4. Juni 2014

Seit »I Pronounce You Chuck & Larry« (Regie: Dennis Dugan) habe ich keine Komödie mehr gesehen, die so unverhohlen Homophobie und Sexismus zelebrierte wie »Neighbors« (Regie: Nicholas Stoller, in Deutschland zum besseren Verständnis in »Bad Neighbors« umbenannt). Die spärlichen Lacher zieht das langatmige Werk einzig aus Kalauern (der beste Dialog: »Du hast neulich seinen Schwanz gelutscht, als du geschlafen hast!« — »Das ist gar nicht wahr, ich habe überhaupt nicht geschlafen!«) und gelegentlichen Schlägereien mit Dildos. Dass die »Komödie« wochenlang an der Spitze er US-amerikanischen Kinocharts einen wahren Siegeszug feierte, dürfte dem (an sich traurigen) Umstand geschuldet sein, dass allein das Wort »Penis« den Amerikanerinnen einen lauten »Oh my God!«-Aufschrei entlockt; ein Spiel mit der sexuellen Verkrampftheit quasi. Ein wirkliches Armutszeugnis, das sich Nicholas Stoller mit »Neighbors« ausgestellt hat, und eine Schande für Rose Byrne, Seth Rogen und Zac Efron. Hier hat sich niemand mit Ruhm bekleckert. An und für sich könnte es einem egal sein — schlechte Filme gibt’s wie Sand am Meer, und manche von ihnen sind sogar recht unterhaltsam —, aber hier verhält es sich ähnlich wie mit den Schundbüchern von Pirinçci, Sarrazin oder Eva Herman: Das Problem ist nicht, dass so etwas in die Welt geworfen wird. Jeder darf seine Meinung kundtun, das ist ein hart erkämpftes Recht. Was jedoch Angst macht, ist, dass diese Werke ein Millionenpublikum finden, die Verkaufszahlen in die Höhe schnellen, Trittbrettfahrer angelockt werden und unsere Gesellschaft kontinuierlich verroht. Der Pirinçci schreibt ja nicht, er tippt nur. Habe mich unlängst von Michel Ruge verabschiedet. So amüsant ich seinen Salonsexismus auch fand, so gut sein »Bordsteinkönig« auch geschrieben war, aber er schlug in den vergangenen Monaten dermaßen kranke, schräge Töne an, dass es immer unappetitlicher wurde. Hass macht hässlich. Hässlichkeit stößt ab. Und abgestoßene Menschen hassen noch mehr. Teufelskreis.
     »A Million Ways to Die in the West« (Regie: Seth MacFarlane) ist hingegen allerwärmstens zu empfehlen, man kann Tränen lachen und sich an einer unbeschreiblich detailverliebten Inszenierung erfreuen — sowie an einem Ensemble, das so spielfreudig und charmant ist, dass man gar nicht genug bekommt. — Im Augenblick läuft so einiges im Kino, das einen Blick wert wäre. Mal schauen, ob und was ich in den kommenden Wochen schaffen werde. Gestern hatte ich meinen ersten freien Tag seit Mitte Mai, und ich verbrachte ihn nahezu komplett zu Hause. Die Erschöpfung war so total, dass ich schlief und schlief. Ab und zu stand ich auf, machte die Wäsche, ließ den Staubsauger brummen, wusch das Geschirr, ging mit Chelito vor die Tür oder kochte mir ein paar Kartoffeln. Als ich um 22 Uhr wieder ins Bett kroch, plagte mich das schlechte Gewissen, denn eigentlich hatte ich schreiben und fleißig sein wollen. Durch den infamen Betrug der Grazer Veranstalter und die Insolvenz der Bruno Gmünder Group vorige Woche — auch die schulden mir noch ein Honorar — fehlen mir nun an die tausend Euro, mit denen ich fest gerechnet hatte; schließlich habe ich meine Arbeit zum Teil schon vor Monaten geleistet. Das hat mir in den vergangenen Tagen den Antrieb geraubt. Das sind diese Phasen, in denen man die Welt nicht mehr versteht und nicht weiß, wie man den Status quo ändern soll.
     Die schönste Begebenheit der vergangenen Tage war das Abendessen bei und mit Angelika Carmen Hassani am Montag. Fünf Stunden plauderten wir über Gott und die Welt, obschon Gott höchstens in Form von »Liebe« angesprochen wurde. Ein Abend, dem ich daheim noch lange nachspürte.
     Heute werde ich meine Schwester bekochen, Zucchini-Tomaten-Gnocchi-Auflauf mit Knoblauch und Kräutern, zum Nachtisch gibt es Pfirsichkompott und vermutlich einen guten Film. Just rief mich mein Chef an, um mir zu sagen, dass die drei freien Tage auf zwei heruntergekürzt wurden, ich also doch morgen früh um 4:30 Uhr meinen Dienst anzutreten habe. Also genieße ich jetzt meine letzten und einzigen freien Stunden für die kommenden zehn Tage. Kommt gut durch diesen Mittwoch, seid gegrüßt.

André

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2 thoughts on “4. Juni 2014

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