20. November 2006

Erschöpft in die Woche

Was mir an Dreharbeiten oder auch Theaterproben am besten gefällt, ist, glaube ich, dass man sich in einem Vakuum befindet. Man lebt im Theater bzw. am Drehort und kriegt nicht mit, was in der Welt passiert. Man genügt einander, es bilden sich kleinfamilienähnliche Strukturen im positivsten Sinne, man hat Spaß, kreative Flüsse entstehen (oder auch nicht), es ist harte Arbeit, nach der man einerseits leer und ausgepowert, andererseits rauschhaft beflügelt ist. Wenn ich 13, 14 Stunden gedreht oder geprobt habe, bin ich hinterher a) inspiriert und b) nicht mehr in der Lage, mit Menschen zu sprechen. Schotte mich dann ab, lese, schreibe, schaue einen Film oder höre Musik. Am nächsten Morgen fallen einen die Schlagzeilen am Kiosk so unvermutet an, dass man sich geschockt fragt: »Hab ich denn gar nichts mitgekriegt?« Bei langen Drehs von zehn, zwölf Wochen weiß ich oft gar nicht mehr, was politisch, kulturell, sozial die Nation oder die Welt bewegt. Nur bruchstückhaft. Das ist irgendwie schön, weil man sich zentriert auf das Wesentliche. Andererseits kapselt’s einen ab.
Gestern nach Drehschluss sah ich mir What Ever Happened to Baby Jane? an. Zuletzt hatte ich ihn mit 15 gesehen, und er war mir als heftiger Kammerspiel-Thriller in Erinnerung geblieben. Gestern stellte ich fest, dass es eine biestige Komödie war, exzellent in jeder Hinsicht. Alte, böse Frauen haben in der Filmgeschichte einen ganz besonderen Platz, von Davis und Crawford über die garstige Therese Giehse bis hin zu der gruseligen Knef in »Fedora« (Regie: Billy Wilder). Man kann schon von Tradition sprechen. Muss mich mal mehr damit auseinander setzen.

Gerade lese ich bei IJB, dass Ralf Stadler den Deutschen Kurzfilmpreis gewonnen hat. Wie schön! Bin schon gespannt, wann’s bei IJB zum ersten Mal passiert. Oder bei mir. In meiner Vermessenheit hoffe ich ja, dass Half Past Ten oder Blues wenigstens irgendwo gezeigt und Anerkennung finden werden. Wenn der Weg dorthin nicht so beschwerlich wär! Obwohl — dann hät’s vermutlich auch keinen Wert mehr. Ach, was schweife ich wieder ab!
Erst einmal Rekonvaleszenz. Schreiben, Termine machen. Für heute ist Feierabend mit Blog. Wobei mir einfällt, dass es schon lange kein »Buch des Tages« mehr gab. Ach, ich komm gar nicht mehr nach…

CD des Tages: Peter Ustinov: »Life«.

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