22. September 2011

»Das dauert und dauert,« sagt Will Quadflieg kurz vorm Ende von »Kora Terry« (Regie: Georg Jacoby), einem unsäglichen Marika-Rökk-Vehikel von 1940, und damit ist eigentlich schon alles über den Film gesagt. Was für ein Schinken! Die kriminell unbegabte Rökk in einer Doppelrolle. Allein die unfreiwillig komische Weise, wie sie an ihrer Aufgabe scheitert, macht den Film amüsant. Ein langweiliger, überfrachteter Genre-Mix aus Revuefilm, Kriminalstück und Spionagedrama. Regisseur Jacoby schien seiner Frau einen ähnlichen Gefallen tun zu wollen wie es George Fitzmaurice seinerzeit mit »Mata Hari« (1931) oder Josef von Sternberg mit »Dishonored« (1931) für die Garbo respektive die Dietrich taten. Leider lag die Rökk weit hinter Garbos Talentlage und war um Längen unattraktiver als Marlene (in »Kora Terry« werden besonders die elefantösen Oberschenkel und die nicht vorhandene Taille unangenehm zur Schau gestellt). Dennoch war »Kora Terry« der erfolgreichste deutsche Spielfilm des Jahres 1940. Wieder ein Beweis für den miesen Geschmack der Nazis. Was muss die Rökk — ähnlich wie Magda Schneider oder Heinz Rühmann — für ein furchtbarer Mensch gewesen sein! Der verbissene Mund, das Hexenkinn, die Härte im Blick, die aus allen Poren tropfende Egozentrik.
     Wo wir gerade beim Thema sind: Der Papst ist da. Selten ein so gruseliges Menschlein gesehen. So soll man aussehen, wenn man über 80 Jahre lang die Menschen liebt? In dem Gesicht steckt keine Güte, keine Empathie, kein Herz. Der Mann sieht aus, als würde er jeden Morgen ein Aschebad nehmen. Und dann lässt er sich in diesen wahnsinnigen Priscilla-Gewändern durch die Hauptstadt fahren, um uns Verzicht zu predigen. Wie bigott das Ganze ist, und auch noch zu einer Zeit, in der es den Menschen ohnehin nicht besonders gut geht und sie gezwungen sind, Verzicht zu üben. Das ist eine Provokation. Kein Wunder, dass die halbe Stadt abgesperrt ist und die Polizei die Berliner auffordert, die Fenster geschlossen zu halten und die Balkone nicht zu betreten. Nur schlechte Menschen müssen so viel Angst haben. Wen wundert’s, dass 2011 das Rekordjahr der Kirchenaustritte ist? Wenn Gott wüsste, was hier alles in seinem Namen angerichtet wird, würde er im Grabe rotieren!
     Aber diesen schönen Altweibersommertag lassen wir uns nicht verderben, oder? Lieber bei einem Becher Kakao den klaren Morgenhimmel betrachten und sich darüber freuen, gesund zu sein. Seid umarmt.

André

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