7. Februar 2007

Der Vagina-Dialog

S. ist seit zwei Jahren mit seiner Freundin M. zusammen. Es kriselt. Er ruft an.
S.: »André, ich werde nie wieder Sex haben.«
Ich: (gelangweilt) »Schon wieder?«
S.: »Nee, diesmal mein ich’s ernst.«
Ich: »Und was sagt M. dazu?«
S.: »Weißt du, was die von mir verlangt hat? Soll ich dir mal sagen, was die Frau von mir verlangt hat?«
Ich: »Also, wenn ich ehrlich sein soll…«
S.: »Sie wollte, dass ich sie lecke.«
Ich: »Ist ja erst mal legitim, oder?«
S.: »André, du weißt, es gibt Turn-Ons und Turn-Offs.«
Ich: »Hm.«
S.: »Ich tauche also ab und musste sofort wieder hoch. Es roch da unten! Als ob sie ihre Vagina mit einer noch schmutzigeren Vagina gewaschen hätte.«
(Ich unterdrücke prustend einen Lacher.)
S.: »Das war so ekelig, André, du kannst es dir nicht vorstellen!«
Ich: »Doch, doch, kann ich. Aber — ihr kennt euch doch schon so lange, da wär’s doch kein Thema, ihr ganz behutsam zu sagen, dass sie vorher noch mal kurz duscht, oder doch?«
S.: »Was würde sie sagen, wenn ich meinen Sack nicht mehr waschen würde?«
Ich: »Na, wascht euch doch beide untenrum nicht mehr, dann passt’s doch wieder.«
S.: »Das ist nicht sehr hilfreich. Du bist doch sonst so sensibel! Was sagst du denn dazu?«
Ich: »Na ja, so lange man fließend Wasser hat, sollte so was eigentlich nicht vorkommen, aber das ist doch kein Grund…«
S.: »André, ich werde schwul.«
Ich: »Bitte? Ach S., glaub mir, das löst auch keine Probleme. Die verlagern sich da nur.«
S.: »Ernsthaft, André. Ich hab das ja früher schon mal ausprobiert.«
Ich: »Du hast?«
S.: »Ja, in der Schule.«
Ich: (interessiert) »Und was genau hast du da gemacht? Und mit wem?«
S.: »Die Vagina ist schon ein komisches Organ, findest du nicht?«
Ich: »Moment, Augenblick, warte mal. Mit wem hast du damals in der Schule…?«
S.: »Wie ist eigentlich der Plural von Vagina? Vaginen? Vaginanten?«
Ich: »Vaginas, glaube ich. Kennst du den Plural von Klitoris?«
S.: (lange Pause) »Stimmt, den kennt keiner, glaub ich. Klitori? Klitorisse?«
Ich: »Klitoranten!«
(S. und ich lachen beide.)
Ich: »Nun aber noch mal ganz kurz zurück…«
S.: »M.s Klitoris… hab ich dir davon nicht mal Fotos geschickt?«
Ich: »Öh. — Nein.«
S.: »Soll ich das nachher mal per MMS machen?«
Ich: »Warum? Ich weiß, wie eine Klitoris aussieht.«
S.: »Die von M. ist aber besonders schön.«
Ich: »Das glaub ich dir ja, S., aber vielen Dank, das muss nicht sein. Schick mir lieber Pornopics von Frauen, die ich nicht kenne.«
S.: »Sag mal, was ich dich immer schon mal fragen wollte…«
Ich: »Moment mal, S., ich hatte da zuerst eine Frage!«
S.: »Findest du’s eigentlich auch geil, wenn sie an sich rumspielen?«
Ich: »Na ja, um ehrlich zu sein, find ich das eher witzig.«
S.: »Witzig?«
Ich: »Ja, ich finde, wenn ein Mädel ihre Muschi bürstet, sieht das aus … wie ein DJ am Plattenteller. Entschuldige, ich muss dann immer kichern.«
S.: (wieder eine lange Pause) »Gott, ja, stimmt, du hast recht. So hab ich das noch nie gesehen.«
(Wir lachen beide.)
S.: »Andererseits – die finden’s wahrscheinlich auch komisch, wenn wir’s uns vor ihren Augen machen.«
Ich: »Bestimmt. Ich find’s ja selbst immer total komisch. Die Erektion sieht auch jedes mal anders aus. Manchmal sieht sie aus wie eine verkümmerte Eiche, du weißt…«
S.: »Ja, wenn der Sack so am Oberschenkel klebt und man das Gefühl hat, er würde am liebsten fliehen.«
Ich: »Genau. Und dann gibt’s wieder Tage, wo er einem wieder richtig gefällt.«
S.: »Jaaa, wenn er so steif ist, dass es weh tut.«
Ich: »Die Eichel ist dann immer so samtweich und purpurrot.«
S.: »Eines werden Frauen nie verstehen…«
Ich: »Wie witzig es ist, mit einer Erektion Springseil zu springen.«
S.: »Richtig!«
(Wir seufzen beide.)
S.: »Hast du eigentlich was an?«
Ich: »Um nochmal zu meiner Frage von vorhin zurück zu kommen…«
S.: »Was ist eigentlich mit deinen Nippeln?«
Ich: »Hä? Was soll mit denen sein?«
S.: »Na, wie sind sie so?«
Ich: »Die meiste Zeit sehr höflich, S. Ich finde die Frage etwas merkwürdig. Wie das ganze Gespräch übrigens auch.«
S.: »Nein, ich meine, sind sie hart oder weich, stehen sie nach oben.«
Ich: »Ich habe inzwischen recht pessimistische Nippel. Sie zeigen leicht schräg nach unten.«
S.: »Meine sind optimistisch.«
Ich: »Das freut mich, S.«

Dem Rücken geht’s besser. Ich kann meinen Arm wieder ausstrecken, ohne einen Erstickungsanfall zu bekommen. Immerhin.
Mir graut’s inzwischen davor, meine Mails abzurufen oder mein Handy einzuschalten.
Würd mir gern bald »Die Katze auf dem heißen Blechdach« mit Kirsten Dene als Big Mama anschauen. Wenn die Theaterkarten in Berlin zur Zeit nicht so unheimlich teuer wären. Und beim Gedanken an das Filmfest keuche ich jetzt schon.
Morgen in vier Wochen verlasse ich Deutschland und Berlin. Und noch 31 mal schlafen, dann bin ich 29.

Diät-Notiz, Tag 2: Die Klamotten-Frage neu überdenken. Gewicht mit Klamotten: 79,8 kg. Gewicht ohne Klamotten: 77,0 kg. Wollpullover ade? Die Dinger sind doch verdammt schwer. Vielleicht kommen die Rückenprobleme daher? Vielleicht wirke ich deshalb dicklich? Alternativ könnte ich natürlich nackt rumlaufen. Aber wer will das schon? Gerade jetzt, wo’s friert. Es bibbert in meinem Männlichkeitssäckchen. Brrrr!

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