Filmtipp #52: Auf Liebe und Tod

Auf Liebe und Tod

Originaltitel: Vivement dimanche!; Regie: François Truffaut; Drehbuch: François Truffaut, Suzanne Schiffman, Jean Aurel; Kamera: Néstor Almendros; Musik: Georges Delerue; Darsteller: Fanny Ardant, Jean-Louis Trintignant, Jean-Pierre Kalfon, Caroline Sihol, Philippe Laudenbach. Frankreich 1983.

Vivement dimanche !

Dass ich mich bei meinem heutigen Filmtipp so kurz fasse, weist nicht etwa auf eine mangelhafte Qualität des Films hin — das Gegenteil ist der Fall! —, ich kann über »Vivement dimanche !« nur nicht allzu viel schreiben. Der Film spricht für sich. Anschauen!
     François Truffauts letzter Film wurde sein erfolgreichster überhaupt; Kritik und Publikum waren 1983 von dem Charme und der Eleganz dieses exzellenten Streifens gleichermaßen angetan. Für Truffaut schloss sich mit dem Film ein Kreis: ein Jahr vor seinem Tod landete er mit »Vivement dimanche !« wieder dort, wo er 1959 mit »Tirez sur le pianiste« angefangen hatte — bei den Kriminalromanen der série noire, für die das französische Kino eine besondere Vorliebe hat und von denen Truffaut im Verlauf seiner Karriere insgesamt fünf für die Leinwand adaptiert hatte. Dem Roman »The Long Saturday Night« von Charles Williams folgend, ist »Vivement dimanche !« eine augenzwinkernde Mischung aus Krimi und Liebesgeschichte, vor allem aber ein Musterbeispiel für detailverliebtes Starkino. Fanny Ardant, nach »La femme d’à côté« (1982) zum zweiten Mal in einem Film ihres Lebensgefährten zu sehen, spielt Barbara Becker, eine Sekretärin, die ihren Chef (Trintignant) aus Liebe von einem Mordverdacht befreien will und deshalb zur Amateurdetektivin wird. Georges Delerue komponierte eine seiner schönsten Musiken dazu, und Néstor Almendos’ nostalgisch-stimmungsvolle Schwarzweißbilder evozieren Erinnerungen an die Meisterwerke der vierziger Jahre. Die zeitlos elegante Fanny Ardant war nie entzückender. Kurz und schlicht: dies ist mein Lieblingsfilm aus Truffauts Œuvre. Kein Cineast sollte ihn sich entgehen lassen.

André Schneider

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