Filmtipp #193: Frühstück bei Tiffany

Frühstück bei Tiffany

Originaltitel: Breakfast at Tiffany’s; Regie: Blake Edwards; Drehbuch: George Axelrod; Kamera: Franz F. Planer; Musik: Henry Mancini; Darsteller: Audrey Hepburn, George Peppard, Patricia Neal, Martin Balsam, Mickey Rooney. USA 1961.

breakfast at tiffany's

»Breakfast at Tiffany’s« ist eines der schönsten Bücher, die ich kenne — und die Verfilmung einer meiner all-time favourites, obschon es eigentlich ein fieser Film ist: eine Tragödie, die sich als bittersüße Komödie tarnt.
     Das schmetterlingsfreie Playgirl Holly Golightly (Hepburn) und der erfolglose Schriftsteller Paul Varjak (Peppard), der sich von der wohlhabenden 2E (Neal) aushalten lässt, sind Nachbarn in New York. Holly feiert turbulente, ausschweifende Partys, hat einen namenlosen Kater und nie Geld, kennt aber reichlich Männer, die ihr gerne welches leihen. Doch hinter Hollys glamouröser Fassade steckt in Wirklichkeit ein ganz anderer, tieftrauriger Mensch, der sich auf einer ewigen Flucht vor sich selbst befindet.
     Muss über den Film an sich noch viel geschrieben werden? Ich bezweifle es. Nicht umsonst ist Blake Edwards’ Frühwerk einer der Kultklassiker der Filmgeschichte. Dabei hatte es vor und während der Herstellung ordentlich Hickhack gegeben, beinahe wäre der Film geplatzt. Zunächst einmal musste Capotes Novelle gehörig entschärft werden, damit die strenge Zensurbehörde der Produktion grünes Licht gab. Drehbuchautor George Axelrod verlegte die ursprünglich im New York der Kriegsjahre angesiedelte Geschichte ins Manhattan von heute, und selbstverständlich werden Themen wie (außereheliche) Schwangerschaft und Fehlgeburt, Homosexualität und Prostitution komplett ausgespart. Ursprünglich hatte Marilyn Monroe, dem ausdrücklichen Wunsch Truman Capotes entsprechend, die Hauptrolle spielen sollen, doch die lehnte nach vielem Hin und Her schließlich ab, weil sie sie als »zu unseriös« empfand. Was wäre »Breakfast at Tiffany’s« mit der vulgären Monroe nur für ein Film geworden? Ein beunruhigender Gedanke! Vor allem, wenn man bedenkt, dass Audrey Hepburn, die sich selbst als Fehlbesetzung sah, als Holly Golightly zu einer Ikone wurde. Die zierliche Belgierin erhielt für »Breakfast at Tiffany’s« ihre vierte Oscarnominierung, außerdem wurde der Film für das Beste Drehbuch und die Beste Ausstattung nominiert. Die begehrte Trophäe konnte am Ende nur für den berühmten, von Hepburn persönlich gesungenen Filmsong »Moon River« entgegengenommen werden.
     Tony Curtis war neben Steve McQueen einer der Aspiranten für die männliche Hauptrolle. Dass ihm die Produzenten zugunsten von George Peppard absagten, bejammerte der eitle Curtis noch in seiner rund 50 Jahre später erschienenen Autobiographe. George Peppard war ein gut aussehender und sicher nicht unbegabter Schauspieler, doch leider verscherzte er es sich aufgrund seiner Allüren nur allzu früh mit den »Machern« in Hollywood, weswegen seine Filmkarriere nie richtig abhob. Mit »Breakfast at Tiffany’s« hätte er, wenn er es gescheiter angegangen wäre, die Möglichkeit gehabt, in die A-Liga der Stars aufzusteigen. Blöderweise war er als Primadonna und zickige Diva verschrien, ehe es soweit war. Peppard war der einzige Schauspieler, für den Audrey Hepburn, die niemals schlecht über irgendjemanden redete, keine freundlichen Worte übrig hatte. Er lag im Dauerclinch mit den Produzenten Marty Jurow und Richard Shepherd, brachte dem entnervten George Axelrod regelmäßig selbst getippte »Verbesserungsvorschläge« für dessen Drehbuch und gab Regisseur Blake Edwards Anweisungen, wie er seinen Film (und ihn) zu inszenieren habe (!). Darüber hinaus setzte er durch, dass Patricia Neals Rolle stark gekürzt wurde, weil er der Ansicht war, dass seine Figur neben Hepburn und Neal »zu schwach« rüberkam. Neal hatte in Axelrods ursprünglicher Drehbuchfassung ein paar saftige Pointen gehabt, aber Peppard gönnte seinen Kolleginnen die Aufmerksamkeit nicht. In der zweiten Hälfte des Drehs hatte ihn das Team bereits so satt, dass er gemieden wurde, wann immer es möglich war. Richtigen Starruhm erfuhr George Peppard erst, als er in den Achtzigern mit »The A-Team« einen Serienhit im Fernsehen landete.
     Für die Nebenrollen versammelte Edwards eine Liga erstklassiger Charakterschauspieler wie Buddy Ebsen, Martin Balsam und Vilallonga; das einzige Ärgernis des Film ist — bis heute übrigens — die brachial-rassistische Darstellung eines Japaners durch Mickey Rooney (»Lauschgift! Übelall ist Lauschgift, in allen Ecken!«).
     »Breakfast at Tiffany’s« ist humorvoll und ergreifend, melancholisch und märchenhaft, voller Zauber, Wärme und Eleganz — und natürlich eine Hymne an Manhattan und Audrey Hepburn. Mit diesem zeitlos funkelnden Juwel feiere ich heute meinen 36. Geburtstag.

André Schneider

Mehr Audrey Hepburn findet Ihr hier:
Filmtipp #123: Zwei auf gleichem Weg
Filmtipp #92: Warte, bis es dunkel ist
Und mehr über »Breakfast at Tiffany’s« gibt es hier:
27. November 2010

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13 thoughts on “Filmtipp #193: Frühstück bei Tiffany

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