8. Dezember 2013

Berlin — Paris: One Deep Breath
Interview von David Berger für m-maenner.de, 4. Dezember 2013.

One Deep Breath

Seit drei Jahren arbeitet der Berliner Filmemacher, Autor und Schauspieler André Schneider (35) in Paris. Sein neuestes Filmprojekt, der Thriller One Deep Breath, entstand in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Antony Hickling (38) und ist frisch abgedreht. Wir trafen André zu einem kurzen, aber beeindruckenden Plausch in Berlin-Mitte. Interview: David Berger.

Männer: Worum genau geht es in One Deep Breath? Das Poster verspricht viel…

André Schneider: Ja, nicht wahr? Es gibt die Ästhetik und die Atmosphäre des Films akkurat wieder. Über die Handlung darf ich noch nicht viel verraten, aber das Sujet befasst sich mit Liebe und Verlust, Trauer und Schmerz. Sicher kein einfacher Film, aber ein schöner, bewegender.

Männer: Wie kam dieses Projekt zustande?

André Schneider: Das war ein einjähriger Arbeitsprozess. Im Oktober 2012 stellte ich meinen ersten französischen Film Le deuxième commencement beim Pariser Filmfest vor und sah dort ein Segment aus Antony Hicklings »Little Gay Boy«-Trilogie. Ich war so begeistert, dass ich ihn anschließend anschrieb. Wir tauschten unsere Arbeiten aus. Seine Filme sind sehr visuell, erinnern stark an Greenaway und Jarman, ich hingegen komme vom Theater, meine Projekte werden stark vom Dialog getragen. Ich meinte, dass es bestimmt spannend wäre, wenn wir uns zusammentäten. Im Februar flog ich nach Paris und legte ihm meinen ersten Drehbuchentwurf vor. Der Film hieß da noch »Une nuit en eaux profondes«. Von da an teilten wir uns die Arbeit: Er kümmerte sich um das Team und die Besetzung, ich mich um die Finanzierung und die Organisation. Parallel dazu durchlief das Drehbuch noch mehrere Metamorphosen, ehe wir Ende August mit dem Dreh beginnen konnten.

Männer: War die Arbeit hart?

André Schneider: Das ist sie immer. Ein befreundeter Produzent meinte diesen Sommer zu mir: »Der Film, den man gerade dreht, ist immer der schwierigste!« (lacht) — Das Problem bei One Deep Breath war tatsächlich der Spagat Berlin-Paris. Ich konnte als Produzent nicht mal eben schnell eine Drehortbegehung in Paris machen, und Antony konnte ohne meine Unterschrift nicht viel tun. Das war alles schon sehr strapaziös. Dazu natürlich — wie immer — die finanziellen Engpässe. Wir müssen jetzt noch ein paar tausend Euro sammeln, um die Post-Produktion abschließen zu können. Dabei haben wir gute Karten: Mein französischer Verleih hat uns fürsorglich unterstützt und hilft uns jetzt auch mit den Festivals, mit Manuel Blanc haben wir immerhin einen César-Preisträger als Hauptdarsteller, die wunderhübsche Stéphanie Michelini war so beeindruckend in Lifshitz’ »Wild Side« gewesen — ich fühlte mich so geehrt, dass sie bei uns mit dabei war —, und Antony und ich haben in der Zusammenarbeit gut harmoniert. Wir haben uns gern und hatten viel Spaß beim Drehen. Eine außergewöhnlich schöne Erfahrung.

Männer: Ein Deutscher in Paris, das ist nicht gerade alltäglich. Wie kamst du dazu, in Frankreich zu arbeiten?

André Schneider: Das ist eine ziemlich lange Geschichte, dafür reicht unsere Zeit nicht. Kurzfassung: Ich hatte beruflich ziemlich Pech in Berlin und stand vor der Wahl, mich entweder umzubringen oder woanders noch einmal ganz von vorne anzufangen. Ich entschied mich für den Neuanfang und drehte einen winzigen Film in Paris, keine 5.000 Euro Budget, 50 Minuten kurz. Der gefiel den Franzosen immerhin so, dass ich die Chance bekam, weiterhin dort arbeiten zu können.

Männer: Was sind in deinen Augen die nennenswertesten Unterschiede zwischen den Ländern, was die Arbeit angeht? Bitte nicht mehr als drei Sätze.

André Schneider: Ich habe immer schon international gearbeitet und muss sagen, dass mir die Arbeit in Frankreich am besten gefällt. Dort wirst du erstmal respektiert, man setzt sich mit dir auseinander. In Deutschland bist du als Kulturschaffender grundsätzlich erstmal Untermensch und hast dich zu rechtfertigen. Bitteschön, drei Sätze. (grinst)

Männer: Wir danken für das Gespräch und wünschen viel Erfolg.

Mehr Infos zu André und seiner Arbeit gibt es auf seinem Blog. Wer die Post-Produktion von One Deep Breath unterstützen möchte, schreibe bitte eine E-Mail an vivasvanpictures[at]yahoo.co.uk.

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2 thoughts on “8. Dezember 2013

  1. Pingback: 30. September 2015 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

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