27. Mai 2014

Eine kurze Anmerkung von André: »Mir war bislang zwar nicht bewusst, dass ich ›Pornos‹ drehe, aber es ist natürlich trotzdem nett, mal im ›Focus‹ zu stehen. Der Name ist richtig geschrieben und die Fotos von Eva Brunner sind traumhaft schön. Überhaupt war der Salon Frivol ein herrlicher Abend. Danke nochmal an alle Beteiligten!«

Filmemacher André Marc Schneider dreht keine gewöhnlichen Pornos. Foto © by Eva Brunner

Filmemacher André Marc Schneider dreht keine gewöhnlichen Pornos.
Foto © by Eva Brunner

Salon Frivol im Ballhaus Mitte: Laszive Spaßvögelei und genitale Süßigkeiten
Bericht von Alexandra Bahr, Focus online, 27. Mai 2014

Der Salon Frivol öffnete vergangenen Freitag seine Pforten im Ballhaus Mitte. Aufgetischt wurden Augenschmaushäppchen, Entpuppungen, die Lust der Frau, bezaubernde Nippel und andere Kuscheleinheiten.

Das Ballhaus Mitte besticht durch seine charmante Kargheit. Am Freitag verwandelte es sich durch Tücher, Blumenbouquets, Lichtarrangements und genitale Süßigkeiten in einen vergnüglichen Mikrokosmos. Schließlich lädt Dr. Diva — Berliner Veranstalter und Enfant Terrible — zum ersten Salon Frivol. Seinem Ruf folgen Filmemacher André Marc Schneider und Szene-Diva Bernhard Kempen mit seiner transerotischen Identität Barbara. Auch Ute Gliwa, Mitherausgeberin von »Séparée« und Burlesque-Tänzerin Erochica Bamboo sind mit von der Partie, wenn die erotische Kleinkunst im Vordergrund steht.

Wer hat den größten Schwatz?

Dr. Diva entert die Bühne und schmettert ein Gedicht von sich. So eröffnet er den Abend und begrüßt gleichzeitig den Filmemacher André Marc Schneider, der einen Zusammenschnitt seiner Filme zeigt. In diesen geht es immer nur um das Eine, klar. Doch Schneiders Filme sind mehr als die handelsüblichen Pornos. Sie zeigen die Lust derer, die zwischen den Stühlen sitzen. Die, die mit Männern wie mit Frauen etwas anfangen können und sich trotzdem nach Partnerschaft und Liebe sehnen. Wie schwierig es ist, hier überhaupt ein Maß zu finden, das alle Beteiligten glücklich macht, ist Kern der Filme. Doch die Vorführung dauert zu lange: Die Unruhe im Publikum wird deutlich. Schließlich schnurrt niemand in gemütlichen Kinosesseln vor sich hin. Großes Aufatmen zur ersten Pause.
     Szene-Diva Bernhard Kempen macht einfach nur Spaß. Kreuz und quer, rauf und runter, rein und hinaus, purzeln Buchstaben aus gewohnten Worten und kreieren anzügliche Neue. Übrig bleibt eine subtil gewürzte Buchstabensuppe rund um »Muschi Üller«, die sauer ist, weil ihr Freund ihre Tester beim »Schwanzen in den Zwo gepickt hat«, lässt den Saal brüllen vor lachen. Charmant ungeschickt mutiert er zu seiner transerotischen Identität Barbara, die gleich ein autobiographisches Ständchen trällert: »Schreibt frivol, veräppelt Friedrich Schiller, erzählt vom Mund und auch von Muschi Üller.« Sowieso nimmt er oder sie es ab jetzt »nicht mehr so genau«. Singen kann Barbara eher leidlich, doch es ist eine Gaudi ihr zuzuhören.

Frauenpower und andere erzieherische Maßnahmen

»Séparée« ist eine erotische Frauenzeitschrift, die in diesem Jahr noch den Bahnhofsbuchhandel erobert — passend zur Thematik natürlich am 06.06. Vorgestellt wird das Magazin von Mitherausgeberin Ute Gliwa. Für welche Frauengruppe das Magazin lohnenswert ist, konnte Ute Gliwa nicht so recht sagen. Es soll nicht um nackte, männliche Pin-Ups gehen, sondern um die natürliche Lust der Frau. Aufbereitet in amüsanten, lustvollen, lehrreichen und erzieherischen Beiträgen weiblicher und männlicher Autoren.
     Erochica Bamboo: Allein der Name zergeht auf der Zunge. Der Rest von ihr prickelt auf der Haut. Erochica Bamboo ist keines der Mädchen, die mit Federboa und Riesenfächer in Zeitlupe vor einem taumeln. Erochica Bamboo verbindet zeitlos eleganten Burlesque-Tanz mit viel Humor. Sie wackelt, sie dreht, sie lacht, sie rutscht, sie sitzt und wackelt wieder, so verspielt, dass neben der Erotik auch das Publikum lacht. Genauso laut wie Erochica Bamboo selbst.
     Die Veranstaltung war mäßig besucht. Nach den Vorführungen versuchten noch ein paar das Tanzbein zu schwingen, doch schnell ebbte es ab — auf zu anderen Frivolitäten, dachten sich wohl viele. Schade für die monatlich wiederkehrende Veranstaltung. Doch wer hungrig auf eine verruchte Berliner Nacht ist, bekommt im Salon Frivol zumindest einen überraschend amüsanten Appetizer.

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One thought on “27. Mai 2014

  1. Pingback: 31. Mai 2014 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

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