Filmtipp #115: Ananas Express

Ananas Express

Originaltitel: Pineapple Express; Regie: David Gordon Green; Drehbuch: Seth Rogen, Evan Goldberg; Kamera: Tim Orr; Musik: Graeme Revell; Darsteller: Seth Rogen, James Franco, Danny McBride, Gary Cole, Rosie Perez. USA 2008.

pineapple express

Der gebürtige New Yorker Judd Apatow ist seit 2004 einer der umtriebigsten und kommerziell erfolgreichsten Filmproduzenten der USA. Seine Komödien sind Superhits; allein sein Regiedebüt »The 40 Year-Old Virgin« (2005) spielte 177 Millionen Dollar ein. Die besondere Qualität ziehen seine Klamotten aus den hervorragenden Schauspielern, die Apatow meist höchstpersönlich in Comedy Clubs rekrutiert: Seth Rogen, Steve Carell, Jason Segel, Jonah Hill und Leslie Mann wurden durch seine Filme bekannt. Die Schwangerschaftsklamotte »Knocked Up« (2007) wurde zu einem instant classic und mit einem Einspielergebnis von rund 220 Millionen Dollar ein Sensationserfolg. Auch die Kritiker mögen seine Werke — obwohl der Vorwurf, die Streifen seien überlang, sexistisch und latent homophob, nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Sei’s drum: Judd Apatows Produktionen sind witzig, kurzweilig und bieten jungen, aufstrebenden Talenten eine Entwicklungsfläche von unschätzbarem Wert.
     Apatow ist ein großzügiger Förderer. So ermöglichte er seinen Lieblingsschauspielern Seth Rogen und Jason Segel 2008, ihre Drehbücher zu verfilmen. Segel bekam seine Chance mit »Forgetting Sarah Marshall« (Regie: Nicholas Stoller), Rogen mit der Marihuanakrimikomödie »Pineapple Express« — beide Filme genießen heute Kultstatus.

Seth Rogen spielt den Gerichtszusteller Dale Denton, einen gemütlichen Burschen, der seiner Arbeit gelassen, aber gewissenhaft nachgeht, eine süße Freundin (Amber Heard) hat und gerne mal einen Joint durchzieht. Sein Dealer Saul (köstlich und süß: James Franco) vertickt ihm eines Tages ein neues Kraut, das sich Ananas Express schimpft und hammermäßig knallen soll. Während Dale in seinem Auto genüsslich ein Tütchen Ananas Express raucht, beobachtet er einen kaltblütigen Mord: Ted Jones (Gary Cole) und die kleine, drahtige Polizistin Carol (genial: Rosie Perez) erschießen ein Mitglied der asiatischen Drogenmafia. Der tollpatschige Dale wird natürlich entdeckt — und gnadenlos gejagt. Jones setzt die beiden Handlanger Budlofsky (Kevin Corrigan) und Matheson (Craig Robinson) auf den Kiffer und seinen ahnungslosen Dealer an. Der Zuschauer nimmt an einer abenteuerlichen Jagd durch Los Angeles mit brachial-witzigen Szenen und einem brutalen Tarantino-Showdown teil.
     Die Kritiker waren sich uneins über die Qualität des 27 Millionen US-Dollar teuren Streifens. Allgemein bemängelte man das hohe Gewaltpotential und — natürlich! — den Drogenkonsum. Das Publikum indes mochte den »Pineapple Express«; der actiongeladene Streifen war die erste Kifferkomödie, die weltweit mehr als 100 Millionen Dollar einspielte. Ein Riesenerfolg für alle Beteiligten.
     Ich selber gebe offen zu: Ich liebe den Film! Rogen und seinem Co-Autor Evan Goldberg ist ein guter Wurf gelungen, spannend und witzig zugleich, und vor allem ganz auf die Schauspieler zugeschnitten: Die wahren Stars sind für mich Corrigan, Robinson, Cole und Perez, Danny McBride ist als Red eine komödiantische Offenbarung, Bill Haders Kurzauftritt am Anfang ist ein Knaller, und James Franco (»Fuck the police!!«) ist ohnehin seit jeher einer der coolsten Stars der Traumfabrik. Die Freundschaft zwischen Dale und Saul entwickelt sich im Laufe der fast zweistündigen Handlung mehr und mehr zu einer lustigen bromance mit unschuldig-homoerotischem Unterton. Und ja, der »Pineapple Express« ist auch nüchtern ein Riesenspaß!

André Schneider

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