Filmtipp #138: Das Schweigen der Lämmer

Das Schweigen der Lämmer

Originaltitel: The Silence of the Lambs; Regie: Jonathan Demme; Drehbuch: Ted Tally; Kamera: Tak Fujimoto; Musik: Howard Shore; Darsteller: Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine, Brooke Smith. USA 1990.

the silence of the lambs

»It rubs the lotion on its skin, or else it gets the hose again!«

Das amerikanische Magazin »US« beschrieb »The Silence of the Lambs« seinerzeit mit den drei Schlagworten: »Blood, Sweat, and Fears!« — und traf den Nagel damit auf den Kopf.
     Eigentlich ist es nichtig, über diesen Film zu schreiben. Wer kennt ihn nicht? »The Silence of the Lambs« ist vermutlich der Psychothriller der Neunziger, ein instant classic, verdientermaßen mit fünf Oscars in den wichtigsten Sparten — bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, beste weibliche und männliche Hauptrolle — gekrönt und ein weltweiter Kassenhit noch dazu. Als ich mit The Night Digger meinen ersten Filmtipp hier veröffentlichte, schrieb ich, dass ich mich vor allem unbekannten und verkannten Filmen widmen möchte, und ich habe mich auch größtenteils daran gehalten. Hier nun also eine rare Ausnahme.

Jonathan Demme gelang eine wohldosierte Komposition aus unerträglicher Spannung und grauenhaften Bildern, untermalt mit Howard Shores nervenzersägender Musik und getragen von den souveränen Leistungen von Foster und Hopkins. Der Thriller spinnt, basierend auf Thomas Harris’ gleichnamigem Bestseller, seine Geschichte um zwei psychopathische Massenmörder. Der erste, der charismatische Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins stieg mit dieser Rolle in den Olymp der Superstars auf), sitzt seit Jahren im Hochsicherheitstrakt eines psychiatrischen Gefängnisses in einer unterirdischen Isolationszelle. Vor seiner Inhaftierung hatte der Psychologe, ein hochintelligenter und kultivierter Analytiker, im Dienste der Justiz gestanden und versucht, die seelischen Abgründe von Massenmördern zu ergründen. Dabei war er selbst zum Killer geworden — und zum Gourmet: Seine Opfer pflegte er mit Bohnen und Rotwein zu verspeisen, was ihm den Spitznamen »Hannibal, der Kannibale« eintrug. Der zweite Killer (Ted Levine) ist noch auf freiem Fuß und hat eine nicht minder ekelhafte Affinität für menschliche Körperteile: Er häutet die Leichen seiner durchweg weiblichen Opfer, um sich aus der Haut eine neue Hülle maßzuschneidern. Als der von den Behörden auf den Namen »Buffalo Bill« getaufte Irre die Tochter (Brooke Smith, Vanya on 42nd Street) einer republikanischen Senatorin (Diane Baker, Mirage) entführt, leitet das FBI eine Großfahndung nach ihm ein. Hier kommt die ambitionierte Clarice Starling (Jodie Foster), frisch von der FBI-Akademie, ins Spiel: Sie wird auf den eingekerkerten Hannibal Lecter angesetzt, um über sein Fachwissen an den zweiten Todesengel heranzukommen. Die Taktik geht am Ende auf, wenn auch mit einem folgenschweren Schönheitsfehler: Clarice kann zwar »Buffalo Bill«, dem sie beinahe selbst zum Opfer fällt, in einem beeindruckend spannenden Alleingang zur Strecke bringen, doch Dr. Lecter gelingt bei einem Verhör außerhalb des Gefängnisses die Flucht und wird bis zum Ende des Films nicht wieder eingefangen…
     Besonders aufregend sind die Szenen, in denen Starling und Lecter aufeinander treffen. Lecter betrachtet die ehrgeizige Clarice als ebenbürtig und bietet seine Informationen in einer Art Tauschgeschäft an: Er gibt ihr Hinweise auf die Identität des Häuters, verlangt dafür allerdings Einblick in das Seelenleben der jungen Agentin — Quid pro quo. Was sich im Laufe der Handlung zwischen den beiden entwickelt, ist eine perfide Mischung aus Psycho-Duell und einer düsteren Romanze des Geistes. Die Dialoge sind besonders in diesen Szenen superb. Das beunruhigende Ende ist das i-Tüpfelchen dieses spannungsgeladenen Schockers, der zu Recht zu besten der Filmgeschichte gezählt wird. Leider folgten noch einige Fortsetzungen, eine blutiger und flacher als die andere, die man sich gerade als Fan des Originals sparen sollte.

André Schneider

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