Filmtipp #272: Leoparden küsst man nicht (Screwball-Frühling IV)

Leoparden küsst man nicht

Originaltitel: Bringing Up Baby; Regie: Howard Hawks; Drehbuch: Dudley Nichols, Hagar Wilde; Kamera: Russell Metty; Musik: Roy Webb; Darsteller: Cary Grant, Katharine Hepburn, Charles Ruggles, Walter Catlett, Barry Fitzgerald. USA 1938.

bringing up baby

»In dieser Wohnung können Sie keinen Augenblick länger bleiben, Susan.« — »Aber David! Ich hab doch einen Mietvertrag!«

Diese wohl berühmteste Komödie Howard Hawks’ fand erst 1966 ihren Weg in die deutschen Lichtspielhäuser, und es sollte noch weitere 29 Jahre dauern, ehe der Film endlich ungeschnitten — bei der Kinoauswertung fehlten acht Minuten! — in Deutschland zu sehen war: Cary Grant gibt als trotteliger Paläontologe David Huxley die Vorstellung seines Lebens. Obschon erst jung an Jahren, steht Huxley gerade im Begriff, sein Lebenswerk zu vollenden: die komplette Rekonstruktion eines Dinosaurierskeletts. Da stolpert die scharfzüngige, kapriziöse und reichlich temperamentvolle Susan (Hepburn) in sein Leben. Ihr Terrier George (gespielt von Asta, der mit The Thin Man und The Awful Truth zu Weltruhm gelangte) stiehlt einen Knochen, den letzten Teil des Gerippes, und eilt von dannen, um ihn zu begraben. Bei der gemeinsamen Suche nach dem kostbaren Knochen bringt die extravagante Millionenerbin, deren zweites Haustier ein zahmer Leopard namens Baby ist, den schüchternen Professor immer wieder in prekäre Situationen…

»Der Mann, der Sie mal kriegt, beschließt sein Leben im Irrenhaus«, sagt Cary Grant zu Beginn des Films zu Katharine Hepburn. Gemessen an dem, was Howard Hawks seinem tapsigen Helden hier zumutet, wäre das Irrenhaus quasi ein Erholungsheim: Tempo, Kontraste und Übertreibungen sind alles. Stellenweise ist »Bringing Up Baby« purer Slapstick. 1938 floppte die rasante Komödie auf ganzer Linie. Hawks verließ daraufhin RKO, während sich Hepburn für 200.000 Dollar aus ihrem Vertrag kaufte. Sie und Cary Grant spielten in den Folgejahren noch in zwei weiteren, stilistisch ähnlich gelagerten Komödien zusammen. 1972 brachte Peter Bogdanovich mit »What’s Up, Doc?« eine gelungene Hommage an den damals längst zum Klassiker avancierten Hawks-Film in die Kinos, und 1987 entstand mit »Who’s That Girl« (Regie: James Foley) ein übles Remake mit Madonna in der Hepburn-Rolle.

André Schneider

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5 thoughts on “Filmtipp #272: Leoparden küsst man nicht (Screwball-Frühling IV)

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