Filmtipp #103: Ladykillers

Ladykillers

Originaltitel: The Ladykillers; Regie: Alexander Mackendrick; Drehbuch: William Rose; Kamera: Otto Heller; Musik: Tristam Cary; Darsteller: Alex Guinness, Cecil Parker, Herbert Lom, Peter Sellers, Danny Green. GB 1955.

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Eigentlich muss man die Geschichte dieses zeitlosen Klassikers nicht mehr erzählen, oder? Für jene, die »The Ladykillers« nicht kennen, sei der Inhalt doch in aller Kürze zusammen gefasst: Der zwielichtige Professor Marcus — eine Paraderolle für Alec Guinness und ein Fest für die Maskenbildner (diese Zähne!!) — mietet sich im schrullig-charmanten Häuschen der gutmütigen Mrs. Wilberforce (die damals 76jährige Bühnenschauspielerin Katie Johnson in ihrer ersten und zugleich letzten großen Filmrolle; sie starb zwei Jahre später) ein. Ihr gegenüber gibt er an, Mitglied eines Streichquintetts zu sein und mit seinen Freunden (Parker, Lom, Sellers, Green) in seinem Zimmer zu musizieren. In Wahrheit jedoch fungiert sein Kämmerlein als geheime Kommandozentrale für einen geplanten Überfall auf einen Geldtransporter. Mrs. Wilberforce kann nicht ahnen, dass nur eine Schallplatte abgespielt wird, versorgt die Gangster mit Tee und Gebäck — und wird ohne ihr Wissen zur Komplizin. Der Coup findet wie geplant statt, alles läuft nach Plan, doch dann kommt die alte Dame durch einen dummen Zufall hinter die ominösen Vorgänge in ihrem Haus. Im Streit um die Aufteilung der Beute und um die Frage, wer die lästige, aber liebenswerte Zeugin um die Ecke bringen soll, bringen sich die Ganoven gegenseitig um. Einzig das geraubte Geld bleibt von ihnen übrig, mit dem Mrs. Wilberforce brav zur Polizei marschiert, die ihrer Geschichte jedoch keinen Glauben schenkt.

Diese glänzend gespielte, weltweit äußerst erfolgreiche Krimikomödie, die zum Inbegriff des typisch britischen Humors wurde, war die letzte Produktion der altehrwürdigen Ealing Studios, bevor diese wegen Unrentabilität geschlossen wurden. Ferner war »The Ladykillers« für Regisseur Mackendrick das Sprungbrett nach Hollywood, wo er unter anderem die Tony Curtis-Filme »Sweet Smell of Success« (1957) und »Don’t Make Waves« (1967) inszenierte. Das Drehbuch von William Rose wurde für einen Oscar nominiert, und die anrührende Katie Johnson erhielt für ihre goldige Darstellung der alten Lady einen BAFTA. Die Coen-Brüder drehten rund 50 Jahre später ein überflüssiges, ärgerliches, humor- und charmefreies Remake mit Tom Hanks, für das es weder eine Erklärung noch eine Entschuldigung gibt.

André Schneider

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