist damit Dreh- und Angelpunkt dieser charmant-altbackenen Komödie um einen verwitweten Schuhmacher, der mit seinen drei Töchtern zusammenlebt, von denen die älteste, Maggie (de Banzie), den Laden schmeißt, während ihr Vater sich dem Suff hingibt. Hobson ist ein unangenehmer Zeitgenosse, der im Pub über das Leben philosophiert, seine Töchter piesackt und vom Geiz zerfressen ist. Da er sich die Mitgift sparen will, verbietet er seinem Nachwuchs schlichtweg die Heirat. Doch mit Maggies Cleverness hat der alte Tyrann nicht gerechnet: Die schnappt sich nämlich nicht nur den begnadet talentierten Gesellen William Mossop (Mills), sondern trickst ihren Vater auch noch so aus, dass er eine geschäftliche Partnerschaft mit ihr und ihrem Mann eingehen muss.

Laughton hatte diesen Film, die erfolgreichste britische Produktion des Jahres 1954, eigentlich nicht machen wollen. Zunächst einmal hatte er das Stück bereits in den 1920ern auf der Bühne gespielt. Damals hatte er die Rolle inne, die in Leans Film von John Mills verkörpert wurde. Außerdem hasste er Brenda de Banzie — vermutlich, weil sie ihm in praktisch jeder Szene die Schau stahl — und konnte auch mit John Mills wenig anfangen. Es bedurfte David Leans ganzer Diplomatie, um die Arbeitsatmosphäre während des Drehs auf professionellem Niveau zu halten. Wohl deshalb nannte er Laughton später unverbindlich »einen bemerkenswerten Künstler«. »Hobson’s Choice« war David Leans erstes Lustspiel seit »Blithe Spirit« (1945). Besetzung, Fotografie, Ausstattung und vor allem Malcolm Arnolds originelle Musik ergeben trotz der widrigen Drehumstände ein rundum gelungenes Werk. John Mills, der in letzter Sekunde für Robert Donat eingesprungen war, bezeichnete »Hobson’s Choice« als seinen Lieblingsfilm. Die während der Dreharbeiten 45jährige Brenda de Banzie erhielt für ihre Darstellung der gewitzten 30jährigen Tochter eine BAFTA-Nominierung, ebenso wie Mills und das Autoren-Trio. »Hobson’s Choice« gewann schließlich einen BAFTA in der Sparte Bester Film und wurde bei den Berliner Filmfestspielen 1954 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

André Schneider

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