6. Dezember 2010

Gedanken zur Adventszeit

Weltpolitische Konfliktsituationen und deren friedliche Lösungen — immer wieder wird unsere Hoffnung gravierend enttäuscht. Der Sieg von krankhaftem Einzelinteresse und Unvernunft bestätigen sich immer wieder neu. Man kann diese Entwicklungen zum Schrecklichen hin Schritt für Schritt verfolgen und bleibt selbst, erstarrt in Hoffnungslosigkeit, zurück.
     Aber da es nicht sein darf, alle Hoffnung aufzugeben — das würde Lebensunfähigkeit, Absage an das Leben bedeuten —, muss man um sie kämpfen. Als Waffe nur den Gedanken, als Kampfstätte das eigene Sein.
     Wenn schon Egomanie, Bemächtigungsdrang, Machtstreben, Habsucht, Blindheit für Zusammenhänge, Todessucht und Vernichtungswille weltweit nicht in den Griff zu bekommen sind — die Möglichkeit, sich selbst davon zu reinigen, besteht. Wenn man damit auch nicht die Welt verändern kann — das kleine individuelle Trotzdem kann ein Menschenumfeld beeinflussen. Und nährt die im Sterben liegende Hoffnung, kann sie wieder kräftigen.
     Wenn über »den Frieden« gesprochen wird, bleibe ich immer dabei: Finde und erlerne ihn vorerst in dir und im Umgang mit deinem Nächsten.
     Die Welt sieht genau so aus wie wir selbst. Wenn wir im Berufsleben »Strategien« einem ehrlichen Handeln vorziehen — wenn wir unaufhörlich »gewinnen« müssen, statt einfach das Unsere zu tun — wenn wir einem ominösen Erfolg oder »Sieg« unseren Charakter zum Opfer bringen — wenn wir glauben, andere Menschen »abschießen« zu müssen, um uns zu bestätigen…
     Solange wir uns von diesem kriegerischen Vokabular, und vor allem von den damit verbundenen kriegerischen Inhalten, nicht lösen können, dürfen wir den Zustand der Welt und ihre Kriege nicht reinen Herzens anklagen. Klagen wir uns selbst an, vorrangig und konsequent. Dann zeigen wir mit dem Finger auf etwas Veränderbares. Und das kann kostbar, kann erleuchtend sein.
     Mit diesen Gedanken — vielleicht ein wenig schwer für diese »fröhliche Zeit«? — wünsche ich Euch allen eine besinnliche Adventszeit und ein ungetrübtes Weihnachtsfest. Achtet auf Euch und Eure Lieben.

André

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