11. August 2012

Der zweite Anfang — Le deuxième commencement
Bericht von Thomas Ays, moviesection.de, 11. August 2012.

Es ist nun drei Jahre her, seit sich André und Laurent getrennt haben. Davor lebten sie mehr oder weniger glücklich zehn Jahre lang in Paris. Nun ist André wieder zurück in Berlin, arbeitet als Theater-Regisseur und hat eine lockere Liebschaft mit einem seiner Schauspieler, Gabriel.

Eines Abends kommt jedoch der überraschende Anruf aus Frankreich, dass Laurent auf dem Weg nach Berlin ist, um André zu besuchen. Ein seltsames Gefühl macht sich breit. Warum? Und: Warum jetzt — nach drei Jahren?

Es ist eine fast 50minütige Hommage an die Liebe geworden, die von Hauptdarsteller, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent André Schneider inszeniert wurde. Dabei setzt er auf eine ungewöhnliche und sehr stilvolle Kameraarbeit und auf seine Worte. Eine Highlight-Szene ist sowohl inszenatorisch, als auch textlich die Bühnenszene von Schauspieler Gabriel (Marc Hodapp) geworden, die nicht nur grandios atmosphärisch, sondern auch außergewöhnlich magisch wurde. In dieser Szene wirkt Hodapp grandios und macht echten Eindruck. Dagegen wirken die Szenen der hysterischen Nachbarin Ariane übertrieben und wenig passend. Diese komischen Einlagen hätte Der zweite Anfang — Le deuxième commencement eigentlich gar nicht nötig gehabt, ganz im Gegenteil. Die ernste, tiefe Schiene, die benötigt wird, um uns zu berühren, wäre die absolut richtige gewesen.

In Zeiten, in denen es im schwulen Kino immer nur darauf ankommt, wie die Typen, die darin zu sehen sind, aussehen, ist ein Film, wie der von André Schneider umso wichtiger. Beide Figuren (und Schauspieler) sind in den 30ern, haben keine Hochglanz-Bodys und wurden auch nicht vor jeder Szene in Make-Up ertränkt. Natürlich eben, echt. Attribute, die sich heutzutage im deutschen und internationalen, homosexuellen Film, nicht sehr oft finden lassen — tragischerweise. Schneider bewahrt diese Natürlichkeit und liefert eine süße und manchmal auch sehr herzliche Geschichte und Inszenierung ab. Die Zeit reicht aber nicht, um in die Tiefe zu gehen und um seine Figuren ausreichend auszuleuchten. Und auch schauspielerisch überzeugend wurde es nicht immer. Dennoch ist aus Der zweite Anfang — Le deuxième commencement ein leiser und sehr sympathischer Film geworden, an dem inszenatorisch wenig auszusetzen ist und der einige großartige Szenen zu bieten hat.

Unterm Strich: Schwuler Film — mal anders. Besonders. Europäisch. Natürlich.

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