Filmtipp #123: Zwei auf gleichem Weg

Zwei auf gleichem Weg

Originaltitel: Two for the Road; Regie: Stanley Donen; Drehbuch: Frederic Raphael; Kamera: Christopher Challis; Musik: Henry Mancini; Darsteller: Audrey Hepburn, Albert Finney, Eleanor Bron, William Daniels, Claude Dauphin. GB 1966.

Two for the Road

Diese melodramatische Komödie, Stanley Donens filmisches Plädoyer für die Ehe, ist der vielleicht schönste Film Audrey Hepburns, gehört allerdings auch zu den weniger bekannten Stationen ihrer Filmographie.
     Mark Wallace (Albert Finney, Night Must Fall), seines Zeichens erfolgreicher Architekt, ist mit seiner gelangweilten Frau Joanna (Audrey Hepburn) auf dem Weg von England nach Frankreich, wo er einen wichtigen Geschäftstermin hat. In der Ehe der beiden kriselt es heftig, man giftet sich an und denkt an Trennung. Auf ihrer Reise durch ihnen wohl vertraute Regionen Frankreichs lassen sie die zwölf Jahre ihrer Ehe Revue passieren. In harmonisch eingeflochtenen Rückblenden erinnert sich das Paar an seine erste Begegnung auf einer Fähre, an einen gemeinsamen Urlaub mit einem befreundeten Ehepaar (Eleanor Bron, William Daniels) und an zwei weitere Ferienausflüge. Wichtige Rollen spielen dabei die fahrbaren Untersätze, die sich stetig verbesserten, während die Ehe der Wallaces sich verschlechterte: vom heiter-sorglosen Tramperdasein über die aufreibende gemeinsame Tour mit Marks Freunden (als Fahrgemeinschaft) und der ersten Fahrt in einem altersschwachen MG bis hin zur gähnenden Langeweile in der blinkenden Nobelkarosse.

Die fünf Stationen der wechselhaften Beziehung verknüpft Donen meisterhaft, indem er sie nicht chronologisch abspult, sondern immer wieder bestimmte Situationen zum Anlass nimmt, um seine Protagonisten in Erinnerungen schwelgen zu lassen. Der running gag mit Marks verschwundenem Reisepass verdeutlicht das Prinzip besonders gut: Sucht Mark in einer Szene am Grenzübergang verzweifelt nach seinem Pass, so leitet die Erinnerung an ein ähnliches Ereignis aus der Vergangenheit eine Episode ein, die nun den weiteren Verlauf bestimmt. Claude Dauphin, Nadia Gray und die blutjunge Jacqueline Bisset treten in kurzen Gastrollen auf, während Bron und Daniels ein herrlich nervtötendes amerikanisches Ehepaar auf Europaurlaub abgeben. Unterlegt ist all dies mit Henry Mancinis wohl melancholischster Komposition.
     Die Dreharbeiten zu »Two for the Road« fanden fast ausschließlich in Frankreich statt (vom 3. Mai bis zum 1. September 1966) und waren von einer ausgelassenen Stimmung geprägt. Hepburns Ehe mit Mel Ferrer war praktisch passé, so dass sie sich auf eine Liaison mit Albert Finney einließ, was der Glaubwürdigkeit des Projektes sicherlich zuträglich war. Ganz nebenbei sei erwähnt, dass Finney der einzige Mann war, der die Hepburn in einem Film »Bitch!« nannte. Schauspielerisch wurde »Two for the Road« vor allem für Audrey Hepburn ein Triumph: die damals 37jährige überzeugt sowohl als 18jähriger Backfisch wie auch als frustrierte Ehefrau jenseits der 30 und erhielt glänzende Kritiken. Trotzdem zog sie sich nach ihrem nächsten Film, dem von Ferrer produzierten Psychothriller Wait Until Dark, für zehn Jahre von der Leinwand zurück.
     »Two for the Road« wird leider nur selten gezeigt, die Fernsehsender ziehen es vor, Hepburns bekannteren Filme zu wiederholen. Lange Zeit war hierzulande nur eine gekürzte Version des Streifens in Umlauf, die 2004 veröffentlichte DVD jedoch zeigt das romantische Meisterwerk in seiner ganzen Pracht. Frederic Raphaels pointiertes Drehbuch wurde seinerzeit für einen Oscar nominiert, an der Kasse erwies sich »Two for the Road« mit einem Einspielergebnis von weltweit etwa zwölf Millionen Dollar als profitabel.

André Schneider

Advertisements