16. April 2007

Räudige Katze

Nachdem ich am Samstag schon »Vollidiot« (Regie (was ist das eigentlich??): Tobi Baumann) nur unter Schmerzen ertragen konnte, ging ich gestern in die Schaubühne, um mir Tennessee Williams’ Meisterwerk »Die Katze auf dem heißen Blechdach« anzuschauen. Da es sich hierbei um eines meiner absoluten Lieblingsstücke handelt(e) und Kirsten Dene in der Rolle der Big Mama zu sehen war, dachte ich, ich sei auf der sicheren Seite. Pustekuchen! Die zwei Stunden und 15 Minuten Lebenszeit gibt mir kein Mensch zurück. Jetzt weiß ich wieder, warum ich die Berliner Theaterszene nicht mag, und Ostermeier, der mir mit seinen Inszenierungen seinerzeit beinahe gänzlich die Lust am Theater überhaupt genommen hatte, konnte sich bei mir auch nicht rehabilitieren. Es ist bemerkenswert, wie er Williams’ meisterhaften Text mit dieser uninspirierten, langatmigen (obwohl das Stück in seinem Umfang um etwa die Hälfte gekürzt wurde!) und lieblos dahingerotzten Inszenierung entzauberte. — Schauspieler: Der den Brick spielte, schien gar nicht zu wissen, was er da eigentlich tut und machte aus der vielschichtigen Hauptrolle eine blasse Nebenfigur. Bierbichler (als Big Daddy) verlieh dem Debakel ein wenig Glanz, wennschon man ihm anmerkte, dass er mit Ostermeiers Regie unglücklich und hochgradig unkonzentriert war. Er sagte vielleicht zwei Dutzend Mal zu oft »Scheißdreck!« und wienerte sich fluchend durch seine Texthänger. Kirsten Dene war wie gewohnt gut, drohte aber in dem pompösen Gedröhn unterzugehen. Sie durfte auch nur ein paar Male einen Kaffee auf die Bühne bringen. — Ansprechend: Das Bühnenbild. Ein Bussard thronte in einem riesigen Glaskasten über der Bühne und hüpfte tapfer auf seinem Ast herum. Nach etwa einer halben Stunde wurde auch das langweilig. — Und sonst? Wie bei Herrn Ostermeier üblich, dröhnten Musik und merkwürdig zusammenhanglose Videoinstallationen die Zuschauer wach. Emotional mitgerissen wurde man nicht. Und das bei einer der tragischsten, anspruchsvollsten Stücke, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Es verpuffte einfach, man ging heraus und war müde. Nicht, weil man etwa ausgepowert war, sondern einfach, weil es auf halb elf zuging. Und das tat wirklich weh!

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2 thoughts on “16. April 2007

  1. Lieber andre, Hast du dir einen Virus eingefangen? Ich bekomme seit zwei Tagen dutzendweise alte posts von dir auf meinen mail account. Alles okay bei dir? Alles Gute und liebe grüße, Roland

  2. Hallo Roland,
    es tut mir schrecklich leid, ich bin gerade dabei, meinen Blog zu überarbeiten und hole alte Beiträge wieder hervor. Blöderweise kriegen alle, die meinen Blog abonniert haben, jetzt haufenweise Mails. Ich weiß leider nicht, wie ich das abstellen soll. Aber immerhin werde ich heute mit allem fertig, dann ist erst einmal Ruhe im Karton.
    Liebgruß zum Wochenende, André

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