Filmtipp #283: Hin und weg

Hin und weg

Originaltitel: Hin und weg; Regie: Christian Zübert; Drehbuch: Ariane Schröder; Kamera: Ngo The Chau; Musik: Siggi Mueller, Egon Riedel; Darsteller: Florian David Fitz, Julia Koschitz, Jürgen Vogel, Miriam Stein, Volker Bruch. Deutschland 2014.

Hin und weg

Nach dem Drehbuch der aus Belgien stammenden Ariane Schröder entstand im Frühherbst 2013 dieser stimmige Ensemblefilm über Freundschaft, Lebensfreude und Abschiednehmen, der am 9. August 2014 in Locarno seine umjubelte Welturaufführung erlebte.
Seit ihrer Jugendzeit machen Hannes (Fitz) und seine Frau Kiki (Koschitz) mit ihrer Clique alljährlich eine mehrtägige Fahrradtour. Dieses Jahr dürfen die beiden bestimmen, wohin die Reise geht. Die Freunde staunen nicht schlecht: Ausgerechnet Belgien soll es sein, von Frankfurt am Main nach Ostende. Während der Tour erfahren die Freunde, dass es Hannes’ letzte Reise werden wird, denn er ist an ALS erkrankt und fest entschlossen, in Belgien Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. (Der Film ähnelt thematisch dem zeitgleich entstandenen und morgen mittag bin ich tot.) Zunächst begegnet die Clique ihrem Freund mit Unverständnis, dann aber entscheidet man sich, es bei dieser letzten Reise noch einmal richtig krachen zu lassen und das Leben zu feiern. Wie jedes Jahr erfüllt man sich gegenseitig gestellte Aufgaben — besonders süß: Kikis Fallschirmsprung —, man lacht und redet viel. Die etwas lebensunfroh-vegan-verstockte Mareike (Victoria Mayer) und ihr sexuell frustrierter Mann Dominik (Johannes Allmayer) beheben einige Schönheitsfehler in ihrer krisengebeutelten Ehe, Hannes’ Bruder Finn (Bruch) überwindet seine Scheu vor der Krankheit seines Bruders und der unverbesserliche Macho Michael (Vogel) entdeckt seine weibliche Seite. Auf dem letzten Teil der Reise stößt Hannes’ Mutter Irene (Hannelore Elsner) mit dem Auto zu ihnen, da Hannes immer schwächer wird. Zum Schluss haben alle die Gelegenheit, in aller Ruhe Abschied zu nehmen.

Klingt rührselig und kitschig? Mitnichten! »Hin und weg« kommt mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit daher und feiert geradezu die Schönheit des Lebens. So schrieb Joachim Kurz auf kino-zeit.de: »Zübert ist mit ›Hin und weg‹ eine absolute Seltenheit gelungen: Deutsches Kino, das bewegt und zum Andenken bringt, ernst, aber ohne erhobenen Zeigefinger, an manchen Stellen lustig ohne jegliche Albernheiten — vor allem aber ein Film mit einer dezent vorgetragenen Botschaft, der uns neben der Vergänglichkeit vor allem eins nachträglich ins Gedächtnis ruft: den Wert der Freundschaft, die alle Grenzen des Lebens überwinden kann.«
Einer einfühlsamen Regie, einer guten Ausstattung, tollen Dialogen und vor allem einem hervorragenden Ensemble — allen vorweg Julia Koschitz, Volker Bruch, Victoria Mayer und Jürgen Vogel — ist es zu verdanken, dass »Hin und weg« einer der besten deutschen Spielfilme der letzten Jahre wurde. Die großartige Filmmusik, unter anderem der Titelsong von Ryan Keen, sollte nicht unerwähnt bleiben. Also: Taschentücher raus, leckeren Kakao gemacht und »Hin und weg« sehen und sein.

André Schneider

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3 thoughts on “Filmtipp #283: Hin und weg

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