3. Februar 2014

Augenblicklich kein großes Mitteilungsbedürfnis; ich arbeite schneebedeckt und eingeigelt vor mich hin, echauffiere mich hie und da etwas über das Politik-, Gesellschafts- oder Mediengeschehen — aber auch die Empörung sirrt momentan leise, bleibt im Kämmerlein —, gehe ab und an schwimmen, besuche oder bekoche Freunde — Sirko feierte am Samstag seinen vorläufigen Abschied von Berlin — und versuche ansonsten, Geld und Kraft zu sparen. Den Luxus eines Kinobesuches beispielsweise gönnte ich mir 2014 bislang noch gar nicht. Das Alleinsein nach Feierabend — Barbara ist in Österreich, der Mitbewohner auf Geschäftsreise, die schwarzen Samtaugen bereits seit fast einer Woche in Oslo — beschalle ich mit Simphiwe Dana, Roy Hargrove oder Jay-Jay Johanson. DVDs schaue ich gerade kaum, es wird wieder mehr gelesen, und zu den asozialen Netzwerken wie Facebook gehe ich bis zum Ende des Monats mal wieder ein bisschen auf Abstand. Meist schleiche ich früh ins Bett und stehe gegen sechs Uhr auf.
     Mir fehlt Paris. Bis zum 30. März läuft im Théâtre de la Gaité noch »Des journées entières dans les arbres« von Marguerite Duras. Fanny Ardant und Nicolas Duvauchelle spielen die Hauptrollen, die Musik ist von Alex Beaupain, Regie führt Thierry Klifa. Unfassbar, dass ich mir das aller Wahrscheinlichkeit nach entgehen lassen muss, aber ich kann gerade überhaupt nicht prognostizieren, ob ich es in den nächsten sechs Wochen an die Seine schaffen werde. Am 18. Februar fliege ich erstmal nach Brüssel, dann sehen wir weiter. 

One Deep Breath ist fertig. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Jetzt rollt der ungeliebte Publicity-Teil auf uns zu, die Filmfestivals und die Presse. Optimale übernimmt die frankophonen Festivals in Europa, unsere internationale Agentur kümmert sich um die übrigen. Antony und ich hoffen — natürlich! — auf einen extensiven festival run und darauf, an möglichst vielen screenings persönlich teilnehmen zu können. Die offenen Rechnungen, die uns noch Kopfschmerzen bereitet hatten, werden nun gottlob von einem italienischen Verleih übernommen, und so findet One Deep Breath Ende Februar nach 16 halsbrecherisch schwierigen Monaten schließlich ein glückliches Ende. Im Nachhinein bin ich immer wieder baff, unter was für widrigen Umständen es möglich ist, einen Film auf die Beine zu stellen, aber es nagt doch sehr an den Nerven. Unter normalen Umständen — mit einem adäquaten Budget — hätten wir den kleinen Film in der Hälfte der Zeit fertig stellen können, und wir hätten uns auch nicht monatelang die Haare raufen müssen — schlaflose Nächte wegen dem ewigen »Wie bezahlen wir das nur?« — Bittstellerbriefe — wochenlanges unentgeltliches Schuften — finanzbedingte Konflikte. Unsere Produktionsassistentin Fanny Lehmann reißt sich gerade förmlich die Beine für uns aus, was vor allem dem Umstand geschuldet ist, dass in Frankreich — man höre und staune! — die Mühlen der Bürokratie noch um einiges schärfer mahlen als bei uns.
     Erwartungsgemäß riss Le cadeau niemanden wirklich vom Hocker und wurde bis jetzt kaum gesehen. Was mich angesichts des Umstands, dass es sich eigentlich nur um ein kleines Filmchen »zur Übung« handelte, weder überrascht noch stört. Die Feuerblume hingegen verkauft sich prima — was mir leider nichts nützt, da der Verlag mir meine Margen nicht überweist. Das stört mich allerdings, zumal man mir die Abrechnungen ja regelmäßig zukommen lässt. Was bleibt, sind die freundlichen E-Mails von Freunden und Verwandten Marisas, die sich über das Buch freuen und mir gratulieren. Diesen Monat wäre sie 75 Jahre alt geworden.
     Startet gut in die Woche und zieht Euch warm an.

André

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One thought on “3. Februar 2014

  1. Pingback: 3. November 2015 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

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