16. Oktober 2011

Alexander Pfeuffer, der Regisseur des feinsinnigen Kurzfilms »Hinterbliebene«, rührte mich mit seinen freundlichen Worten zu Deed Poll fast zu Tränen. (Unsere beiden Filme sind auf der DVD Par-courts gay enthalten, die in Frankreich über 20 Wochen in den Top 5 der Verkaufscharts war.) Lob tut natürlich immer gut, aber das Lob von jemandem, der selbst so wunderbare Dinge schafft — »Hinterbliebene« ist wirklich ein großer kleiner Film! —, ist wie ein Ritterschlag und macht Mut für die kommende Arbeit. Le deuxième commencement wird mich in vollem Umfang fordern. Soweit liegt alles ganz gut und klar in der Bahn, meine Kamerafrau und ich haben eine klare Verständigungsebene, unser französischer Komponist genießt mein volles Vertrauen, unser Hauptdarsteller ist eine Wucht. Es wird ein sehr schöner, leiser Film werden. Ein Film der Zwischentöne, der Stille. Ich hoffe, er wird eine ähnliche Dichte und Intensität haben wie seinerzeit Deed Poll. Im Laufe der Zeit habe ich — so glaube und hoffe ich jedenfalls — alles Überflüssige abgestreift. Mit dem neuen Film möchte ich wieder anfangen, mich auf die »reinste« Form des Geschichtenerzählens zu besinnen. Die purste Form des Theaters, wenn man so will: Das Wort und der Mensch. Eine Situation, die von zwei Personen, zwei Seiten, beleuchtet und erfahren wird. Da in Le deuxième commencement drei Sprachen gesprochen werden, fällt dem Thema Sprache diesmal eine ganz eigene Gewichtung zu. Für jemanden wie mich, der das Wort über alles liebt, ein aufregendes Abenteuer.

Die letzten Wochen standen fast voll und ganz im Zeichen der Wohnungssuche. Ich besichtigte an die 60 Wohnungen, einige waren so zerlumpt, dass es mich grauste. In einer Stadt wie Hamburg, Köln oder München käme kein Eigentümer gesunden Verstandes auf den Gedanken, solche Wohnungen anzubieten. (Wir sprechen von verrotteten Dielen, Schwarzschimmel im Badezimmer, kaputten Fenstern und ähnlichen Mängeln.) Die schönsten Wohnungen gibt es in Köpenick und Spandau, aber von dort aus fährt man etwa eine Stunde in die Innenstadt, das schreckt dann doch ab. Nun denn, diese Woche werden hoffentlich die Würfel fallen.
     Die kleinen und größeren Ärgernisse der letzten Zeit verblassen im Angesicht der Schönheit, die sich gerade ausbreitet. Auf dem Album »The Art of the Trio« von Brad Mehldau gibt es zum Schmelzen schöne Interpretationen von Stücken wie »I Fall in Love Too Easily« und »Nobody Else But Me«. Sanftester Jazz. Dazu das Lavendel-Duftöl von Kräuter Kühne, leckeren Tee und ein Melissenbad. Eine warme, liebe Stimme am Telefon. Umzugs- und Renovierungspläne. Der neue Film in Reichweite. Im Theater sah ich vorige Woche Tilly als Zarah Leander in dem geistreichen Monologstück »Zarah siebenundvierzig« von Peter Lund.

Phil Mälz meinte neulich zu mir, man spüre beim Lesen dieses Blog meine starke Liebe zu dem, was ich tue, sehr deutlich. Das freut mich sehr, so soll es auch sein. Meine Filmtipps haben in den vergangenen Wochen reichlich neue Leserinnen und Leser auf diese Seite gebracht. Ich hoffe, vorm Jahreswechsel noch drei, vier Filme hier vorstellen zu können. Mal sehen, was mir der Zeitplan erlaubt.
     Einen angenehmen Herstsonn(en)tag wünsche ich Euch.

 André

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