21. März 2007

La ville lumière

Umzug in die Rue du Point aux Choux. Eine Wohnung für mich alleine. Dafür teurer. Gut, man kann nicht alles haben, sag ich immer. Ich esse gerade frische Ananas und Mango, trinke Tee und versuche, die vielen Tränen, die mich seit Freitag verlassen haben, zu begraben. — Schöne Entdeckung: The Studio in der Rue du Temple. Köstliches Essen! Wer’s südamerikanisch mag. Dazu: Ein für Pariser Verhältnisse großer Innenhof. Hier wird abends musiziert, Salsa und Tango getanzt und Theater gemacht. Man kann auch Schauspielkurse belegen und Gesangsunterricht nehmen. Eine Adresse, die sich ein kulturinteressierter Paris-Besucher merken sollte! — Unschöne Entdeckung: Man hat’s als Ausländer verdammt schwer, sich für längere Zeit (= mehr als ein paar Tage) in Paris aufzuhalten. Die Menschen hier sind schwer zugänglich, unfreundlich und zuweilen offensiv feindselig. Das fängt bei der Bedienung im Café an, die dir das Wasser über den Schoß kippt und sich nicht entschuldigt und hört bei der Bäckerin, die dein Geld mit der Begründung, es sei »nicht gut«, nicht annehmen will, auf. Noch schwerer ist es, Anschluss zu finden. Man kommt nicht — wie in Berlin üblich — einfach so ins Gespräch. Und dass das Wort boche doch noch geläufig ist — es handelt sich um ein Schimpfwort für Deutsche, das vor allem während und nach der Nazi-Zeit benutzt wurde —, hat mich im negativen Wortsinn arg verwundert. Die Schwulen hier (pédés) sind, wie überall auf der Welt, offener. Leider wollen sie, wie überall auf der Welt, vornehmlich Sex. Wenn man ihnen klar macht, dass man daran nicht interessiert ist, ist’s auch mit der Offenheit dahin.

Für Paris sprechen viele Dinge. Die Ästhetik und die Schönheit, die oft im Detail (einer Türklinke, einem Treppenabsatz, einer Straßenlaterne, etc.) steckt, hat mich in keiner anderen Stadt so vehement überrollt und mitgerissen. Selbst das Licht der Laternen ist anders als in Deutschland: Man hat das Gefühl, die Stadt ist abends in goldene Nebelschwaden gehüllt, ein seidig weicher Goldschimmer strahlt durch die Straßen und über die Boulevards. Nicht umsonst wird Paris auch The City of Lights genannt, die Stadt des Lichts.

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