Kein Bambi für Bushido!

Eigentlich hatte ich vorgehabt, bis zu unserem Abflug nach Paris eine Blogpause einzulegen, schließlich habe ich mit Arbeit, Umzug und Filmvorbereitungen mehr als genug zu tun, aber die Nachricht, dass der Burda-Verlag ausgerechnet Bushido mit einem »Integrations-Bambi« ehren wird, lässt mich doch kurz auftauchen.

Eigentlich wundert einen nichts mehr. Vor wenigen Jahren bekam Tom Cruise einen »Mut-Bambi« für das Wagnis, in einem (leider sehr misslungenen) Film einen Widerstandskämpfer zu spielen. Was für ein Risiko Herr Cruise damals doch einging! Insofern kann man den Bambi als Auszeichnung nicht mehr wirklich ernst nehmen. Und dennoch: Bushido? Integration?
     Zunächst einmal hat sich Bushido durch seine Plagiatsaffären — erst Anfang dieser Woche wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er die Musik eines französischen Musikers für eines seiner Platinalben geklaut hatte — selbst als »Künstler« dequalifiziert. Er ist nicht kreativ, sondern rekreativ. Dann kommt der Mann meines Wissens aus Bonn und hat Berlin bis vor sechs, sieben Jahren kaum verlassen. Er wohnt in einem Reihenhaus in Dahlem. Der Mann ist so deutsch wie Helmut Kohl und nicht mehr Ghetto als Kai Pflaume oder Otto Waalkes. Eine Mogelpackung von A bis Z.
     Der wichtigste Punkt, der gegen eine Auszeichnung insbesondere  für »Integration« spricht, sind jedoch seine menschenverachtenden Standpunkte, die er in seinen Liedern und in Interviews postuliert. Ein Mann, der öffentlich zur Gewalt gegen Frauen und Schwule aufruft, der fordert, dass Homosexuelle vergast werden sollen und für den Frauen per se Huren und Untermenschen sind, soll ein gutes Beispiel für »Integration« und ein Vorbild für unsere Jugend sein? Dann könnte Burda auch den Köpfen von CSU und NPD je einen »Ehren-Bambi für Völkerverständigung« geben.

Wie ich bereits in einem meiner früheren Beiträge hier schrieb: Homophobie und Rassismus sind im Prinzip ein- und dasselbe. Unsere Hautfarbe und unsere Sexualität sind die Dinge, die uns definieren, auf die wir keinen Einfluss haben, die wir nicht ändern können. (Religiöse Überzeugungen oder politische Gesinnungen können sich gegebenenfalls ändern, Hautfarbe und Sexualität nicht.) Würde man in Bushidos Texten das Wort »Schwule« durch »Juden«, »Neger«, »Behinderte« ersetzen, ginge zu Recht ein Aufschrei durchs Land! In Deutschland sind Homosexuelle nach wie vor auch vor dem Gesetz — die »Homo-Ehe« ist im Prinzip nichts anderes als staatlich abgesegnete Diskriminierung! — eine Art Kaffeesatz der Gesellschaft: dieselben Pflichten, aber lange nicht dieselben Rechte wie alle anderen auch. (Selbst ein so erzkatholisches Land wie Spanien ist in dieser Hinsicht viel weiter.) Aber darüber möchte ich mich an dieser Stelle gar nicht auslassen, sondern einfach die Frage stellen: Wie kann es sein, dass ein Rassist eine derartige Auszeichnung zugesprochen bekommt?

Ich lasse heute ausnahmsweise die Kommentarfunktion eingeschaltet und bitte Euch, dass Ihr Euch bei Julia Korn vom Burda-Verlag beschwert. Sie ist unter julia.korn@burda.com erreichbar. Es ist zwar nur ein kleines Zeichen, aber jeder Weg fängt mit dem ersten Schritt an.
     Ein herzlicher und ernsthaft betroffener Gruß

André Schneider

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15 thoughts on “Kein Bambi für Bushido!

  1. danke für diesen tollen Artikel…ich kann und möchte nicht mehr hinzufügen, du sprichst mir aus dem Herzen…Bushido ist als Bambi-Preisträger eine Schande für den Burda-Verlag und alle Bambi-Preisträger!!! So verkommen ist die Medienlandschaft inzwischen…Schade 😦

  2. Danke Frank, das musste heute früh noch auf die Schnelle getippelt werden (eigentlich müsste man ja mehr schreiben), damit sich noch etwas tut. Leider ist das jetzt noch zusätzliche Gratis-Publicity sowohl für Burda als auch für Bushido, aber sei’s drum…

  3. Ein interessanter Artikel, André. Ich habe gleich an die Dame von Burda geschrieben. Sowas darf eigentlich gar nicht sein.

    Ich wünsche Dir alles Gute auch außerhalb Berlins.

  4. Ok hab Frau Korn mal einen Zitat aus Dreckstück von Bushido geschickt und mich für die Ohrfeige bedankt.

  5. Nun gut, das Ganze hat insofern etwas gebracht, dass der Rosenstolz-Mann bei der Verleihung ein paar Worte verloren hat und man ein bisschen aufmerksamer hinschauen und -hören wird, was Bushido in Zukunft sagt und tut. Schön wäre ein Statement von ihm persönlich gewesen… aber vielleicht kommt das ja, wenn er 35, 40, 42 ist.

  6. Lustig, dass ich Herrn Bushido schon einmal bei den ‘Huren’ auf der Straße des 17. Juni mit seinem weißen Porsche rumflitzen gesehen habe.

  7. consequent wäre es gewesen, wenn rosenstolz & co ihre bambis auch zurück gegeben hätten wie heino. dass mushido den preis gekriegt hat, entwertet den bambi.

  8. Ich war ganz überrascht, dass Heino das gemacht hat. Das zeigt Größe! (Der Wussow, Gottschalk, Katharina Witt und Ute Lemper hatten ihre Bambis ja auch aus Kritik an Burda zurück gegeben.) Bestimmt nicht leicht, sich von einem Preis zu trennen.

  9. Nee, da haste was falsch verstanden. Tom Cruise hat den Bamby nicht für seine Darstellung bekommen, sondern dafür, dass er bei Scientology ist – und in Deutschland dafür angefeindet wird (und natürlich auch, weil die Frauen ihn lieben). Wir erinnern uns: Niemand wollte Cruise in Deutschland haben, weil er ja bei Scientology Mitglied ist, und dann hat er sich auf die Religionsfreiheit berufen, und verkündete betont naiv, er könne sich nicht vorstellen, dass ausgerechnet in Deutschland (mit der Geschichte und so – und dann noch bei einem Film über die “Drittes Reich”-Zeit) jemand wegen seiner Religion ausgegrenzt würde. Da klatschten alle … und so bekam er als Trost auch noch den Bambi.

    Der Film ist allerdings nicht so misslungen. Es ist kein wichtiger oder künstlerischer Film. Ist einfach, was er sein will: Ein amerikanischer Heldenfilm mit klassischer Genre-Dramaturgie. Nicht mehr und nicht weniger.

  10. Ah, okay, vielen Dank für die Info. Ich hatte es seinerzeit nur am Rande verfolgt und lediglich achselzuckend zur Kenntnis genommen. Mich interessieren Cruise, seine Ex und die ganzen Aktivitäten leider herzlich wenig; vielleicht sollte ich mich da mal mehr überwinden. 😉

    Ein herzlicher Gruß!

  11. Pingback: 22. November 2011 « Vivàsvan Pictures / André Schneider

  12. ich weiß nicht, was sie gegen bushido haben. es gibt hierzulande so etwas wie das recht auf freie meinungsäußerung. der mann ist einer der wenigen ganz großen deutschen künstler, die authentisch und offen sagen, was sie denken. vielleicht sind sie nur neidisch auf seinen erfolg? wer kennt schon ihre schwuchtelfilme? und ihre musik ist auch nicht in den charts. daran erkennt man doch, dass ihnen echte qualität fehlt.

  13. Pingback: 13. Juli 2013 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

  14. Pingback: 4. Februar 2014 | Vivàsvan Pictures / André Schneider

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