15. Oktober 2013

Ihr Gesicht ist eingeölt, das Wasser perlt an ihr ab. Ich schwimme gleichmäßig meine Bahnen, sie kommt mir wieder und wieder entgegen. Während die meisten Köpfe im Wasser in Anstrengung ermatten, scheint ihr Gesicht zu blühen. Sie verlässt das Becken, und ich sehe ihr lange nach, während sie ihre Siebensachen zusammenklaubt, die Badekappe ablegt und sich in ein Badelaken gehüllt auf den Weg zur Dusche macht.
     Eigentlich war der abendliche Velodrom-Besuch nicht geplant gewesen, aber mein Besuch aus Leipzig hatte kurzfristig abgesagt. Natürlich — wie sollte es anders sein — erst, nachdem ich fürs Abendessen eingekauft hatte. Damit das Essen nicht verdirbt, habe ich mir für heute Abend Gäste eingeladen, obwohl ich lieber alleine wäre. Es gibt in Sesam und Honig angebratene Putenmedaillons, Wildreis und Salat aus Babyspinat mit Kürbiskernen und einer Zitronenvinaigrette sowie gebratene Feigen zum Nachtisch. Groteskerweise bewog ausgerechnet die Aussicht auf dieses Abendessen meinen Leipziger Besuch zur Absage unter wüsten Beschimpfungen. Verstehe einer die Welt!

Unser Haus heute früh: herbstrot-leuchtend schön.

Unser Haus heute früh: herbstrot-leuchtend schön.

Das Wochenende plätscherte ereignislos-arbeitsreich vor sich hin, wie üblich schrieb ich morgens vier, fünf Stunden durch, um dann den Nachmittag mit Chelito zu verbringen. Am Samstag radelte ich zu einer Vernissage in Schöneberg. Schöne Stampagen. Mit einem der Gäste unterhielt ich mich stundenlang, es ging vor allem um meine Erlebnisse mit Männer zum Knutschen und um den kommenden Dreh in Paris. Auf dem Rückweg geriet ich in das wohl epischste Herbstgewitter meines Lebens: auf dem Fahrrad vom Nollendorfplatz bis zur Bornholmer Straße, und jedes Taxi, jeder Bus spritzte mich nass. Nicht, dass es noch ins Gewicht gefallen wäre, ich war nach 20 Minuten eh so durchnässt, dass ich ebenso gut nach Hause hätte schwimmen können. Zu allem Überfluss hatte Chelito auch noch Durchfall. Raus aus den Klamotten, Küche wischen und dann nackig über einer Schale Cornflakes den Tag verfluchen; ein toller Abend.
     Bei aller regnerischen Tristesse leuchtet unser Haus zurzeit feuerrot, es strahlt geradezu, und es ist uns herbstlich zumute. Ich freue mich auf den Dezember, auf die Vorweihnachtszeit, auf das Backen und Kochen, die gemütlichen Abende mit Julien Dorés neuer CD und guten Büchern. Bis dahin heißt es: fleißig sein — fleißig bleiben — durchhalten — und dabei Gelassenheit ausstrahlen. Bleibt gesund!

André

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