22. Juni 2016

Als habe er meine Gedanken lesen können, meldete sich Antony am 7. Juni mit der Frage: »Hey hon, do you want a role in my next film?« bei mir. Jetzt stehe ich zusammen mit Gaëtan Vettier, Thomas Laroppe, Amanda Jane Fleming, Arthur Gillet und Biño Sauitzvy auf der Besetzungsliste von »Frig«, Antonys neuem Film, der im Spätsommer in Paris entstehen wird. Gleich im Anschluss spiele ich mit Alexandre Vallès in »Bd. Voltaire«, einem Drama über die letzten 48 Stunden vor den Anschlägen von Paris. Die Wohnungssuche in Paris wurde mir von Optimale abgenommen; im Herbst werde ich vier Wochen lang in einem Apartment im 17. Arrondissement wohnen. Während Antony sein Drehbuch noch zurückhält, lässt sich aus Alexandres Skript schon erkennen, dass ich meinen französischen Text mit englischem Akzent werde sprechen müssen. Beide Filme kommen 2017 heraus. — Ich überlege, meine Mutter für ein Wochenende nach Paris einzuladen. Sie wird dieses Jahr 66 und hat die Stadt noch nie gesehen.

Im Übrigen habe ich nicht viel zu erzählen. Ich hangle mich ungelenk durch die langen Arbeitstage und den wechselhaften Frühsommer und ärgere mich mit der Hausverwaltung herum. Letztes Jahr war es das Abflussrohr von der Toilette — man schritt erst ein, nachdem der Mieter im Erdgeschoss einen Wasserschaden meldete —, jetzt ist es das Waschbecken im Bad, das allmählich aus der Wand bricht. Auf E-Mails und Einschreiben wird nicht reagiert, das Telefon wird entweder gar nicht abgehoben oder ich werde, wie vorigen Mittwoch, abgewürgt. Ich überlege, selbst einen Klempner kommen zu lassen und den Herrschaften die Rechnung zu schicken. So oder so muss das Problem behoben werden. Die Wand zwischen Badezimmer und Küche ist so dünn, dass ich fürchte, dass das abfallende Waschbecken ein Loch hineinreißen könnte.
Ferner bin ich wieder einmal dabei, meine DVD-Sammlung auszudünnen und plane, mal wieder ein paar Pakete zu à 50 Euro zu verkaufen. Es haben sich im Lauf der letzten Jahre wieder einige Filme angesammelt, die bei mir einfach falsch aufgehoben sind. Was sonst? Der »Looking«-Trailer gefällt mir. Finde es immer noch schade, dass die Serie eingestellt wurde. War wohl zu nahe an der Realität für die Zielgruppe. Es ist immer ganz aufschlussreich, mit den Verleihern zu sprechen. »Ob der Film gut oder schlecht ist, interessiert eigentlich nicht. Sobald ein halbnackter Mann auf dem Cover ist, wird die DVD gekauft«, erzählte uns Steve im November. Der halbnackte Mann auf dem Cover sollte möglichst unter 30 und glattrasiert sein und einen Waschbrettbauch haben. Langweilige Schönlinge anstelle von Charaktergesichtern. Der Sexismus unter Schwulen ist auch nicht besser als der in der heteronormativen Welt. Speziell vor diesem Hintergrund ist es beruhigend, dass es in Deutschland noch Filmemacher wie Florian Gottschick und Kai Stänicke gibt. — Am meisten freue ich mich filmtechnisch auf »The Shallows« (Regie: Jaume Collet-Serra). In den USA läuft er am Freitag an, wir müssen uns noch bis August gedulden. »Absolutely Fabulous« (Regie: Mandie Fletcher) startet hier auch erst im September. Aber 2016 flattert so schnell, dass es scheint, als blättere man lediglich die Seiten eines sehr dünnen Buches um. Zwischenzeitlich sterben mit Sicherheit von ein paar Stars (oder Ex-Stars), treten auf Fußballplätzen ein paar Millionäre gegen Bälle und ereifern sich Kurzstreckendenker über Flüchtlinge.

Helena und André im April.

Helena und André im April.

In freien Stunden höre ich mir Interviews mit Camille Paglia, Reden von Elizabeth Warren und Auftritte von Patrick Salmen auf YouTube an. Ist doch ganz nett, endlich einen Internetanschluss zu haben — ich hatte mich noch bis Herbst 2015 gesträubt — und sich quasi »nebenher« zu bilden. Bei offenem Fenster auf dem Bett liegen und klugen Menschen zuhören — nicht das Schlechteste an einem regnerischen Tag. Bis Paris würde ich gerne noch abnehmen, aber wie macht man das bei einer sitzenden Tätigkeit, die einem vor- und hinterher keine Freizeit lässt? Welches Schwimmbad hat zwischen ein Uhr nachts und sechs Uhr morgens geöffnet?
Nun hat Orlando meine breit angekündigte Blog-Sommerpause unterbrochen. Wir lesen uns am 1. Oktober wieder — es sei denn, besondere Umstände zwingen mich zu einer weiteren Unterbrechung. Auf der Termin-Seite findet Ihr regelmäßige Updates, unter anderem über die Festivalteilnahmen von Sur les traces de ma mère. Möge Euch der Sommer verwöhnen, bleibt stark.
Herzlichst,

André

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8 thoughts on “22. Juni 2016

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