8. Mai 2016

Das Dickicht lichtet sich etwas, aber ein »freier Tag« ist mittlerweile zu einer Utopie geworden. Wenn ich nicht schufte, habe ich Zahnarzt– oder Banktermine oder kümmere mich um Sur les traces de ma mère. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird das Ausmerzen der Finanzprobleme sieben Jahre in Anspruch nehmen, aber sei’s drum, es führt kein Weg dran vorbei.
Chelito ist jetzt elf Jahre alt, das Champagnerfarbene ist einem greisenhaften Weiß gewichen; in der Augenpartie sieht es aus, als trüge er eine weiße Zorro-Maske. Wir standen heute früh auf, machen einen ausgedehnten Spaziergang, um uns gegen 14 Uhr auf den Weg zu Fadi und Katja zu machen. Die gemeinsamen Nachmittage mit ihnen sind Labsal für uns, es ist immer behaglich und schön. Ich würde mir wünschen, das häufiger haben zu können. Gegen 20:30 Uhr noch ein kurzes Telefonat mit meiner Mutter; die Muttertagsblumen waren pünktlich geliefert worden und gefallen ihr.
Nach dem 15. werde ich hoffentlich mal wieder ins Kino kommen. Die Dschungelbuch-Neuverfilmung würde mich interessieren. Im August läuft »The Shallows« (Regie: Jaume Collet-Serra), ein Haifilm mit Blake Lively, an. Die Trailer versprechen viel. Morgens in der S-Bahn lese ich abwechselnd Michael Caines Buch über Filmschauspielerei und »Heat: An Interview with Jean Seberg«, einen Roman von Stephanie Dickinson. Unterm Strich ist es lesenswerter als der Fuentes-Roman. Aus dessen Erinnerungen tropfte das Selbstmitleid aus den Seiten. Der leidende Schriftsteller ist mir als Klischee gerade einfach zu viel des Guten. Dann lieber Frau Dickinsons poetischer Diskurs. Dass sie als Form ein (fiktives) Interview wählte, finde ich eine kluge und originelle Entscheidung.

Alexandre Vallès würde gerne wieder mit mir drehen, und ich auch mit ihm. »Also soll es sein«, meinte er bei unserem Telefonat. Ich sagte ihm, dass meine Liebe am Spiel ungebrochen ist, dass ich aber keine Lust habe, wieder die Verantwortung für Produktion und Drehbuch zu übernehmen. Das Dilemma, in das wir uns mit Sur les traces de ma mère manövriert haben, hat mich schwer mitgenommen. Am 1. Dezember 2014 hatte ich den Vertrag in Paris unterzeichnet, und am 8. Mai 2016 liegt der fertige Film, dessen Dreharbeiten so harmonisch und reibungslos wie selten verliefen, immer noch nicht vor. Während der Post-Produktion haben Ian und ich gewaltig Federn, Nerven und Geld gelassen, worauf ich an dieser Stelle nicht näher eingehen werde. Dank Laura Schnurre waren wir termingerecht mit dem Schnitt fertig geworden, so dass Steve Trameau uns gerne in Cannes angemeldet hätte. Das verpassen wir nun. Dafür wird Antonys neuer Film Ende des Monats an der Côte d’Azur laufen, worüber ich mich riesig freue.
Abschließend bleibt nur zu sagen: Ich bin urlaubsreif! Zuletzt durfte ich 2012 beim Dunas Festival in Gran Canaria so etwas wie Urlaub genießen (wenn auch nicht ganz; die Reise war immerhin beruflich). Das ist eindeutig zu lange her. Viel zu lange.
Rutscht gut in die Woche,

André

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6 thoughts on “8. Mai 2016

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