1. Dezember 2011

Bis 2008 entwickelte, schrieb und spielte ich insgesamt fünf Comedy-Programme auf Englisch. Das erste hieß »Giving Till It Hurts«. Erstmals stand ich damit am 15. Mai 2001 im Banana Cabaret in London auf der Bühne, später trat ich noch in anderen Clubs und Theatern wie dem Jinx Comedy Club sowie Bow Wharf, Bound & Gagged, Roar with Laughter, Moriarty’s, dem Grace Theatre und dem Chiswick Comedy Club auf. Mein Material fand ich gut, meine Darbietung weniger. Introvertierte Menschen eignen sich nur bedingt für Stand-up Comedy. Trotzdem ging ich dieser Tätigkeit viele Jahre in unregelmäßigen Abständen nach. Vielleicht hätte ich mich um mehr Kontinuität bemühen und hartnäckiger sein sollen, aber mir war von Anfang an klar, dass ich für diese Form von Theater nicht gemacht bin.
     2002 und 2003 trat ich mit der deutschen Fassung Geben bis es schmerzt insgesamt acht Mal in Berlin auf, zuerst im Sommer 2002 in der aha am Mehringdamm, im November und Dezember 2003 dann in der Scheinbar und im Quatsch Comedy Club im Friedrichstadtpalast: ein Desaster, nach dem ich mir schwor, nie wieder auf einer deutschen Bühne Comedy zu machen. Nun, es geschah ursprünglich auch nur meinem Freund zuliebe, der mich unbedingt auf der Bühne sehen wollte. Vom allerersten Auftritt in der aha am 5. Juli 2002 gibt es einen Mitschnitt, den einzigen deutschsprachigen aus meiner Zeit als Comedian. Schauerlich, doch ich dachte, es wäre pfiffig, Euch zur Adventszeit mit einigen Ausschnitten von diesem Auftritt zu bescheren. Während wir also in Paris sind und fleißig filmen, ploppt hier jeden Tag ein Clip auf.

Ich erinnere mich, dass die Berliner Presse seinerzeit erstaunlich freundlich schrieb. (Die Mitbewohnerin meines Freundes meinte dazu: »Na ja, einem hübschen Mann verzeiht man ja einiges.«) So kündigte mich die inzwischen eingegangene »sergej« folgendermaßen an: »Ein attraktives Kerlchen macht sich Gedanken über die Welt und welche Rolle Barbra Streisand bei den Schicksalsschlägen der Céline Dion spielte. Das Soloprogramm des Comedian und Schauspielers André Schneider verspricht auf hohem Niveau zu unterhalten — und wir wollten ja schon immer alle wissen, was Elton John beim Untergang der Welt spielen wird! André, dessen Freundin hin und wieder mit den Schamlippen am Sofa festklebt, gibt, bis es schmerzt, nicht nur in Sachen Popmusik.« Die »Siegessäule« schrieb auch gut, nur habe ich leider kein Exemplar der damaligen Ausgabe mehr.
     Ein herzlicher Gruß nach Deutschland!

André

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