Filmtipp #267: Es geschah in einer Nacht (Screwball-Frühling I)

Es geschah in einer Nacht

Originaltitel: It Happened One Night; Regie: Frank Capra; Drehbuch: Robert Riskin; Kamera: Joseph Walker; Musik: Howard Jackson; Darsteller: Clark Gable, Claudette Colbert, Walter Connolly, Roscoe Karns, Alan Hale. USA 1934.

it happened one night

»Guten Morgen! Erinnern Sie sich? Ich bin der Mann, mit dem Sie letzte Nacht geschlafen haben.« — »Ich glaube, dafür habe ich mich schon bei Ihnen bedankt.«

Eigentlich ist es eine traurige Geschichte, die Frank Capra hier erzählt: Verzweiflung, Hungerstreik, Flucht, Verfolgung und ein unglückliches Ende. Eine junge Frau aus reichem Hause, die alles hat und haben kann, damit jedoch nicht die Leere ihres Luxuslebens ausfüllen kann, stiehlt sich aus Protest gegen ihren Vater von dessen Yacht und macht sich auf eigene Faust auf die Reise von Miami nach New York. Begleitet wird sie von einem windigen Reporter, der sie erkannt hat und eine gute Story wittert. Während ihrer abenteuerlichen Reise regen sich bei beiden natürlich Gefühle, die jedoch keiner zugeben möchte…

Die typischen Merkmale einer screwball comedy — der Kampf der Geschlechter, schnippische Dialoge, Klassenunterschiede und die Probleme der Reichen, alles mit respektlosem Humor behandelt — sind in Capras Klassiker vollendet zusammengeführt und wiesen die Richtung für die weitere Entwicklung des Genres in den 1930ern. Die Entstehungsgeschichte von »It Happened One Night« ist angesichts seines enormen Erfolgs umso verwunderlicher: Louis B. Mayer hatte die Vorlage als Filmstoff abgelehnt, und so war sie bei dem kleineren Studio Columbia gelandet, wo man gleichfalls nicht sonderlich angetan war. Myrna Loy, Margaret Sullavan, Miriam Hopkins, Carole Lombard und Constance Bennett lehnten es ab, die weibliche Hauptrolle zu übernehmen, und dem männlichen Part ging es kaum besser: Clark Gable wurde von MGM dazu verdonnert, den Film zu machen, weil dieser das Studio mit seinen überhöhten Gagenforderungen verärgert hatte. Ihm zur Seite stellte man die als widerspenstig geltende Claudette Colbert, die alles andere als begeistert war, in einem Film spielen zu müssen, in dem sie gerade mal zwei Kleider tragen durfte. Mit viel Verhandlungsgeschick schaffte sie es, dass ihre Gage auf 50.000 Dollar verdoppelt (!) und ihre Drehzeit auf vier Wochen komprimiert wurde, damit sie im Anschluss mit Freunden in den Skiurlaub aufbrechen konnte. Sie und Gable waren am Ende erstaunt, wie locker, komisch und improvisationsbereit Regisseur Capra den Film durchzog. Dennoch wurde er von der Kritik kaum beachtet und war auch an der Kasse zunächst nicht besonders erfolgreich. Erst bei seinem Zweitstart erwies sich »It Happened One Night« als überwältigender Erfolg und heimste als erster und bis 1975 einziger Film die fünf wichtigsten Oscars ein: Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptdarstellerin und Hauptdarsteller. 1945 und 1956 entstanden zwei äußerst schwache Remakes.

André Schneider

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