Filmtipp #165: Saat des Todes

Saat des Todes

Originaltitel: Pars vite et reviens tard; Regie: Régis Wargnier; Drehbuch: Ariane Fert, Harriet Marin, Julien Rappeneau, Lawrence Shore, Régis Wargnier; Kamera: Laurent Dailland; Musik: Patrick Doyle; Darsteller: José Garcia, Linh Dan Pham, Michel Serrault, Nicolas Cazalé, Marie Gillain. Frankreich 2007.

Pars vite et reviens tard

Mit dem heutigen Filmtipp stimme ich mich — und Euch — allmählich auf Paris ein. Bereits vor fünf Jahren, die DVD war frisch in Deutschland erschienen, schrieb ich über »Pars vite et reviens tard«:

Der neue Film von Régis Wargnier kam circa ein Jahr verspätet unter dem idiotischen Titel »Saat des Todes« nach Deutschland. »Pars vite et reviens tard«, nach Fred Vargas’ gleichnamigen Roman, ist der beste Wargnier-Film seit »Indochine« vor 15 Jahren: ein durchweg spannender, mit Liebe zum Detail erfasster Thriller, der ohne Schocks, Blut und Gewalt auskommt; ein bewegendes Drama um gescheiterte Beziehungen, entfremdete Familien und Tod; gut besetztes, elegant-souveränes Star-Kino — José Garcia, Marie Gillain, Lucas Belvaux, der herzbrecherisch schöne Nicolas Cazalé, Sophie Le Tellier, Nadine Alari und der unvergessene, kürzlich verstorbene Michel Serrault in seiner letzten Rolle — und nicht zuletzt ein facettenreiches Paris-Portrait.
    
Vordergründig ist es ein durchschnittlicher Krimi: In ganz Paris finden sich mysteriöse Symbole an Wohnungstüren. Ein offenbar Geisteskranker kündigt eine neue Pest-Epidemie an, und schon bald gibt es die ersten Toten.
    
Mehr kann ich an dieser Stelle nicht verraten, ohne das Gefüge des Films kaputt zu machen, denn »Pars vite et reviens tard« ist voller Wendungen — dank Wargniers Ezählweise allesamt glaubwürdig; er verzichtete bei seiner Inszenierung auf Effekthascherei, alles ist »leise« und plausibel — und Überraschungen. Die Musik stammt übrigens von Patrick Doyle, und der Name ist ein Garant für qualitativ hochwertige Filmmusik.
    
Wer einen spannenden, gelungenen Film für einen DVD-Abend sucht, sollte sich »Pars vite et reviens tard« ausleihen. Da macht man nichts falsch.
    
P.S.: X spielt auch mit. Nur eine winzige Rolle, er ist insgesamt weniger als eine Minute zu sehen. Trotzdem verberge ich meinen Neid nicht: Eine Minute unter Régis Wargnier! Wer kann schon behaupten, dieses Glück gehabt zu haben?

Dem würde ich heute eigentlich auch nichts hinzufügen wollen, ich mag den Film und bin immer noch von der straff gewobenen Inszenierung begeistert. Es gehört schon etwas dazu, ein 08/15-Thriller-Konzept so weit aufzupeppen, dass selbst ein Genre-Fan, der viel gesehen hat, gefesselt bleibt. In diesem Fall liegt der Reiz einmal mehr in den Figurenkonstellationen: Hinter der Fassade des Thrillers offenbart sich eine Wüstenlandschaft menschlicher Tragödien. Im US-amerikanischen Kino gehen nur wenige Autoren derart in die Tiefe.
     Nicolas Cazalé ist nach wie vor einer meiner französischen Lieblingsschauspieler und ganz sicher einer der schönsten Männer der europäischen Filmwelt. Leider hat er sich in den letzten Jahren ziemlich rar gemacht.

André Schneider

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3 thoughts on “Filmtipp #165: Saat des Todes

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