Filmtipp #181: Denen ist nichts heilig

Denen ist nichts heilig

Originaltitel: Nothing Sacred; Regie: William A. Wellman; Drehbuch: Ben Hecht; Kamera: W. Howard Greene; Musik: Oscar Levant; Darsteller: Carole Lombard, Frederic March, Charles Winninger, Walter Connolly, Sig Rumann. USA 1937.

nothing sacred

Eine herrlich schwarze, bissige Satire aus der Feder Ben Hechts, der schon in seinem oft verfilmten Bühnenstück »The Front Page« die dubiosen Machenschaften der Sensationspresse und die Leichtgläubigkeit ihrer Leserschaft aufs Korn genommen hatte.
     Carole Lombard (Mr. & Mrs. Smith) gibt Hazel Flagg, eine Kleinstädterin aus Vermont, bei der von einem unter Alkoholeinfluss stehenden Arzt fälschlicherweise eine tödliche Radiumvergiftung festgestellt wird. Den nahen Tod vor Augen, äußert die vermeintlich verstrahlte Schönheit den Wunsch, einmal in ihrem Leben the Big Apple zu sehen. Eine sensationsgeile New Yorker Gazette erfüllt ihr, den Blick starr auf die steigende Auflage gerichtet, diesen Wunsch mit entsprechendem Rummel und herzerweichenden Schlagzeilen. In kürzester Zeit wird die »tapfere« Hazel von den New Yorkern ins Herz geschlossen und zu einer Art Ikone stilisiert. Zunächst genießt sie den Trubel und die Aufmerksamkeit, dann möchte sie gerne aussteigen — zumal sie längst erfahren hat, dass es sich bei ihrer »Diagnose« um einen Irrtum handelte. Doch die Pressenummer hat sich längst zu einem Selbstläufer entwickelt. Selbst, als der Star-Reporter des Blattes (Frederic March) den Schwindel entdeckt, wird mit der unverschämten Ausschlachtungskampagne fortgefahren…

Das Erstaunlichste und Bemerkenswerteste an »Nothing Sacred« ist seine Aktualität. Selbstverständlich — man muss es nicht erwähnen — ist die Medienlandschaft heute noch skrupel- und würdeloser geworden; dennoch ist Hechts Stoff auch fast 80 Jahre nach seiner Entstehung noch mitreißend und zeitgemäß. Regisseur Wellman hat seine bissfeste Komödie in atemberaubendem Tempo inszeniert. Wie jede gute screwball comedy zeichnet sich auch diese durch die pointierten Dialoge und die fabelhaft aufspielenden Hauptdarsteller aus: Die Lombard liefert eine umwerfend komische Darstellung in dieser für sie maßgeschneiderten Rolle, und March ist als findiger Reporter erstaunlich entspannt. Der fortwährende Schlagabtausch zwischen den beiden erreicht seinen Höhepunkt in der berühmt gewordenen Box-Szene: March verpasst Lombard einen Kinnhaken, um sie für die Untersuchung einiger misstrauischer Mediziner zu »präparieren«.
     Der frühe Farbfilm aus den Selznick-Studios diente als Vorlage für das Broadway-Musical »Hazel Flagg« und wurde 1954 mit Dean Martin und Jerry Lewis neu verfilmt.

André Schneider

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5 thoughts on “Filmtipp #181: Denen ist nichts heilig

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