26. März 2011

André Schneider

Hinter dem Vorhang ist es ruhig. Das ist der aufregendste Moment für mich, wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, wenn das Mikrophon dort steht, wo es hingehört, und die Scheinwerfer gespannt auf ihre Erleuchtung warten. Wenn ich mich letztendlich doch dafür entscheide, das schwarze Hemd zu tragen, das ich längst zur Kleidersammlung geben wollte, und das neue T-Shirt sich noch ein wenig in Geduld üben muss. Wenn ich das letzte Mal überprüfe, ob die Haare auch nicht verstrubbelt sind, grad bevor im Zuschauerraum und bei mir auf der Hinterbühne das Licht ausgeht — dann ist eine Stille im Raum, ein Zauber, für den sich alle Strapazen gelohnt haben. Ein heiliger Augenblick, in dem ich erspüre, wie der Abend werden wird. Wenn der Adrenalinstoß, der mich vor zehn Minuten fast erstarren ließ, abklingt, das Lampenfiebergeschlotter in den Knien innehält, ich meinen Oberkörper aufrichte und zur Mitte der Bühne gehe. Barfuß. An meinen Soloabenden immer barfuß. Ich möchte die Magie, die Geschichte dieser Bretter, die für einige Stunden die Welt bedeuten, grenzenlos spüren. Das ist definitiv ein spiritueller Aspekt.
     Ja, ich bin aufgeregt und voller Vorfreude auf Paris. Seid herzlich umarmt.

André

Advertisements