17. September 2011

Ganz ehrlich: Ich hasse Umzüge. Wenn ich an die 72 Stufen und die 50 Umzugskartons denke, wird mir jetzt schon schlecht. Auch suche ich nicht besonders gerne nach Wohnungen. Es hatte schon seine Gründe, weshalb ich elf Jahre in ein- und derselben Wohnung lebte. Was momentan angeboten wird, ist teilweise wirklich unverschämt: »Charmante Besonderheit: Duschbad und WC befinden sich nicht in der Wohnung, sondern im Entree des Hauses.« Ab Montag schaue ich mir Wohnungen in Rixdorf, Plänterwald, Steglitz und sogar Köpenick an.
     Mein Noch-Vermieter zeigt sich zudem ziemlich unkooperativ. Eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung (was für ein Wort!) werde ich von ihm nicht bekommen, also muss ich sämtliche Kontoauszüge der letzten zwölf Monate kopieren, damit der neue Vermieter sehen kann, dass die Miete immer pünktlich überwiesen wurde. Auch sonst ist es sehr hässlich geworden, seit ich die Wohnung gekündigt habe. Ich war und bin der Meinung, dass 380 Euro Nebenkosten nicht stimmen können, schließlich nutze ich die Wohnung nur acht bis zwölf Tage im Monat, und die Heizung funktioniert auch nicht. Außerdem glaube ich, dass die Grundsteuer vom Eigentümer gezahlt werden muss, nicht vom Mieter. Alles in allem finde ich, dass 780 Euro für circa 60 unbewohnbare Quadratmeter in einem der schlimmsten Bezirke Berlins zu viel sind. Und der Vermieter weigert sich, mir eine Nebenkostenabrechnung zu schicken. Auch beharrt er darauf, dass die Wohnung 70 Quadratmeter hätte, was nicht stimmen kann, denn das Obergeschoss hat keine 28. Telefonisch kommen immer wieder Mieterhöhungen, schriftlich gibt er mir nichts. Also zum Mieterverein. Wie strapaziös. Ich würde meine Zeit gerne sinnvoller nutzen!

André Schneider (Foto: M. Trostdorf)

Was für eine Woche, oder?
     Das AKW-Unglück in Frankreich bot wieder einmal Anlass für die ewig gleichen, ergebnislosen Diskussionen über die Sicherheit der Reaktoren. Und dieser Irrglaube, die Gefahr sei gebannt, wenn man die AKWs vom Netz nimmt! Das Zeug muss danach noch Jahrzehnte (30?, 50?, 100? Jahre??) bewacht und gekühlt werden und bleibt gefährlich! Man kann es nicht sehen, hören oder riechen, aber es umgibt uns, und wir können nichts tun. Ob das Kraftwerk nun 300, 600 oder 900 Kilometer von der Grenze entfernt liegt, ist auch unerheblich, denn Wind und Niederschläge tragen das Entwichene eh in alle Himmelsrichtungen. Gelaber hin oder her: Ändern wird sich nichts. Vielleicht sollten die Lobbyisten und Politiker ihre Villen in Gorleben bauen, dann käme man eventuell zu Lösungen. Doch wie sollen die aussehen?
     Wisst Ihr, worauf ich mich freue? Auf das neue Album von Kate Bush. Sie singt über den Schnee. Wir können nur erahnen, von was für einer ätherischen Schönheit diese CD sein wird. Im November wissen wir mehr. (Noch ein Musiktipp: »Love Harder« von Ali Love.) Man muss sich in diesen Zeiten bewusst machen, dass die Schönheit überall ist. Wirklich! Man muss nur genau hingucken bzw. —hören, und mehr als den kurzen, flüchtigen Moment der Schönheit können wir kaum verlangen.

Wie die Besucherzahlen zeigen, gefallen Euch meine Filmtipps. Freut mich! Werde weiterhin meine Sammlung nach Schmuckstücken für Euch durchstöbern und darüber schreiben. Ihr müsstet Kim Stanley entdecken und die unbekannteren Filme Marlon Brandos. Ein paar deutsche Filme sollte ich gelegentlich auch mal präsentieren, denn da gibt es viele unentdeckte Kostbarkeiten.
     Le deuxième commencement entwickelt sich schrittweise, das Team findet sich zusammen. Kamerafrau, Designer, Komponist, Cutter. Ich bin richtig aufgeregt, mit so angenehmen Menschen zu arbeiten. Maske, Ton und eine Assistentin suchen wir noch. Was mir ein wenig Sorge bereitet, sind die Berliner Drehorte, aber auch da wird sich alles finden. Wir haben keinen Termindruck und arbeiten uns Stück für Stück in diesen Film hinein. Zuerst einmal die fünf Drehtage in Paris, Anfang Dezember geht es los. Immer wieder trudeln kleinere und größere Spenden ein, habt Dank dafür und fühlt Euch umarmt.
     Heute Abend gehe ich ins Theater, morgen wird entspannt (ich habe immerhin 27 Tage durchgearbeitet). Habt auch Ihr ein schönes Wochenende!

André

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