Filmtipp #173 & #174: Katzenmenschen & Ich folgte einem Zombie

Katzenmenschen 

Originaltitel: Cat People; Regie: Jacques Tourneur; Drehbuch: Dewitt Bodeen; Kamera: Nicholas Musuraca; Musik: Roy Webb; Darsteller: Simone Simon, Kent Smith, Tom Conway, Jane Randolph, Jack Holt. USA 1942.

Cat People

Das mit nackter Haut, Blut und Spezialeffekten nicht gerade geizende Remake dieses dunklen Meisterwerks — 1982 unter der Regie Paul Schraders entstanden — hat das Original in Sachen Popularität inzwischen so weit überholt, dass ich eine kurze Besprechung und Huldigung für unumgänglich halte. So sehr ich Nastassja Kinski mag: Simone Simons aufregendes Spiel vermochte die deutsche Aktrice trotz des beherzt-barbusigen Körpereinsatzes nicht annähernd zu erreichen.
     Zentrales Sujet dieses mit den Mitteln des film noir arbeitenden Streifens ist das Nicht-Ausleben-Können einer verdrängten Sexualität — 1942 ein Tabuthema, das Drehbuchautor Bodeen elegant in eine an sich recht konventionelle Geschichte eingebettet hat. Die dreht sich um das schüchterne Mädchen Irena (Simon), das aus seiner serbischen Heimat nach New York kommt und dort den feschen Modezeichner Oliver Reed (Smith), den sie im Zoo vor einem Raubtierkäfig kennen gelernt hat, heiratet. Doch schon der Anfang ihrer Ehe wird von Irenas seltsamen Befürchtungen, sie könne sich in ein reißendes Raubtier verwandeln, sobald in ihr sexuelle Gefühle entfacht werden, überschattet. Der besorgte Oliver schickt seine Frau zu einem Psychologen, der kurz darauf zerfetzt aufgefunden wird. Seine Ex-Freundin Alice (Randolph), der sich der inzwischen sexuell frustrierte Oliver wieder zuwendet, kann im letzten Moment einem sie verfolgenden Panther entkommen. Irena weiß, dass auf ihr ein Fluch liegt und fasst einen traurigen Entschluss…

Jacques Tourneur versteht es virtuos, den Horror langsam aufzubauen und verblüfft dabei mit höchster technischer Qualität und atmosphärischer Genauigkeit. Die auch nach über 70 Jahren noch hochspannend-verstörende Szene, in der Jane Randolph von ihrer unsichtbaren Rivalin Simone Simon des Nachts in einen Swimmingpool gescheucht wird, gehört wohl zu den zeitlos-beeindruckendsten Bildfolgen der Filmgeschichte. Als Schnellschuss zwischen dem 28. Juli und dem 21. August 1942 gedreht, wurde »Cat People« Tourneurs bekanntester Film. Um das Budget niedrig zu halten, wurden nur acht Sets gebaut, vor allem aber bereits vorhandene benutzt. Das berühmteste Beispiel ist die Treppe aus Orson Welles’ kurz vorher abgedrehter RKO-Produktion »The Magnificent Ambersons« (1942), die nur allzu deutlich erkennbar ist.
     Produzent Lewton und die Studiobosse hatten darauf bestanden, dass das »Monster« — um das es sich in diesem Fall ganz simpel um einen schwarzen Leoparden handelte — unbedingt zu sehen sein sollte, wogegen sich Tourneur vehement wehrte. Als der fertige Film den Studiobossen von RKO zum ersten Mal vorgeführt wurde, reagierten diese mit empörter Ablehnung, zeigten sich jedoch alsbald besänftigt und überrascht, als sich »Cat People« zu einem Kassenknüller entwickelte: Allein in New York lief der Streifen drei Monate lang in einem ausverkauften Kino und konnte schließlich seinen niedrigen Produktionskosten von 136.000 Dollar das stolze Einspielergebnis von vier Millionen Dollar entgegensetzen. 

Ich folgte einem Zombie

Originaltitel: I Walked with a Zombie; Regie: Jacques Tourneur; Drehbuch: Curt Siodmak, Ardel Wray; Kamera: J. Roy Hunt; Musik: Roy Webb; Darsteller: Frances Dee, Tom Conway, James Ellison, Christine Gordon, Edith Barrett. USA 1943.

I Walked with a Zombie

Nein, keine Sorge: Mit den unappetitlichen Zombie-Schockern der Gegenwart hat dieser feinsinnige Gruselschocker nichts zu tun. Vielmehr geht es um schwarze Magie und Voodoo-Rituale.
     Die kanadische Krankenschwester Betsy (Dee) wird auf eine karibische Insel geschickt, um dort die Pflege von Jessica Holland (Gordon), der schwerkranken Frau eines reichen Plantagenbesitzers (Conway), zu übernehmen. Die Kranke hat Sprache und Gedächtnis verloren und vegetiert in einem Dämmerzustand vor sich hin. Die zunächst vom Zauber der Insel und dem luxuriösen Anwesen der Hollands überwältigte Betsy schöpft nur langsam Verdacht, dass sich hinter Jessicas mysteriöser Krankheit ein schreckliches Geheimnis verbirgt, als ein schwarzer Diener ihr anvertraut, dass die Kranke in Wirklichkeit ein Zombie sei, eine lebende Tote. Getrieben von Fürsorge und Grauen, versucht Betsy, die ihr Anvertraute von ihren Qualen zu erlösen. Dabei gerät sie immer tiefer in den Strudel eines Voodoo-Kults…

Zur Zeit seiner Uraufführung von der Kritik zerrissen, gilt »I Walked with a Zombie« heute als einer der schönsten Horrorfilme überhaupt. Ein subtil gestaltetes, leises Gruseln in der Tradition des deutschen Expressionismus. Kein Wunder, schrieb doch Curt Siodmak am Drehbuch mit. Das faszinierende Moment liegt in der Heraufbeschwörung einer bedrohlichen Atmosphäre, die durch den Gebrauch von Schattenspielen und einer wirkungsvoll eingesetzten Geräuschkulisse ihren Ausdruck findet — Stilmittel, die alles andere als aufdringlich und deswegen umso effektiver sind. Besonders gelungen ist die Sequenz, in der Frances Dee und Christine Gordon sich durch einen Schilfgürtel zu einer Voodoo-Kultstätte vortasten. »I Walked with a Zombie« ist die ungebrochene Fortsetzung des raffinierten Erzählstils, mit dem Tourneur bereits in »Cat People« sein Publikum zu fesseln verstand. Der nur 65 Minuten kurze Film gehört — wie »Cat People« übrigens auch — zu einer Reihe von insgesamt zehn B-Horrorstreifen, die Val Lewton für RKO drehte. Beide Filme wurden von Mark Robson geschnitten, der später eine recht bemerkenswerte Karriere im Regiefach einschlagen sollte.

Ein schönes Zitat von Jacques Tourneur: »Ich verabscheue den Terminus Horrorfilm. Was ich gemacht habe, das sind Filme über das Übernatürliche. Und ich habe sie gemacht, weil ich an seine Existenz glaube.«

André Schneider

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2 thoughts on “Filmtipp #173 & #174: Katzenmenschen & Ich folgte einem Zombie

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