5. Oktober 2012

Deed Poll
Bericht von Thomas Ays, moviesection.de, 24. September 2012.

Ivy Poll und ihr Bruder Sean haben gerade ihre Eltern durch Selbstmord verloren — zumindest wird das angenommen. In Wahrheit hat Ivy ihre reichen Erzeuger um die Ecke gebracht. Nun leben sie und ihr Bruder in Saus und Braus — und haben ständig Sex miteinander. Doch auf Dauer wird auch das langweilig, und so bittet Ivy ihren Bruder darum, einen Dreier auszuprobieren — mit einem professionellen Stricher. Sean findet erst wenig Gefallen daran, würde für seine Schwester jedoch alles tun. Und so tritt Nathaniel in das Leben des Geschwisterpaars — mit ungeahnten Folgen…

Der Kurzfilm Deed Poll geht weit und ist für ein besonderes Publikum gemacht. Für jene, die hinter Vorhänge blicken und gängige Formen von »Was ist richtig? Was falsch?« in Frage stellen oder zumindest dem nicht ablehnend gegenüberstehen. Das 42minütige Drama ist aber auch ein schauspielerisch experimenteller und für junge Mimen interessanter Stoff, in dem sie sich austoben können. Regisseur und Produzent IJ. Biermann setzt fantastische Bilder ein, um seine Schauspieler ins rechte Licht zu rücken. Durch aufregende Kamerafahrten und das Gespür für die richtige Komposition nimmt dieses Drama vor allem Filmbegeisterte für sich ein. Experimentell, aufregend, anders… Da ist es nur zu schade, dass der Ton oft qualitativ als eher schlecht zu bezeichnen ist. Die Schauspieler sind dies aber nicht. Barbara Kowa passt herausragend in die Rolle der Ivy und auch Rainer-Maria Wittenauer als Sean und Drehbuchautor André Schneider als Nathaniel überzeugen durch ihr mutiges Spiel.

Das Kurzfilmgenre ist dazu da, sich auszuprobieren, neue Wege zu gehen und etwas zu riskieren. Auch wenn Deed Poll da handlungstechnisch sehr weit (zu weit?) geht, besticht dieser Film doch mit einer handwerklichen Professionalität und tollen Schauspielern. Dieser provokante Versuch ist auf jeden Fall einen Blick wert.

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