Filmtipp #295: Listen to me Marlon

Listen to me Marlon

Originaltitel: Listen to me Marlon; Regie: Stevan Riley; Drehbuch: Stevan Riley, Peter Ettedgui; Kamera: Ole Bratt Birkeland; Darsteller: Marlon Brando. GB 2015.

listen to me marlon

Zeit seines Lebens führte Marlon Brando ein ungewöhnliches Tagebuch: Er zeichnete seine Stimme auf Tonband auf, ließ seinen Gedanken freien Lauf und redete unbefangen drauf los. Die Aufnahmen fanden bei sich zu Hause statt, er nahm sich während Geschäftstreffen oder Interviews, unter Hypnose und in Therapiestunden auf. Mit der Genehmigung und Unterstützung von Brandos Erben schuf der englische Dokumentarfilmer Stevan Riley einen ungewöhnlich intimen Film über den vielleicht größten Filmschauspieler des 20. Jahrhunderts. Die Kritiker überschlugen sich angesichts des geglückten Experiments: »The Village Voice« nannte es schlicht »ein Meisterwerk«, und der renommnierte Kritiker David Edelstein sprach von der »großartigsten und am besten recherchiertesten Dokumentation eines Schauspielers, die jemals ihren Weg ins Kino gefunden hat«. Im Juli 2015 lief der spannende Film zehn Wochen lang in 140 US-amerikanischen Lichtspielhäusern und wurde mit zahlreichen Preisen und Nominierungen bedacht; er schaffte es sogar auf die Liste der 15 Dokumentationen, die ins Oscar-Rennen gehen sollten.

Das Außergewöhnliche ist in der Tat, dass es hier keinen Interviewer und keinen Fragenkatalog gab, sondern einen Mann und Künstler, der aus freien Stücken erzählte, der seine Einsichten festhalten und bewahren wollte. So erfahren wir viel mehr über den Menschen Brando, als wir es jemals auf »gängigem Wege« getan hätten. Selbst seine in den 1990ern erschienene Autobiographie erlaubte keine so profunden Einblicke in sein Seelenleben. In »Listen to me Marlon« spricht er über sein Verhältnis zum Ruhm und zum Erfolg, über seine politischen Ansichten und Kämpfe, über seine Kinder, Tahiti und seine Frauen, auch über seine Rollen und die Schwierigkeiten, die ihm Hollywood bereitete. Ein jeder, der sich mit Schauspielerei befasst, muss diesen Film sehen — und ich empfehle, dies mehr als einmal zu tun.

André Schneider

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9 thoughts on “Filmtipp #295: Listen to me Marlon

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