15. November 2006

Ich stelle zu viele Fragen, oder?

F. C. war bei mir zu Gast. Es entspann sich folgendes Gespräch.

Er: »Guck mal, André, diese Salbe ist der absolute Hammer!«
Ich: »Wieso, was ist damit?«
Er: »Die betäubt den Analbereich.«
Ich: »Hm. (pause) Und?«
Er: »Na ja, wenn ich mir das aufs Loch schmiere, merk’ ich nichts mehr, dann kann ich mich stundenlang ficken lassen.«
Ich: »Warum möchtest du dich stundenlang ficken lassen, wenn du’s nicht merkst?«
Er: (lange, nachdenkliche Pause) »Ich glaub, ich muss jetzt gehen.«

Irgendwie ist’s augenblicklich mal wieder bizarr und irgendwie unwirklich. Im schönen Sinne diesmal, denn gestern hatte ich zum zweiten Mal einen Briefumschlag im Kasten. Kein Absender, meine Adresse mit Computer geschrieben. Wieder ein hoher Geldbetrag. Diesmal ohne CD, dafür mit der Live-DVD einer meiner Lieblingsgruppen: Ojos de Brujo. Wieder wirft diese/r Anonymus/Anonyma zahllose Fragen auf und hält meine Gedanken beschäftigt. Kein Anhaltspunkt, woher er/sie meine Adresse oder mich kennt, warum sie/er mir diese Geschenke macht — und vor allem mit der Musik voll meinen Geschmack trifft. (Wenn das so weiter geht, spare ich das Geld und finanziere davon die für 2010 geplante Namibia-Dokumentation.) Ich bin dankbar, demütig, sehr erfreut und glücklich, aber auch ratlos und verwirrt; normalerweise bin ich niemand, dem derlei gute Dinge widerfahren.

Ebenfalls gestern im Briefkasten: Blues im Rohschnitt. Jetzt wird der Ton abgemischt. Ich bin so aufgeregt! Gerade vorgestern las ich, dass Kinski 1946 in dem Stück auftrat; in dem Buch gibt es ein Probenfoto, auf dem er — blutjung und mit dunkler Lockenperücke — als Cocteaus tragische Heldin zu sehen ist.
Las gestern die Jelinek-Biographie von Mayer und Koberg aus. Die Bücher und Stücke der Jelinek liebe ich seit Jahren. Lust, Gier, vor allem natürlich »Die Klavierspielerin«. Kaum eine deutschsprachige Autorin spielt so virtuos auf der Sprachklaviatur, ihre intensive Hassliebe zu unserer Sprache erinnert mich an Celan. Das Portrait von Mayer/Koberg gefällt mir vor allem deshalb, weil sich die Autoren dem Menschen Jelinek so respektvoll und behutsam nähern, wo sie doch wie kaum eine andere polarisiert und provoziert. Viele Journalisten haben sich auf den reißerischen Aspekt ihrer Biographie gestürzt — eine Unsitte nicht weniger Biographen. In diesem Buch erhält der Leser die Möglichkeit, über die Worte und das Schaffen der Künstlerin Jelinek »die Frau dahinter« zu entdecken. Dabei ist man offen und direkt, aber niemals indiskret, das Informationsobjekt Elfriede Jelinek behält seine Würde. Wenn doch nur einer Romy Schneider oder einer Marilyn Monroe eine solche Biographie beschieden worden wäre! — Heute treffe ich mich mit meiner Psychologin, anschließend werden in meinem Kopf die letzten Vorbereitungen für den Dreh am Freitag abgewickelt.

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