18. Oktober 2015

Nach einer gefühlten Ewigkeit endlich ein freier Tag. Ausschlafen. Gedankensprünge machen, während mein Freund neben mir wohlig schläft. Sein gleichmäßiger Atem gibt mir ein Gefühl unendlicher Geborgenheit. Auf dem Sofa schnarcht Chelito leise vor sich hin, draußen ist es diesig und grau, aber mild. Sonntagsträgheit. Der erste Tee schmeckt so gut. Und nur noch acht Tage bis Paris.
Was hat sich alles getan in den vergangenen Wochen? Am 2. Oktober mussten wir Sammy einschläfern lassen, Ians letzten Wellensittich. Hodenkrebs. Er hatte sich lange gequält. Schließlich konnten wir seinen Kampf nicht mehr mit ansehen und gingen mit ihm zur Tierärztin. Ein letzter Flug durch die Praxis — er war ein guter Flieger gewesen —, dann schickte sie ihn ins Reich der Träume. Ian kraulte ihm unter Tränen das kleine Köpfchen. Tags darauf begruben wir ihn im Garten meiner Eltern, die wir übers Wochenende besuchten; es war meine erste Stippvisite in Hölldesheim seit Weihnachten 2014. Ich zeigte Ian Harsum: den Milchberg, das Haus meiner Kindheit, die Grundschule, den Unsinnbach, den Wald… Leider war der Aufenthalt insgesamt zu kurz und die Busfahrt mit Hund beschwerlich, so dass wir am 5. ziemlich angestrengt wieder in Berlin aufschlugen. Seither schleppen wir uns durch die Tage: Nebenjob, Schnitt, Haushalt, Schlaf. Sur les traces de ma mère ist ungefähr hälftig geschnitten, es stehen noch zehn Szenen aus. Laura Schnurre, unsere Cutterin, ist einmalig. Es macht Spaß mit ihr, ist konzentriert und ergiebig.
Nach über einem Jahr habe ich vorige Woche endlich Barbara mal wieder gesehen, zum gemeinsamen Frühstücken in meiner Küche. Ihr Mitbringsel, eine ausnehmend prächtige Sonnenblume, steht immer noch auf dem Tisch.
Am Mittwoch sahen wir uns im Theater des Westens »Chicago« an. Es ist nach wie vor mein liebstes Musical, vor allem wegen Bob Fosses meisterhaften Choreographie und der minimalistischen Inszenierung. Es ist dieselbe, die seit 1996 am Broadway läuft und seither triumphal um den Globus reist. Das Ganze hat zum Glück nichts von der Oberflächlichkeit und Seichtheit der Film-Adaption mit Richard Gere und der Zellweger. Das Stück läuft noch bis Januar in der Stadt, und ich lege Euch einen Besuch wärmstens ans Herz.
Ein gutes, intensives Gespräch mit meiner Freundin Connie am Donnerstag über Tee und Spekulatius. Wir sind beide gespannt auf »Spectre« (Regie: Sam Mendes) im November. Kaum zu glauben, dass Skyfall schon wieder drei Jahre her ist!
Am Freitag hatte Ian eine Lesung in Zehlendorf — Oscar Wildes »Der glückliche Prinz« —, gestern waren wir von Ottokar Lehrner zu einer Party in der Langhansstraße eingeladen, aber die Müdigkeit hatte uns so fest im Griff, dass wir schon um zwei Uhr früh wieder nach Hause aufbrachen. Und damit wären wir beim Jetzt. Es ist Sonntag, der 18. Oktober, etwa 10:20 Uhr. Der erste Tee ist getrunken, der Hund auf der Couch streckt sich und wartet auf den ersten Spaziergang des Tages. Danach muss ich dringend meine Mutter anrufen.
Ihr seht? Spektakulär ist augenblicklich nichts.
Am Mittwoch erscheint in Frankreich die One Deep Breath-DVD — über zwei Jahre nach dem ersten Drehtag und beinahe drei nach unseren ersten Vorgesprächen. Ein langer Weg fürwahr. Wenn die Tage etwas Zeit bleibt, möchten Ingo Biermann und ich uns zu einem Gespräch treffen, auf das ich mich schon freue.
Einen fabelhaften Sonntag Euch allen, seid freundlich gegrüßt.

André

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4 thoughts on “18. Oktober 2015

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