28. Juli 2013

Die Hitze macht mir zu schaffen, ich bin unkonzentriert, appetitlos, erschlagen. Man kann eigentlich nur noch nackt auf dem Parkett liegen und auf das Nahen der Nacht warten. Der Hund ist auch fix und fertig, hat sich sein Tageslager im vergleichsweise noch recht kühlen Flur eingerichtet und hält Siesta. Einem Gewitter müsste der Bundestag erst mit einer Dreiviertelmehrheit zustimmen, aber von denen ist ja nichts zu erwarten. Das Gute an der Sache ist, dass ich kaum noch esse und deshalb ein kleinwenig abgenommen habe.
     Hab mir gestern einige Interviews angeschaut: Vanessa Redgrave, Alice Schwarzer, Richard David Precht, Jane Elliott. Viel Wasser getrunken, Cornflakes gegessen, unliebsame Post erledigt, abends mit einem Freund und den Hunden lange spazieren gegangen, nachts noch das Scorsese-Remake von Cape Fear geschaut; auch schon über 20 Jahre alt, der Film. Heute geht’s vielleicht zu einem der verkeimten Seen, mal schauen. Wenn nicht, lese ich weiter in der Oliver Reed-Biographie von Robert Sellers, ein Geschenk von Mirko. Hätte nie gedacht, dass mich Oliver Reed einmal interessieren oder gar berühren könnte! Alkoholismus hin oder her, der Mann war eine Naturgewalt. Es war sicher nicht leicht, mit ihm zu arbeiten oder gar mit ihm zu leben, und seine sexistischen Standpunkte waren für selbstbewusst-emanzipierte Kolleginnen wie Glenda Jackson, Amanda Donohoe, Shelley Winters und Vanessa Redgrave mehr als provokativ. Viele seiner Weggefährten sprechen von seiner »Jekyll und Hyde«-Persönlichkeit, die während seiner Suffperioden zum Vorschein kam. Dennoch machten ihn seine Lebenslust, seine Freude an der Natur, seine Liebe zu Tieren und Kindern, seine Loyalität und sein freier Geist liebenswert. Wer Oliver Reed zum Freund hatte, der hatte einen Freund fürs Leben. Seinen Kindern war er ein guter Vater, und nachdem der Alkohol ihm seinen Sexualtrieb genommen hatte — da war er etwa in meinem Alter —, wurde er auch ein besserer Partner und Ehemann. Die Biographie heißt »What Fresh Lunacy is This?« und ist spannender als mancher Krimi.
     Morgen geht die Organisationsarbeit für Antonys Film weiter. Ich hoffe, dass es bis dahin ein wenig kühler geworden ist, sonst wird die Telefoniererei ein einziger Alptraum.
     Klebrige Sonntagsgrüße, stellt schon mal den Eistee kalt, ab morgen gibt es wieder ein paar saftige Filmtipps.

André

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