14. April 2007

Viel zu kurz, der Trip nach West-Irland

Drei Jahre war ich nicht mehr in Galway gewesen, und das Wiedersehen war denkbar schön. Als wenn man einen guten Freund, den man Jahre nicht zu Gesicht bekam, endlich wieder in die Arme schließen konnte. Dabei war ich fies genervt von den Billigfliegern. Die sind zwar preiswert, sollen sie ja auch sein, aber man reist wie ein Teenager mit DB-Wochenendticket via Bummelzug: Drei kurzweilige Flüge (jeweils unter 60 Minuten Flugzeit), aber das Personal so was von moppig und die Aufenthalte an den Flughäfen nahezu unerträglich. Schönefeld ist nicht Tegel, Gatwick ist nicht Heathrow, der Dubliner Flughafen ist eh ein ganz eigentümlicher Witz. Es dauerte, bis ich darüber lachen konnte, und ich war happyhippo, dass ich mit leichtem Gepäck reiste.

Immer, wenn ich in Irland bin, wuchtet mich die Schönheit der Landschaft aus meinen Schuhen. Seit ich 1996 erstmals Fuß auf irischen Boden setzte, verbindet mich eine tief verwurzelte Zuneigung zu allem, was irisch ist. Verlasse ich das Land, scheint eine schlafwandlerische Stimme zu rufen: »Come back, come back!«, als ob ich in einem früheren Leben schon einmal dort und Bestandteil gewesen bin. Die Iren sind lebhafte, gastfreundliche Menschen, die das Leben locker sehen, viel trinken und noch mehr lachen. Nach einem Aufenthalt in Paris (= kein Humor, keine Gastfreundlichkeit) belebt das die Lebensgeister.

Die Cliffs of Moher: Allein deswegen lohnt sich jede Reise-Strapaze. Ich kann behaupten, gut herumgekommen zu sein, viel gesehen zu haben, doch kaum eine Gegend vermag es dergestalt, mir so den Atem zu rauben. Diesmal erfüllte ich mir einen lang gehegten Traum, mietete mir ein Pferd und ritt die Küste entlang, schmeckte den salzigen Wind, hörte das Meeresrauschen und speicherte diesen ab — denn ich weiß, ich werde lange nicht mehr kommen können. (Vielleicht im Juli zum Theaterfestival, mal schauen.) Obwohl es windig war, konnte man den Atem des Frühlings spüren. — E.s Geburtstagsfeier im Garvey’s Inn: Guinness, Lachtränen und erstaunliche Gespräche. Im Central Park Club tanzte ich mit zwei sommerbesprossten Mädels, die ich zuletzt 2003 in London gesehen hatte. E. selbst wirkte zunehmend in sich gekehrt, und als ich ihn darauf ansprach, meinte er, die 40 sei ein schwieriges Alter für jeden Mann. Ganz besonders, wenn man single geblieben und Raucher ist.

Und nun wieder Berlin. Die Sonne scheint, man sieht Blusen und T-Shirts, selbst das Kopftuch-Geschwader am Kottbusser Damm gibt sich blumig. Der Frühling ist auch anstrengend für die Nackenmuskulatur. Man dreht und wendet sich in alle Richtungen, weil die Hosen so eng und die Röcke so kurz geworden sind. (Wusstet Ihr, dass Röcke Diät halten?) Aber was will man tun? Den Kopf stundenlang in den Kühlschrank stecken, um den Hormonen vorzugaukeln, es sei noch Winter? Das funktioniert auf Dauer nicht. Ich hab’s getan und weiss jetzt lediglich, was noch eingekauft werden muss.

P.S.: Barbara kam gestern in Paris an. Sie bleibt bis zum 17. Ich kam in Berlin an und bleibe ebenfalls bis zum 17. Wie albern ist das denn bitte?

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