7. Februar 2011

Ein wenig wirkt es wie Paris’ verarmte Schwester, dieses Brüssel. Architektonisch zwischen der Schönheit des Jugendstils und der grauen Hässlichkeit neuerer Tage pendelnd, windgepeitscht und nasskalt empfing es mich. Mein Hotel, das Hôtel Chambord, lag direkt an der Porte de Namur, nur einen Steinwurf vom Stadtzentrum entfernt. Dick eingemummelt erkundete ich Mont des Arts, Saint-Gilles und die Gegend rund um die Grand’ Place, bevor am frühen Abend das Filmfestival unter großem Andrang feierlich eröffnet wurde. In Sachen Herzlichkeit, Großzügigkeit und Gastfreundschaft waren die Brüsseler den Parisern mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen. Der Festivalleiter Michel Verbruggen und seine Crew waren einfach zauberhaft, und es war mir eine Ehre, am späten Donnerstagabend unseren Film vorstellen zu dürfen, der auch hier gut ankam. Ich traf erstaunlich viele in Brüssel lebende Deutsche — aus Köln, aus Münster, aus Aachen —, einen unsere Sprache perfekt sprechenden Spanier namens Alfonso und Brüsseler, die mich mit ihrer Offenheit und ihrem aufrichtigen Interesse verblüfften. Ein gelungener Auftakt für meine vier Tage in Belgien. (Zu den Vorstellungen in Tournai und Namur konnte ich leider nicht fahren.)
     Noch zwei weitere Filme sah ich mir im Rahmen des Festivals an, eine Komödie aus den USA und einen unbeschreiblich guten deutschen Film mit Tim Bergmann. Natürlich kaufte ich Schokolade von Leonidas, versackte in einigen Buchhandlungen und ging zur Party ins Smouss. Mein Restauranttipp für alle, die es mal nach Brüssel verschlägt: Ristorante Cosecosi, Chaussée de Wavre 16.
     Lehmgrauer Himmel, nasse Straßen und Sturmböen am Abreisetag. Punktgenau um elf Uhr schloss sich die Taxitür. Achselzuckend registrierte ich das Fehlen des Sicherheitsgurtes. Dann preschte der Fahrer los, hinein in den Sturm, in die Kurven, die anderen Autos mal links, mal rechts überholend. Wie zwei dicke Murmeln kugelten meine Tasche und ich auf der Rückbank hin und her und durcheinander, bis ich schließlich an der Kopfstütze meines Chauffeurs Halt fand. Der grinste in den Rückspiegel: »Vous avez peur, Monsieur?«
     Angst? Nein. Für einen Norddeutschen das perfekte Reisewetter. Der Windprinz fliegt heim.

André

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