21. März 2011

André Schneider

Frühlingsanfang, 7:30 Uhr. Die Sonne lacht, als habe sie gerade einen guten Witz gehört. Als habe sie den kalendarischen Frühlingsanfang ganz bewusst auf dem Schirm. Ich liebe den klaren, blauen Himmel bei klirrender Kälte und die erste Tasse Tee des Morgens. (Habe mir am Samstag einen aromatisierten Schwarztee gegönnt: Frühlingserwachen, mit einer leichten Zitrusnote. Sehr frisch und fruchtig.)
     Gestern las ich schmunzelnd in einem »Hartmut und ich«-Roman, hinterher setzte ich mich an mein Tagebuch und formulierte einige »Wünsche an mich selbst« für das kommende Lebensjahr. Zwei wichtige Punkte: Die VER-ÖFFENTLICHUNG mir nicht zum Thema machen, sondern einfach weiter schreiben und meine mir selbst geäußerten Überzeugungen und Vorhaben, mein Lebensbild, endlich verinnerlichen, zur inneren Schau werden lassen und die Äußerung noch radikaler überprüfen. Das Innern — also das Schreiben — mehr zum LEBENS-INHALT machen und das Äußern hintanstellen.

Knut ist tot. Erstaunlich: Ich habe mich der ganzen Berichterstattung seinerzeit entzogen und war seit fast acht Jahren nicht mehr im Zoo — ich mag keine eingesperrten Tiere sehen —, und dennoch flossen die Tränen. In freier Wildbahn werden Eisbären etwa 30 bis 40 Jahre alt. Dass hier gewissermaßen ein »Kind« ums Leben gekommen ist, tut wirklich weh. Natürlich mal wieder Diskussionsstoff. Ein Einwand, den man immer wieder hört: Warum sich um zu Tode gequälte Tiere kümmern, solange weltweit immer wieder mit Menschen Schreckliches und Quälendes geschehen kann und darf? Eine aus innerer Bequemlichkeit resultierende Fehleinschätzung, denn: Solange unsere menschliche Gesellschaft sanktioniert, fühlende Wesen — und das sind Tiere! — in dieser unmenschlichen Form grausam zu Tode zu benutzen, solange wird dieses auch vor dem Menschen selbst niemals Halt machen. Ethisches Verhalten beginnt nicht am Punkt X. Es ist oder ist nicht.
     Mehr möchte ich dazu überhaupt nicht sagen. Natürlich sind Zoos wichtig, um die Arten zu erhalten — es gibt beispielsweise inzwischen mehr Tiger in Gefangenschaft als in freier Wildbahn —, aber eine wirklich artgerechte Haltung können nur die wenigsten bieten. Es ist unappetitlich.
     Kommt trotzdem alle gut in und durch diese Frühlingswoche.

André

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