Filmtipp #210: Venus im Pelz (1994)

Venus im Pelz

Originaltitel: Venus in Furs; Regie: Victor Nieuwenhuijs, Maartje Seyferth; Drehbuch: Maartja Seyferth, Victor Nieuwenhuijs; Kamera: Victor Nieuwenhuijs; Darsteller: Anne van de Veen, André Arend van de Noord, Raymond Thiry, Hilt de Vos, Sabine Te Vrede. Niederlande 1994.

venus in furs

Leopold von Sacher-Masochs Kultroman, 1869 geschrieben, hat schon die Phantasie verschiedenster Regisseure beflügelt, doch nur wenige der zahllosen Verfilmungen sind wirklich sehenswert; meist handelte es sich um spekulative Machwerke, die den Fokus auf den vermeintlich perversen Aspekt des Stoffes legten. 1967 erschien ein 64minütiges sexploitation movie in den USA. Regie: Joseph Marzano, ein Vielfilmer, der es auf sage und schreibe 90 Filme brachte, die kaum jemand kennt. Der umtriebige Jess Franco warf 1969 einen schauerlich trashigen Streifen mit Maria Rohm (ausgerechnet!) auf den Markt, der mit Sacher-Masoch nur noch den Titel gemein hatte. Die berühmteste Verfilmung, eine westdeutsch-schweizerisch-italienische Produktion mit Laura Antonelli und Régis Vallée, wurde von Massimo Dallamano inszeniert: »Devil in the Flesh« (1969), so der internationale Verleihtitel, ist knallbunt, grell, oberflächlich und softsexig, aber man kann dem Streifen seinen hohen Unterhaltungswert nicht absprechen.
     Der Roman scheint trotz aller Bemühungen unverfilmbar zu sein. Die beste Adaption gelang Mitte der 1990er zwei Niederländern, der Autorin und Cutterin Maartje Seyferth und ihrem Kollegen, dem Kameramann und Regisseur Victor Nieuwenhuijs. Sie taten das, was bei einem als »unverfilmbar« geltenden Stoff unumgänglich ist: Sie beschränkten sich auf die Essenz, und so nahm man lediglich das Grundgerüst der Handlung auf und entlehnte der Novelle einige (Bild-)Motive. Das Faszinierende an der Interpretation von Seyferth und Nieuwenhuijs ist die streng durchkomponierte, dem Stoff gemäße Bildsprache und der ruhige, poetische Rhythmus, der zeitlos elegante Fluss der Geschichte. In englischer Sprache gedreht — die Hauptdarstellerin van de Veen musste nachsynchronisiert werden —, beschränkte man sich im Dialog ebenfalls aufs Nötigste. Die Schwarzweißbilder sind von so erlesener Schönheit, dass man sie einzeln ausdrucken und daraus einen Bildband machen könnte. Ab und zu wird das Geschehen mit klassischer Musik unterlegt, einen eigenen Score hat »Venus in Furs« nicht. Die Kritik schrieb, der Streifen besäße »eine visuelle Leidenschaft und eine erotische Atmosphäre, die selten in diesem Genre ist«.
     Severin (André Arend van de Noord) fühlt sich von der aristokratisch-kühlen Wanda (Anne van de Veen) angezogen. Er ist von dem Wunsch beseelt, ihr Sklave zu sein. Ein Kontrakt soll ihre sadomasochistische Beziehung regeln. Aus Liebe zu Severin wird Wanda zur Meisterin im Pelz. Sie befielt und bestraft, handelt aber letzten Endes nicht aus sadistischer Überzeugung. Severin indes liebt Wanda nicht, ihm geht es schlicht um das Ausloten seiner Grenzen…
     Leider ließ sich kein Filmplakat in guter Qualität finden, deshalb gibt es nur ein Szenenfoto. Und ganz nebenbei: André Arend van de Noord, Jahrgang 1964, dürfte der schönste Severin der Filmgeschichte sein. Wir sahen den Film seinerzeit in Vorbereitung auf Deed Poll, Barbara brachte ihn uns mit. Wer die DVD auftreiben kann, sollte es tun, »Venus in Furs« ist ein Kunstfilm allerhöchster Güte.

André Schneider

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2 thoughts on “Filmtipp #210: Venus im Pelz (1994)

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