1. April 2008

Eine Mauer aus Glas

Und dann dieses scheußliche Gefühl, nachts aufzuwachen, das Gesicht ganz nass von Schweiß und Tränen, und man wirft einen Blick zur Seite: Nur wenige Zentimeter entfernt liegt der Mensch, mit dem man das Versprechen der Liebe teilt, und das im Halbdunkel liegende Gesicht wirkt merkwürdig — fremd…? Als hätte man es nie zuvor gesehen. Man reibt sich die Augen und richtet sich auf, um einen klareren Blick zu riskieren. Man betrachtet das schlafende Antlitz, doch es wird und wird nicht vertrauter. Und friedlich wirkt’s auch nicht. Urplötzlich scheint man sich Lichtjahre entfernt zu haben, im Bauch klumpt das Unbehagen.
Am Abend zuvor: ein Streit. Ein Streit? Heute heißt das ja Diskussion. Auch, wenn sie lauter wird und nichts mehr von einer rationalen Auseinandersetzung hat. Ein Austausch von Vorwürfen, Rechtfertigungen und Ausflüchten. Geballte Projektion, die einem ins Gesicht geschleudert wird. Enttäuschungen, für die man den anderen verantwortlich schimpft. Man ist Ankläger und Angeklagter zugleich. Unterbewusst weiß man, es ist »nur ein Streit«, der verfliegen wird. So plötzlich, wie er kam. Trotzdem ist man schockiert über den Schlamm, der unvermutet angeschwemmt wird. Dinge, deren Wichtigkeit man offensichtlich unterschätzt hat; vielleicht hat man sie noch nicht einmal wahrgenommen. Wie konnte man nur so unsensibel und blind sein?
Im Laufe des Streits kam der Moment, in dem der Partner die Beziehung grundsätzlich in Frage stellte. Vielleicht sollte man sich trennen, man sei zu verschieden, hieß es. Der Bauchklumpen brummte, es schepperte im Innern, die Knie wackelten, Tränen wackelten mit: »Wieso zu verschieden? Weil ich nicht Céline Dion höre und du keinen Jazz?« Keine Antwort. Schweigend ging man zu Bett. Das Beziehungsgerüst wurde — scheinbar ohne Anlass — porös und instabil. Angst und Misstrauen stehen nun zwischen den Liebenden wie eine Mauer aus Glas: man sieht zwar noch, wie der andere seine Lippen bewegt, aber man kann sich nicht mehr verstehen oder verständlich machen. Wie ein Kleinkind, das keine Sprache hat. Man fühlt sich amputiert. Diese Glasmauer droht mit »Sackgasse«, und man wünscht sich mal wieder erfolglos und wider besseres Wissen, das Rad der Zeit nur um ein paar Stunden zurückdrehen zu können. Und dass das schlafende Gesicht neben einem die wohltuende Vertrautheit zurück gewinnen möge.

Heute in einer Woche…

…sitze ich bereits im Flugzeug von Frankfurt nach Windhoek. Unfasslich, wie flink das erste Quartal des neuen Jahres verflogen ist! Wie sehr ich mich auf diesen Urlaub gefreut habe! 15 Jahre träumte ich davon, durch Namibia zu reisen. Und jetzt, wo es geschehen soll, der Flieger quasi schon vor der Türe steht, empfinde ich gar nichts außer einer großen Müdigkeit und Leere. (Erinnert mich an einen Hollaender-Text: »Wünsche sind nur schön, solang sie unerfüllbar sind.«) Wollen wir hoffen, dass der Appetit beim Essen kommt, und zwar möglichst schon bei der Vorsuppe. Möchte nicht erst am Tage des Rückflugs merken, wie geil dieser Urlaub war.

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